Gastroenterologie

Wann abwarten, wann therapieren, wann überweisen?
Anhaltendes Erbrechen bei Säuglingen

Wenn Neugeborene immer wieder erbrechen, kann das für die Eltern ein dramatisches Ereignis darstellen, wegen dessen sie hausärztlichen Rat suchen. Dann gilt es, die Eltern über die häufig gutartige Natur des Erbrechens bei Säuglingen aufzuklären (und ggf. zu beruhigen), und vor allem aber zuvor ernste Erkrankungen auszuschließen und zu wissen, wann eine Überweisung an den Pädiater angezeigt ist. Denn es können – in seltenen Fällen – auch gravierende Ursachen dahinter stecken.

Quelle: Chanchlani N et al.: Ongoing vomiting in an infant. BMJ 2017; 357: j1802

Urolithiasis bei Morbus Crohn
Häufigste extraintestinale Manifestation

Patienten mit Morbus Crohn haben im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein 10- bis 100-fach erhöhtes Risiko für Harnsteine. Dies hat ein aktuelles systematisches Review ergeben. Eine weitere praxisrelevante Erkenntnis: Die Urolithiasis tritt im Durchschnitt etwa vier bis sieben Jahre nach der Crohn-Diagnose auf.

Quelle: Gaspar SR et al.: Urolithiasis and Crohn’s disease. Urol Ann 2016; 8: 297-304

Neuer Algorithmus publiziert
Wann bariatrische OP in Erwägung ziehen?

Bariatrische Operationen sind z. B. Roux-Y-Magenbypass, vertikale Sleeve-Gastrektomie, laparoskopische Magenbandimplantation oder biliopankreatische Teilung. Aber wann sollte man für einen Typ-2-Diabetiker die Operation in Erwägung ziehen?

Quelle: Brito JP et al.: Metabolic surgery in the treatment algorithm for type 2 diabetes ... JAMA 2017; 317: 635-6

Reisediarrhoe
Wann Antibiotika, wann nicht?

Eine Reisediarrhoe trifft etwa 20 bis 60% aller Reisenden. Meist gehen die Symptome nach ein paar Tagen von selbst zurück und ein paar einfache Eigenmaßnahmen reichen zur Therapie aus. Manchmal müssen aber auch Antibiotika ran.

Quelle: Barrett J: Travellers‘ diarrhoea. BMJ 2016; 353: i1937

Hochrisiko-NASH
Risiko „Pfortaderthrombose" erhöht

Die nicht-alkoholische Steatohepatitis NASH ist auf dem besten Weg, zur Lebertransplantationsursache Nummer 1 zu werden. Ob Patienten, die zur Transplantation wegen einer Hochrisiko-NASH anstehen, ein erhöhtes Risiko für eine präoperative Pfortaderthrombose aufweisen, sah man sich nun anhand einer Analyse aller Leber-Tx-Fälle der Jahre 2002 bis 2014 in den USA an.

Quelle: Stine JG et al.: Advanced non-alcoholic steatohepatitis cirrhosis: a high-risk population for pre-liver transplant portal vein thrombosis. World J Hepatol 2017; 9: 139-46

Theoretisch plausibel, aber auch wahrscheinlich?
Analkarzinom als Folge einer Brachytherapie bei Prostatakarzinom?

Bei einem Patienten wurde viele Jahre nach einer Brachytherapie eines Prostatakarzinoms ein Analkarzinom diagnostiziert. Es ist naheliegend, dass über einen kausalen Zusammenhang diskutiert wurde.

Quelle: Hong TS et al.: Case 39-2016: A 74-year-old man with rectal bleeding and history of prostate cancer. N Engl J Med 2016; 375: 2481-8

Leber-Tx bei Alkohol-bedingten Lebererkrankungen
Vor Transplantation auch psychosoziale Kriterien erheben

Patienten, die wegen einer Alkohol-bedingten Lebererkrankung für eine Lebertransplantation vorgesehen sind, weisen ein hohes Rückfallrisiko auf. Eine umfassende Evaluierung vor allem hinsichtlich des psychosozialen Hintergrundes kann dieses Risiko verringern. Dies sind die Erkenntnisse einer aktuellen japanischen Untersuchung.

Quelle: Onishi Y et al.: Risk of alcohol use relapse after liver transplantation for alcoholic liver disease. World J Gastroenterol 2017; 23: 869-75

Mortalität nach Lebertransplantation
Welches Prognose-Tool ist am verlässlichsten?

Mit dem „Model for End-stage Liver Disease“ (MELD) lässt sich die Mortalität bei terminaler Leberinsuffizienz abschätzen. Der Score eignet sich aber auch, um im Vorfeld die Überlebenswahrscheinlichkeit nach einer Lebertransplantation vorherzusagen.

Quelle: Ling Q et al.: Predicting short-term survival after liver transplantation on eight score systems: a national report from China Liver Transplant Registry. Sci Rep 2017; 7: 42253

Darmkrebsvorsorge
Keine Koloskopie trotz Blut im Stuhl – warum?

Wird im Rahmen der Darmkrebsvorsorge Blut im Stuhl festgestellt, erfolgt die Überweisung zur Koloskopie. Studien zufolge wird die geplante Koloskopie aber häufig nicht durchgeführt. In den USA suchten Forscher nun nach den Ursachen.

Quelle: Martin J et al.: Reasons for lack of diagnostic colonoscopy ... Am J Med 2017; 130(1): 93.e1-7

En-bloc-Transplantation
Ein (noch?) seltener Eingriff

Bei einer En-bloc-Transplantation werden mehrere Organe simultan und geweblich verbunden vom Spender auf den Empfänger übertragen. Der wesentliche Vorteil besteht darin, dass die Operation technisch weniger aufwändig ist, da unter anderem die Gefäßanastomosen an kaliberstarken Arterien und Venen zu nähen sind. Nun wurde über einen 48-jährigen Patienten berichtet, bei dem 2015 eine En-bloc-Transplantation von Leber, Pankreas und rechter Niere erfolgreich durchgeführt wurde.

Quelle: Caicedo LA et al.: En-bloc transplant of the liver, kidney and pancreas: experience from a l

Dünndarmtransplantat in Gefahr?
„Pseudoabstoßung" durch MMF

Mycophenolat-Mofetil (MMF) ist ein zur Immunsuppression weit verbreiteter Wirkstoff. Eine gastroenterologische Nebenwirkung ist die Enterokolitis. Im Fall eines 47-jährigen Patienten, der ein Dünndarm-Transplantat erhalten hatte, führte die MMF-Nebenwirkung zur Verwirrung, denn das „Zielorgan“ der Nebenwirkung war zugleich das Transplantat.

Quelle: Apostolov R et al.: Mycophenolate mofetil toxicity mimicking acute cellular rejection in a small intestinal transplant. World J Transplant 2017; 7: 98-102

Eisen(III)-Maltol für CED-Patienten mit Eisenmangelanämie

Eisenmangelanämie ist eine häufige Komplikation von Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Bei allen nicht schweren Fällen kann ein orales  Eisenpräparat gegeben werden, um das Defizit auszugleichen. Bei herkömmlichen zweiwertigen Eisenpr&...

Mesalazin bei Colitis ulcerosa
Nach wie vor erste Wahl

Verfolgt man die aktuellen Diskussionen, könnte der Eindruck entstehen, Biologika seien heute die Basis nahezu aller Therapieregime. Die Realität sieht aber häufig anders aus, so auch bei der Colitis ulcerosa. „Wichtige Pfeile im Köcher für die Therapie der Colitis ulcerosa sind nach wie vor 5-Aminosalizylate wie Mesalazin“, so Prof. Britta Siegmund, Berlin, auf einer Veranstaltung der Falk Foundation e.V. Auch die aktuellen Leitlinien der europäischen Crohn- und Colitis-Gesellschaft ECCO bestätigen dies.

Quelle: Symposium:„From the new and complex concepts to the real patient: science and clinic in IBD“, Madrid, 31.3.-1.4.2017, Veranstalter: Falk Foundation e.V. Mesalazin-Suppositorien: Salofalk® Suppositorien (D) Mesalazin-Klysmen: Salofalk® Klysmen (D) Retardgranulat-Mesalazin per os: Salofalk® Granu-Stix® (D) Mesalazin-Schaum: Salofalk® Rektalschaum (D)

Neuer Chemo-Standard
Adjuvante Therapie bei Pankreaskarzinom

In der ESPACE-3-Studie überzeugte adjuvantes Gemcitabin versus 5-FU/Folsäure als Therapiestandard bei reseziertem Pankreaskarzinom, vor allem wegen der reduzierten Toxizität. Da anderen Studien zufolge im metastasierten Stadium Gemcitabin + Capecitabin einen Überlebensvorteil für Patienten bot, wurde diese Kombination nun bei Patienten im resezierten Stadium (R0 oder R1) untersucht. Diese Therapie wird wohl zum neuen Standard werden, so die Autoren.

Quelle: Neoptolemos JP et al.: Comparison of adjuvant gemcitabine and capecitabine with gemcitabine monotherapy in patients with resected pancreatic cancer (ESPAC-4): a multicentre, open-label, randomised, phase 3 trial. Lancet 2017; 389: 1011-24

Atrophische Gastritis
Das Diabetes-Risiko ist reduziert

Die häufigste Ursache für eine atrophische Gastritis ist die Helicobacter-pylori-Infektion. Im Rahmen einer Kohortenstudie konnte jetzt gezeigt werden, dass nicht die H.-p.-Infektion selbst, sondern erst die Manifestation einer Magenschleimhaut-Atrophie das Risiko für einen Typ-2-Diabetes reduziert.

Quelle: Yu TY et al.: The impact of gastric atrophy on the incidence of diabetes. Sci Rep 2017; 7: 39777

Ischämische Kolitis
Oft ist die OP unvermeidlich

Die Häufigkeit der ischämischen Kolitis hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen. Die Prävalenz hängt mit dem Alter und der Komorbidität zusammen. Meist hat man es mit einem Akutfall zu tun, der dringenden Handlungsbedarf impliziert – die Mortalität ist hoch.

Quelle: Trotter JM et al.: Ischaemic colitis. BMJ 2016; 355: i6600

Hepatobiliäre Karzinome
Gallensteine erhöhen Karzinomrisiko

Es gibt bereits zahlreiche Hinweise, dass Patienten mit Gallensteinen häufiger hepatobiliäre Karzinome entwickeln. Der dahinterliegende Karzinogenese-Prozess ist aber unklar. An einer großen koreanischen Kohorte konnte man nun nachweisen, dass das Krebsrisiko bei Gallensteinen tatsächlich deutlich erhöht ist – insbesondere für Gallenblasenkarzinome.

Quelle: Ryu S et al.: Gallstones and the risk of gallbladder cancer mortality: a cohort study. Am J Gastroenterol 2016; 111: 1476-87

Colitis ulcerosa: Ergebnisse der GEMINI-Open-Label-Extension
5-Jahres-Daten zur a4ß7-Integrin-Inhibition

Der humanisierte monoklonale Antikörper Vedolizumab ist ein darmselektiver a4ß7- Integrin-Antagonist und seit 2014 zugelassen zur Therapie bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Nun wurden die 5-Jahres-Daten der Langzeit-Extensionsstudie der zulassungsrelevanten Studie GEMINI-1 präsentiert (GEMINI-OLE, „Open Label Extension“).

Quelle: Loftus EV et al.: Long-term effectiveness and safety of vedolizumab in patients with ulcerative colitis: 5-year cumulative exposure of GEMINI 1 completers rolling into the GEMINI open-label extension study. Poster #209, 12. Kongress der European Crohn‘s and Colitis Organisation (ECCO), Barcelona, 15.-18.2.2017

Therapie-Optionen
Linaclotid wieder in Deutschland verfügbar

Beim Reizdarmsyndrom (RDS) kann zwischen Obstipations-dominantem Typ (RDS-O), Diarrhö- dominantem Typ (RDS-D) und einem alternierenden bzw. gemischtem Typ (RDS-M) unterschieden werden. Für die symptomatische Behandlung des mittelschweren bis schweren RDS-O steht in Deutschland ab sofort ...

Kolorektales Karzinom
Metabolisches Syndrom verschlechtert Outcome

Gut oder schlecht für Krebspatienten? Die Rede ist von der Adipositas bzw. dem metabolischen Syndrom. Nach neuen Registerdaten verschlechtert Übergewicht mit metabolischem Syndrom zumindest bei Patienten mit einem kurativ angehbaren kolorektalen Karzinom die Überlebenschance.

Quelle: Cespedes Feliciano EM et al.: Metabolic dysfunction, obesity ... J Clin Oncol 2016; Epub Sept 9

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