Geriatrie

Polypharmazie bei älteren Patienten
Mehr Absetzen wagen – Mortalität senken

Viele ältere Patienten nehmen täglich mehrere Medikamente ein. Dies kann die Kognition beeinträchtigen, zu Stürzen führen, die Morbidität erhöhen, und so die Mortalität in dieser Patientengruppe vergrößern. In einem Review wurde nun untersucht, inwieweit sich „Deprescribing“ (vulgo: Absetzen) auf die betroffenen Patienten auswirkt.

Quelle: Page A et al.: The feasibility and effect of deprescribing in older adults on mortality and health: a systematic review and meta-analysis. Br J Clin Pharmacol 2016, 82: 583-623

Gebrechlichkeit mit Ernährungsinterventionen verhindern

Im Rahmen des diesjährigen Gerontologie und Geriatrie Kongresses in Stuttgart diskutierten Experten den Stellenwert der Ernährung in Kombination mit körperlichem Training bei Gebrechlichkeit („frailty“). Den engen Zusammenhang zwischen Mangelernährung und ...

Wie am besten diagnostizieren, wie therapieren?
Harnwegsinfektionen bei älteren Männern

Harnwegsinfektionen (HWI) bei älteren Männern sind mit bis zu 7,7 Fällen pro 1000 Männer häufig. HWI sind bei älteren Männern zudem die häufigste Ursache einer Bakteriämie, auch wenn die Mortalität in diesen Fällen nicht allzu hoch ausfällt. In der Regel findet sich bei einem HWI eine zugrundeliegende urologische Abnormalität. Zur Wahl einer sinnvollen Therapie gehört auch, zuvor zu bestimmen, ob die Infektionsquelle die Niere, die Blase oder die Prostata ist. Besonders eine chronische bakterielle Prostatitis kann sich hartnäckig der Therapie widersetzen. Wie geht man in der Praxis am besten vor?

Quelle: Schaeffer AJ, Nicolle LE: Urinary tract infections in older men. N Engl J Med 2016; 374: 562-71

Pneumokokken-Impfung bei Älteren
Wiederholungsimpfung sinnvoll?

Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt für Erwachsene ab einem Alter von 60 Jahren standardmäßig die einmalige Pneumokokkenimpfung. Da die Menschen aber immer älter werden, stellt sich die Frage, ob und wann eine Wiederholungsimpfung sinnvoll ist. In Japan, einem Vorreiter der „ageing societies“, wurde eine solche Wiederholungsimpfung mit einem 23-valenten Polysaccharid-Impfstoff (PPSV23) nun bei über 70-Jährigen untersucht.

Quelle: Kawakami K et al.: Revaccination with 23-valent pneumococcal polysaccharide vaccine in the Japanese elderly is well tolerated and elicits immune responses. Vaccine 2016; 34: 3875-81

Missbrauch älterer Patienten
Opfer identifizieren und adäquat unterstützen

Männer und Frauen in höherem Alter, vor allem jene mit eingeschränkter kognitiver Funktion, sind häufig leichte Opfer für alle Arten von Missbrauch. Als regelmäßige Kontaktperson nehmen ihre behandelnden Ärzte eine wichtige Rolle ein, um Fälle von Missbrauch aufzudecken und die richtigen Interventionsschritte einzuleiten.

Quelle: Lachs MS, Pillemer KA: Elder abuse. N Engl J Med 2016; 373(20): 1947-56

Parenteral ernährte, kachektische Patienten
Der Überlebenszeit- Rechner

Manchmal kann es zur Planung der bestmöglichen Therapie sinnvoll sein, die verbleibende Lebenszeit von schwer kranken Patienten abzuschätzen. Daher entwickelte man in Italien nun ein Nomogramm zur Schätzung des 3- und 6-Monats-Überleben für „austherapierte“, kachektische onkologische Patienten, die zu Hause parenteral ernährt werden (HPE, heimpar enterale Ernährung).

Quelle: Bozzetti F et al.: Development and validation of a nomogram ... Ann Oncol 2015; 26: 2335-40

CAVE Olfaktorische Dysfunktion
Frühe Arteriosklerose, später Geruchsverlust

Häufig lässt der Geruchssinn mit dem Alter nach, vor allem nach dem 80. Lebensjahr. Das Risiko für einen raschen Sinnesverlust hängt dabei vom früheren Gefäßzustand ab.

Quelle: Schubert CR et al.: Inflammatory and vascular markers and olfactory impairment in older adults. Age Ageing 2015; 44: 878-82

Pneumonie-Risiko im Alter
Vorsicht mit Anticholinergika

Als Mittel gegen Inkontinenz, Depressionen, Schmerzen oder Insomnie werden Anticholinergika sehr häufig bei Patienten in höherem Alter eingesetzt. Es besteht jedoch Pneumonie-Risiko.

Quelle: Paul KJ et al.: Anticholinergic medications and risk of community-acquired pneumonia in elderly adults: a population-based case-control study. J Am Geriatr Soc 2015; 63(3): 476-85

Multimorbide Patienten managen
Ordnung ins Versorgungschaos bringen

Multimorbide Patienten zu behandeln, ist oft eine Herausforderung. Angesichts der komplexen Bedürfnisse die richtige Behandlungsstrategie zu wählen, setzt nicht nur ein gutes medizinisches Urteilsvermögen voraus. Ebenso wichtig sind Organisationstalent, Kommunikation und Kontinuität.

Quelle: Wallace E et al.: Managing patients with multimorbidity in primary care. BMJ 2015; 305: h176

Wer ist wann gefährdet?
Harn- und Stuhl inkontinenz im Alter

Harn- und Stuhlinkontinenz können die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Im Alter werden diese Leiden häufiger, das weiß man. Auf die Suche nach weiteren Risikofaktoren begab man sich nun in den USA.

Quelle: Wu JM et al.: Urinary, fecal, and dual incontinence in older U.S. adults. J Am Geriatr Soc 2015; 63(5): 947-53

Kognition im Alter
Sozialkontakt ist nicht immer förderlich

Dem Pflegen sozialer Kontakte im Alter wird ein neuroprotektiver Effekt zugeschrieben. Jedoch können enge Beziehungen auch als aufdringlich und freiheitsraubend empfunden werden. In diesem Fall wird die kognitive Alterung sogar noch beschleunigt.

Quelle: Liao J et al.: Negative aspects of close relationships as risk factors for cognitive aging. Am J Epidemiol 2014; 180(11): 1118-25

Autofahren im Alter
Wer es wann sein lässt, und warum

Mit dem Alter nimmt auch die Fahrtauglichkeit zunehmend ab. Wann Männer oder Frauen die Hände endgültig vom Steuer lassen, ist dabei unterschiedlich.

Quelle: Marie Dit Asse L et al.: Automobile driving in older adults: factors affecting driving restriction in men and women. J Am Geriatr Soc 2014; 62(11): 2071-8

Sturz-Prophylaxe
Geländer, Licht und Anti-Rutsch-Belag

Durch häusliche und Freizeitverletzungen sterben in Europa jedes Jahr ca. 110 000 Menschen. In Neuseeland fand man heraus, dass simple bauliche Veränderungen zu Hause Abhilfe schaffen können.

Quelle: Keall MD et al.: Home modifications to reduce injuries from falls in the Home Injury Prevention Intervention (HIPI) study: a cluster-randomised controlled trial. Lancet 2015; 385: 231-8

Analgesie für Hochbetagte
Vielfältige Barrieren bei Patient und Arzt

Im fortgeschrittenen Lebensalter sind chronische Schmerzen häufig, und häufig werden sie unzureichend behandelt. Dazu tragen Patienten-Faktoren bei, wie kognitive Einschränkungen oder Vorbehalte gegen Schmerzmittel, aber auch Befürchtungen der Mediziner, dass man mit Analgetika angesichts von Komorbidität Probleme heraufbeschwört.

Quelle: Makris UE et al.: Management of persistent pain in the older patient. JAMA 2014; 312: 825-36

Medikationstipps für ältere Patienten
Was verschreiben, und was besser nicht

Bei älteren Patienten (Alter ≥65 Jahre) ist unter Umständen nicht jede Medikation geeignet, die man jüngeren verordnen würde. Studien zu Wirkung und Nebenwirkungen bei älteren Menschen gibt es ohnehin kaum. Die START-Kriterien (Screening Tool to Alert to Right Treatment) können in der Praxis dabei helfen, festzustellen, welche Medikation auch für ältere Patienten geeignet ist (sofern keine weiteren Kontraindikationen vorliegen). Die STOPP-Kriterien (Screening Tool of Older Person’s Prescriptions) zeigen, welche Verschreibungen man in dieser Patientengruppe vermeiden sollte.

Quelle: O’Mahony D et al.: STOPP & START criteria: A new approach to detecting potentially inappropriate prescribing in old age. Eur Geriatr Med 2010; 1(1): 45-51

GFI Der Medizin-Verlag

Anschrift

GFI. Gesellschaft für medizinische Information mbH
Paul-Wassermann-Straße 15
81829 München

Telefon: +49 89 4366300
Fax: +49 89 436630210
E-Mail: info@gfi-online.de

Copyright © 2017, GFI | AGB | Sicherheit und Datenschutz | Impressum