Gastroenterologie

Qualität der Koloskopie
Wer (häufig) suchet, der (besser) findet ...

Beeinflusst die Anzahl von Koloskopien, die ein Untersucher pro Jahr durchführt, deren Qualität? Die Antwort auf diese Frage lautet klar „Ja“, wenn man sich Qualitätsdaten der Jahre 2007 bis 2009 ansieht. Aber ist „Untersuchungshäufigkeit“ wirklich alles?

Quelle: Zwink N et al.: Screening colonoscopy volume and detection of colorectal neoplasms: a state-wide study from Bavaria ... Eur J Cancer Prevent 2017; 26: 181-8

Leberzirrhose verhindern
Screening oder doch besser Alkoholentzug?

Im UK ist die Mortalität durch Leberzirrhose in den letzten Jahren stark gestiegen. Die Hauptursachen sind exzessiver Alkoholkonsum und die Tatsache, dass Lebererkrankungen oft erst sehr spät entdeckt werden. Ob ein Zirrhose-Screening die Lösung ist, ist aber umstritten.

Quelle: Hudson M et al.: Should we screen for cirrhosis? BMJ 2017; 358: j3233

Hoffnung für Leberkranke
Neue Stammzellquelle für Hepatozyten

Die Hepatozyten-Transplantation ist ein vielversprechender Therapieansatz für zahlreiche Lebererkrankungen. Genügend Zellen dafür zu gewinnen, ist aber nicht leicht, denn die Zahl der Donoren ist gering und die Entwicklung aus embryonalen oder Knochenmarkstammzellen aus ethischen und Sicherheitsgründen schwierig.

Quelle: Chen Z et al.: Transdifferentiation of human male germline stem cells to hepatocytes in vivo via the transplantation under renal capsules. Oncotarget 2017; 8(9): 14576-92

Crohn bei Kindern
Neue Prädiktoren für schweren Verlauf

Darmstrikturen und -fisteln sind häufige Komplikationen bei Morbus Crohn (MC). Nun suchten Forscher aus Atlanta, USA, bei jungen Crohn-Patienten nach Markern, die einen komplizierten Verlauf vorhersagen können. Sie wurden fündig und konnten so zugleich auch eine Empfehlung bzgl. der Therapie mit TNFa-Inhibitoren geben.

Quelle: Kugathasan S et al.: Prediction of complicated disease course ... Lancet 2017; 389: 1710-18

Morbus Crohn: „Treat to target"
Die Therapiekonzepte ändern sich

Die typischen Merkmale des Morbus Crohn (MC) in der Unterscheidung zur Colitis ulcerosa (CU) darf man wohl als bekannt voraussetzen: Der MC ist eine chronisch entzündliche Darmerkrankung (IBD), die alle Abschnitte des Gastrointestinaltraktes betreffen kann, sich typischerweise aber im terminalen Ileum und Kolon abspielt und dabei zu einer segmentalen, asymmetrischen und transmuralen Entzündung der Darmwand führt. Fisteln, Stenosen und Abszesse sind die typischen Komplikationen. Neben diesen „altbekannten“ Beschreibungen des MC gab es aber in den letzten zehn Jahren auch eine rasante Entwicklung bzgl. der Ätiologie-Kenntnis, der Therapie und vor allem der Therapieziele. Heute besteht die Herausforderung darin, mit zahlreichen zur Verfügung stehenden Wirkstoffen eine tiefe Remission, definiert als klinische Symptomfreiheit und Darmmukosaheilung, zu erzielen und so Langzeit-Folgeschäden zu vermeiden.

Quelle: Torres J et al.: Crohn‘s disease. Lancet 2017; 389: 1741-55

Gastrointestinale Blutungen
Nur ein Score ist verlässlich

Es gibt zahlreiche Risikoscores, mit denen man vor oder nach der Endoskopie bei Patienten mit gastrointestinalen Blutungen relevante Endpunkte abschätzen kann, z. B. das Mortalitätsrisiko. In einem aktuellen Vergleich verfügbarer Risikomodelle erreichte aber nur ein Score ein gutes Ergebnis.

Quelle: Stanley AJ et al.: Comparison of risk scoring systems for patients ... BMJ 2017; 356: i6432

Protonenpumpenhemmer
Wie sicher ist die Langzeittherapie?

PPI werden sehr häufig auch als Dauermedikation verordnet. Sie sind zwar gut verträglich, doch bei einer Langzeittherapie müssen gewisse Risiken bedacht werden.

Quelle: Abramowicz M et al.: From the medical letter on drugs and therapeutics: safety of long-term PPI use. JAMA 2017; 318: 1177-8

Junge Frau mit Leberversagen
Medikamente, Viren, oder was sonst?

Bei einer jungen Frau mit einem akuten Leberversagen wurde zunächst vieles ursächlich diskutiert, bis schließlich die richtige, allerdings seltene Diagnose gestellt wurde.

Quelle: Olson KR et al.: Case 2-2017: an 18-year-old woman ... N Engl J Med 2017; 376: 268-78

Akute Appendizitis
Frauen erhalten häufiger als Männer eine Fehldiagnose

Die Appendizitis ist ein häufiges und durchaus gefährliches Krankheitsbild, wobei die Diagnosestelllung meist klinisch erfolgt. Doch mittels bildgebender Diagnostik lassen sich Fehldiagnosen und somit unnötige Appendektomien vermeiden.

Quelle: Baird DLH et al.: Acute appendicitis. BMJ 2017; 357: j1703

Chronische Entzündung von Rektum bis Gesamtkolon
Colitis ulcerosa: Therapiewahl je nach Schwere und Ausmaß

Die Colitis ulcerosa (CU) ist wie Morbus Crohn (MC) eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, bei der die andauernde bzw. wiederkehrende Entzündung der Darmmukosa zu schweren Darmläsionen und leztlich anorektaler Dysfunktion führen kann. Die Ursache der CU ist vermutlich multifaktoriell und hängt mit einer defekten Barrierefunktion des Darmes zusammen. Welche Therapieoptionen man zur Induktion sowie zum Erhalt der Remission mit dem Ziel der Ausheilung der Darmmukosa einsetzt, hängt neben dem betroffenen Darmabschnitt von der Schwere der Erkrankung ab.

Quelle: Ungaro R et al.: Ulcerative colitis. Lancet 2017; 389: 1756-70

Nicht-Clostridium-difficile-Infektionen
Leitlinien-Update zu akuter Diarrhoe

Das American College of Gastroenterology (ACG) hat die Leitlinien zur Behandlung immunkompetenter Erwachsener mit akuter intestinaler Infektion (nicht Clostridium-difficile- verursacht) auf den neuesten Stand gebracht.

Quelle: Acree M, Davis AM: Acute diarrheal infections in adults. JAMA 2017; 318(10): 957-8

Eosinophile Ösophagitis
Frühzeitig Fibrose verhindern

Die eosinophile Ösophagitis (EoE) ist eine chronisch-entzündliche, immunvermittelte ösophageale Erkrankung, bei der es zu einer Fibrosierung der Speiseröhre kommt. Eine spezifische Therapie gibt es bisher nicht. Derzeit wird an neuen Budesonid-Formulierungen, z. B. einer Schmelztablette, geforscht, die gezielt am Ösophagus wirken.

Quelle: „Eosinophile Ösophagitis und CED 2017“, Berlin, 4.10.2017, Veranstalter: Falk Foundation e.V.

Hepatische Enzephalopathie
Das gestörte Darmmikrobiom modulieren

Die Rolle des Darmmikrobioms in Pathogenese und Therapie zahlreicher Krankheiten wird immer klarer. Dies gilt beispielsweise auch im Falle der hepatischen Enzephalopathie (HE). Durch Modulation des Mikrobioms lassen sich Prognose und Lebensqualität von Patienten mit HE verbessern.

Quelle: „Unter der Lupe: Das Darmmikrobiom und seine Bedeutung“, 72. Jahrestagung der DGVS, Dresden, 15.9.2017, Veranstalter: Norgine

Kolorektales Karzinom
Diabetes senkt Überlebenschancen

Es war eine statistische Herkules-Aufgabe, die die Autoren zu bewältigen hatten. Zunächst führten sie eine sehr breite Schlagwortsuche in unterschiedlichen medizinischen Datenbanken durch, fassten die Ergebnisse dann zusammen und extrahierten zusätzlich aus jeder einzelnen Kaplan-Meier-Kurve die Überlebensdaten von über 2,2 Mio. Patienten mit kolorektalem Karzinom (CRC). Aber die Arbeit lohnte sich, denn wo zuvor nur eine uneinheitliche Datenlage existierte, konnten sie nun nachweisen, dass ein Diabetes mellitus das Überleben von CRC-Patienten negativ beeinflusst.

Quelle: Zhu B et al.: The relationship between diabetes and colorectal cancer prognosis: a meta-analysis based on the cohort studies. PLoS One 2017; 12: e0176068

Analgesie bei kardialem Risiko
Selektives NSAR (etwas) sicherer

Gastrointestinale Blutungen sind in den USA der häufigste Anlass für Klinikeinweisungen mit gastrointestinaler Indikation. Das Risiko dafür ist besonders hoch, wenn ASS und ein NSAR kombiniert werden.

Quelle: Chan FKL et al.: Gastrointestinal safety of celecoxib versus naproxen in patients with cardiothrombotic diseases .... Lancet 2017; 389: 2375-82

Wann abwarten, wann therapieren, wann überweisen?
Anhaltendes Erbrechen bei Säuglingen

Wenn Neugeborene immer wieder erbrechen, kann das für die Eltern ein dramatisches Ereignis darstellen, wegen dessen sie hausärztlichen Rat suchen. Dann gilt es, die Eltern über die häufig gutartige Natur des Erbrechens bei Säuglingen aufzuklären (und ggf. zu beruhigen), und vor allem aber zuvor ernste Erkrankungen auszuschließen und zu wissen, wann eine Überweisung an den Pädiater angezeigt ist. Denn es können – in seltenen Fällen – auch gravierende Ursachen dahinter stecken.

Quelle: Chanchlani N et al.: Ongoing vomiting in an infant. BMJ 2017; 357: j1802

Urolithiasis bei Morbus Crohn
Häufigste extraintestinale Manifestation

Patienten mit Morbus Crohn haben im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein 10- bis 100-fach erhöhtes Risiko für Harnsteine. Dies hat ein aktuelles systematisches Review ergeben. Eine weitere praxisrelevante Erkenntnis: Die Urolithiasis tritt im Durchschnitt etwa vier bis sieben Jahre nach der Crohn-Diagnose auf.

Quelle: Gaspar SR et al.: Urolithiasis and Crohn’s disease. Urol Ann 2016; 8: 297-304

Neuer Algorithmus publiziert
Wann bariatrische OP in Erwägung ziehen?

Bariatrische Operationen sind z. B. Roux-Y-Magenbypass, vertikale Sleeve-Gastrektomie, laparoskopische Magenbandimplantation oder biliopankreatische Teilung. Aber wann sollte man für einen Typ-2-Diabetiker die Operation in Erwägung ziehen?

Quelle: Brito JP et al.: Metabolic surgery in the treatment algorithm for type 2 diabetes ... JAMA 2017; 317: 635-6

Reisediarrhoe
Wann Antibiotika, wann nicht?

Eine Reisediarrhoe trifft etwa 20 bis 60% aller Reisenden. Meist gehen die Symptome nach ein paar Tagen von selbst zurück und ein paar einfache Eigenmaßnahmen reichen zur Therapie aus. Manchmal müssen aber auch Antibiotika ran.

Quelle: Barrett J: Travellers‘ diarrhoea. BMJ 2016; 353: i1937

Hochrisiko-NASH
Risiko „Pfortaderthrombose" erhöht

Die nicht-alkoholische Steatohepatitis NASH ist auf dem besten Weg, zur Lebertransplantationsursache Nummer 1 zu werden. Ob Patienten, die zur Transplantation wegen einer Hochrisiko-NASH anstehen, ein erhöhtes Risiko für eine präoperative Pfortaderthrombose aufweisen, sah man sich nun anhand einer Analyse aller Leber-Tx-Fälle der Jahre 2002 bis 2014 in den USA an.

Quelle: Stine JG et al.: Advanced non-alcoholic steatohepatitis cirrhosis: a high-risk population for pre-liver transplant portal vein thrombosis. World J Hepatol 2017; 9: 139-46

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