Atemwege

Asthma im Erwachsenenalter
Individuelle Strategien für eine Erkrankung mit vielen Gesichtern

Asthma kann atopisch oder nicht-atopisch sein, manchmal wird es bei ASS-Einnahme schlimmer, manchmal steht es mit Adipositas oder COPD in Verbindung. Auch die Vielfalt an Therapieoptionen ist groß. Daher ist es gar nicht so einfach, für jeden Patienten die optimale Behandlungsstrategie zu finden.

Quelle: McCracken JL et al.: Diagnosis and management of asthma in adults ... JAMA 2017; 318(3): 279-90

Typ-2-Diabetes und COPD
Gefährliches Doppel

Typ-2-Diabetes ist eine häufige Komorbidität der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung COPD. Wie stark sich die Prognosen der Patienten verschlechtern, wenn beides zusammenkommt, zeigen aktuelle Daten aus Taiwan.

Quelle: Lin CS et al.: Diabetes risks and outcomes in chronic obstructive pulmonary disease patients: two nationwide ... PLoS One 2017; 12(8): e0181815

Asthma bronchiale
Dosieraerosole in der Praxis erfolgreich

In der Abwägung zwischen Pulverinhalatoren und Dosieraerosolen erleben letztere derzeit eine Renaissance. Zu den Gründen zählen die einfachere Anwendung, die geringere Fehleranfälligkeit und die bessere Adhärenz unter Alltagsbedingungen.

Quelle: Fachpressekonferenz: „Meet the expert“, Mailand, 10.9.2017 Veranstalter: Mundipharma Fluticason/Formoterol: Flutiform® (D, A, CH)

Jahrestagung der European Respiratory Society
Asthma-Diagnose überprüfen – E-Zigaretten, Liquids & Gefahren

Den weltgrößten Lungenkongress richtete auch in diesem Jahr wieder die ERS aus: Fast 22 000 Teilnehmer kamen nach Mailand, um sich fortzubilden. Die Bandbreite der Themen war wie immer riesig – hier eine Auswahl.

3 Fragen, 1 Laborwert
Lungenembolie: ja oder nein?

Ob ein Patient mit Verdacht auf Lungenembolie eine CT-Angiographie benötigt, ist häufig gar nicht so einfach zu entscheiden. Mit der nun prospektiv validierten YEARS-Regel wird die Entscheidung leichter, denn man benötigt nur drei Fragen und einen Laborwert.

Quelle: van der Hulle T et al.: Simplified diagnostic management of suspected pulmonary embolism (the YEARS study): a prospective, multicentre, cohort study. Lancet 2017; 390: 289-97

Akute Lungenembolie
Mortalitätsprognose mittels EKG

In der Diagnostik bei Verdacht auf akute Lungenembolie (LE) hat das EKG seit langem einen gewissen Stellenwert. Nun fanden Autoren aus Kanada in einer umfangreichen Metaanalyse heraus, mit welchen pathologischen EKG-Zeichen man konkret Rückschlüsse auf die Mortalität des LE-Patienten ziehen kann.

Quelle: Qaddoura A et al.: The value of ... Clin Cardiol 2017; Epub Jun 19; doi: 10.1002/clc.22742

Schlechte Daten für den Diesel
Diesel-Feinstaub triggert Soja-Asthma

„Dieselaffäre“, innerstädtische Dieselfahrverbote, und nun erneut schlechte Diesel-Daten ... Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Exposition mit Dieselabgas-Partikeln ein Soja-Allergen-bedingtes Asthma triggern kann – auch wenn die Soja-Exposition alleine nicht ausgereicht hätte.

Quelle: Alvarez-Simón D et al.: Effects of diesel exhaust particle exposure on a murine model of asthma due to soybean. PLoS One 2017; 12: e0179569

Schmerz von COPD-Patienten schnell und valide messen
17 Fragen zum Schmerz in nur 5 Minuten

Hinsichtlich der Domänen Validität, Zuverlässigkeit, Reagibilität und Interpretierbarkeit unterscheiden sich die verschiedenen Werkzeuge und Instrumente zur Schmerzbeurteilung bei COPD-Patienten. Am besten schnitt in einem Review einer australischen Arbeitsgruppe der einfach durchführbare „Pain Sensitivity Questionnaire“ (PSQ) ab.

Quelle: Johnson AM et al.: A review of general pain ... Int J Chron Obstruct Pulmon Dis 2017; 12: 923-9

COPD-Patienten aus der Ferne digital versorgen?
Aktueller Stand und Probleme der Telemedizin

Bei der Telemedizin kommen verschiedene Geräte und Systeme zum Einsatz. Eine Task Force der europäischen Atemwegsgesellschaft hat sich nun mit Indikationen, Follow-up, Ausrüstung, Einrichtungen sowie rechtlichen und wirtschaftlichen Problemen der Telemedizin bei COPD-Patienten beschäftigt. Berücksichtigt wurden auch Patienten, die mechanisch beatmet wurden.

Quelle: Ambrosino N et al.: Telemedicine in chronic obstructive pulmonary disease. Breath 2016; 12: 350-6

COPD-Patienten ohne Risikofaktoren
Kein Screening ohne Symptome!

Die „US Preventive Services Task Force“ (USPSTF) veröffentlicht in regelmäßigen Abständen Empfehlungen zur Vorsorge und zur Früherkennung. Für die COPD war nun eine Überarbeitung der alten Empfehlungen aus 2008 fällig.

Quelle: US Preventive Services Task Force (USPSTF): Screening for chronic obstructive pulmonary disease. JAMA 2017; 315: 1372-7

Häusliche nichtinvasive Beatmung (NIV) nach COPD-Exazerbation
Weniger Krankenhauseinweisungen und geringere Mortalität mit NIV

Exazerbationen, also akute Verschlechterungen der Lungenfunktion mit Beschwerdezunahme, können nicht nur die Lebensqualität von Patienten mit COPD stark beeinträchtigen – sie führen auch häufig zur Hospitalisierung und verschlechtern die Prognose des Patienten quoad vitam. Eine chronische Hyperkapnie ist dabei ein Risikofaktor für Mortalität, weshalb das Therapiekonzept der häuslichen nichtinvasiven Beatmung (NIV) in diesen Situationen erwogen werden sollte. Hierbei erhält der Patient – meistens nur zur Nacht – Raumluft (ggf. mit O2 angereichert) über eine Maske mit Druckunterstützung. Nun wurde in einer großen randomisierten Studie (HOT-HMV) an Patienten mit zurückliegender Exazerbation und Hyperkapnie untersucht, welche Effekte eine NIV im Vergleich zur Langzeitsauerstofftherapie (O2-Insufflation über Nasenkanüle) hat. Die Ergebnisse konnten den Wert der NIV bei diesen Patienten zweifelsfrei belegen.

Quelle: Murphy PB et al.: Effect of home noninvasive ventilation with oxygen therapy vs oxygen therapy alone on hospital readmission or death after an acute COPD exacerbation: a randomized clinical trial. JAMA 2017; Epub May 21: 10.1001/jama.2017.4451

Fixe Dreifach-Therapie bei COPD
Weniger Exazerbationen

Eine individualisierte Therapie ist bei instabilen COPD-Patienten entscheidend, um Exazerbationen zu vermeiden. Eine Dreifach-Fixkombination kann die Therapie für Patienten vereinfachen. Die erste extrafeine LABA/LAMA/ICS-Fixkombination ist nun zugelassen und ab dem 1.11.2017 GKV-erstattungsfähig (PKV ab sofort).

Quelle: Fachpressekonferenz: „TRIALOG II Herausforderung COPD-Therapie: Warum nicht einfach dreifach?“, Köln, 21.6.2017 Veranstalter: Chiesi Formoterol/Glycopyrronium/Beclometason: Trimbow®

Probleme mit der Nomenklatur
Nicht „RAD", sondern „Asthma"

Nicht selten wird bei Kleinkindern mit Atemgeräuschen die Diagnose einer reaktiven Atemwegserkrankung gestellt. Dabei beschreibt dieser Begriff lediglich ein Asthma- Symptom und nicht eine eigenständige Erkrankung. Experten rufen daher dazu auf, die unnötige Bezeichnung aus dem medizinischen Jargon zu streichen.

Quelle: Douglas LC, Feder KJ: RAD: reactive airways disease or really ... Pediatrics 2017; 139(1): e20160625

Trockener Husten
Es kann auch mal ein Abszess sein

Hinter einem akuten trockenen Husten steckt meistens eine Bronchitis oder eine Pneumonie. Wenn der Patient aber auf die entsprechende Therapie nicht anspricht, muss man sich differenzialdiagnostische Gedanken machen. Ein pulmonaler Abszess ist dann zwar nach wie vor selten, muss aber in Betracht gezogen werden.

Quelle: Urso B, Michaels S: Differentiation of Lung Cancer, Empyema, and Abscess ... Cureus 2016; 8: e896

COPD-Exazerbationen
Die wichtigsten Bausteine zur Prävention

In den neuen GOLD-Leitlinien zur Therapie der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) ist das Risiko von Exazerbationen stärker in den Vordergrund gerückt. Die duale Bronchodilatation nimmt dabei eine zentrale Rolle ein.

Quelle: Symposium:„COPD- und Asthma-Therapie im Wandel: was lange währt, wird endlich anders“, im Rahmen des DGIM-Kongresses 2017, Mannheim, 1.5.2017, Veranstalter: Novartis Indicaterol/Glycopyrronium: Ultibro® (D, A, CH)

Prophylaxe durch Supplementation
Vitamin D gegen Atemwegsinfekte?

Vitamin-D-Supplementation ist ein heißes Eisen. Erst kürzlich war im British Medical Journal (BMJ) eine Arbeit erschienen, die bei Erwachsenen keine Evidenz für den Nutzen einer Vitamin-D-Supplementation bei nicht-muskuloskeletalen Erkrankungen fand. Nun gibt es eine neue Metaanalyse mit anderen Ergebnissen – oder nicht?

Quelle: Bolland MJ, Avenell A: Do Vitamin D supplements help prevent respiratory tract ... BMJ 2017; 356: i6583

Obstruktive Schlafapnoe (OSA)
Ist ein Screening überhaupt sinnvoll?

Etwa 16% aller Erwachsenen in den USA leiden an schwerer obstruktiver Schlafapnoe (OSA). Ob und wie ein Screening asymptomatischer Patienten sinnvoll ist, versuchte nun die US Preventive Task Force (USPSTF) zu klären.

Quelle: Jonas et al.: US Preventive Task Force: Screening for obstructive sleep apnea ... JAMA 2017; 317: 415-33

Unabhängig von Symptomfrequenz
ICS auch bei intermittierendem Asthma?

Inhalative Kortikosteroide (ICS) sind ein Kernelement der Asthmatherapie. Leitlinien empfehlen ihren Einsatz bei Patienten mit Symptomen an mehr als zwei Tagen pro Woche (persistierendes Asthma). Eine neue Analyse der START-Studie zeigte aber nun, dass Patienten mit geringerer Symptomfrequenz ebenso stark von ICS profitieren können. Ist die Unterscheidung zwischen intermittierendem und persistierendem Asthma damit hinfällig?

Quelle: Reddel HK et al.: Should recommendations about starting inhaled ... Lancet 2017; 389: 157-66

Lungenkarzinom-Screening
Wer? Wann? Wie lange?

Die aktuellste verfügbare S3-Leitlinie zum Lungenkarzinom-Screening stammt aus dem Jahr 2010, ist abgelaufen und soll frühestens im August 2017 aktualisiert werden. Eine Empfehlung der US-Präventionsbehörde aus 2013 lautet: Ein Screening auf Lungenkarzinom sollte mittels Low-dose- Computertomographie jährlich bei 55- bis 80-jährigen Personen erfolgen, die eine mindestens 30-Pack-years-Anamnese aufweisen und aktuell rauchen oder innerhalb der vergangenen 15 Jahre damit aufgehört haben. In einem aktuellen Mikrosimulationsmodell aus Ontario, Kanada, wurden diese Parameter nun noch einmal präzisiert.

Quelle: Ten Haaf K et al.: Performance and Cost-Effectiveness of Computed Tomography Lung Cancer Screening Scenarios in a Population-Based Setting: A Microsimulation Modeling Analysis in Ontario, Canada. PLoS Med 2017; 14: e1002225

Lungenkarzinom-Vorsorge
Wie kanzerogen ist CT-Screening?

Für bestimmte Risikogruppen wird ein jährliches Screening auf Lungenkarzinom mittels Low-dose-Computertomographie empfohlen. Aber Strahlung kann per se Malignität auslösen, weshalb man in einem Rechenmodell untersuchte, zu wie viel zusätzlichen Krebserkrankungen das CT-Screening von Rauchern führen könnte.

Quelle: Rampinelli C et al.: Exposure to low dose computed tomography for lung cancer screening and risk of cancer: secondary analysis of trial data and risk-benefit analysis. BMJ 2017; 356: j347

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