HIV & AIDS

Internationale Metaanalyse
Opioid-Substitution zur Anti-HIV-Therapie

Dass das Mortalitätsrisiko bei intravenösem Drogengebrauch durch eine Substitutionsbehandlung gesenkt werden kann, vor allem durch die Vermeidung tödlicher Überdosierungen, ist gut belegt. Eine Metaanalyse lässt nun vermuten, dass sich die Substitution auch positiv auf die Therapie HIV-Infizierter auswirkt.

Quelle: Low AJ et al.: Impact of opioid substitution therapy on antiretroviral therapy outcomes: A systematic review and meta-analysis. Clin Infect Dis 2016; 63: 1094-104

HIV-Präexpositionsprophylaxe
Auch in der Stillzeit sicher

Das Risiko, an HIV zu erkranken, ist für Frauen während der Schwangerschaft und Stillzeit besonders hoch. Durch eine tägliche orale Präexpositionsprophylaxe (PrEP) könnte man HIV-Infektionen stillender Mütter verhindern. Aktuellen Daten zufolge ist das Risiko für das Kind dabei wahrscheinlich gering.

Quelle: Mugwanya KK et al.: Pre-exposure prophylaxis use by breastfeeding ... PLoS Med 2016; 13(9): e1002132

HIV-Infektion und Kaposisarkom
Langzeit-Suppression der Virus-Replikation ist essenziell

Das Kaposisarkom (KS) ist ein häufiger Krebs bei HIV-positiven Patienten einschließlich jener, die eine kombinierte antiretrovirale Therapie (cART) erhalten. Eine frühere Analyse einer großen US-Kohorte ergab eine sehr hohe Inzidenz von KS in den ersten sechs Monaten nach Beginn der cART, die dann aber in den Folgejahren deutlich abnahm.

Quelle: Bohlius J. on behalf of the Cancer Project Working Group: Changing incidence and risk factors for Kaposi Sarkoma by time since starting ... Clinical Infectious Diseases 2016; 63 (10): 1373-9

HIV-Infektionen Erwachsener
Ein Update zu Therapie und Prophylaxe

Die antiretrovirale Therapie (ART) hat in den letzten Jahrzehnten viele Wandlungen erfahren, getrieben v. a. von der Neigung des Immunmangelvirus zur Resistenzentwicklung. Zu den Gremien, die sich zur Herausgabe von Leitlinien berufen fühlen, gehört die USA-Abteilung der International Antiviral Society (IAS-USA). Sie hat ihre Empfehlungen kürzlich aktualisiert.

Quelle: Günthard HF et al.: Antiretroviral drugs for treatment and patients of HIV infection in adults. 2016 recommendations of the International Antiviral Society- USA Panel. JAMA 2016; 316: 191-210

Vorsicht in der Schwangerschaft
Mehr Resistenz bei perinataler Infektion

Frauen, die seit ihrer Geburt HIV-positiv sind, haben mit einer höheren Wahrscheinlichkeit bereits mehrere verschiedene und teilweise inadäquate antiretrovirale Therapien (ART) erhalten. Das hat auch Konsequenzen für spätere Schwangerschaften.

Quelle: Lazenby GB et al.: Antiretroviral resistance and pregnancy characteristics of women with perinatal ... Infect Dis Obstet Gynecol 2016; 4897501

AIDS-Forschung der 1960er bis 1980er Jahre
Affe-Mensch-Zusammenhang zu spät erkannt

1986 erschien die erste Praxis-Depesche. Es war eine Zeit, in der sich erst langsam die verheerende Wirkung eines neu entdeckten Virus, HIV, zeigte und die Zusammenhänge zwischen viraler Infektion, Immunschwäche, opportunistischen Infektionen und Krebs langsam klarer wurden. Zahlreiche Artikel in den Praxis-Depeschen dieser Jahre beschäftigten sich mit der damals noch unverstandenen Krankheit AIDS. 2016, drei Jahrzehnte später, erscheint nun eine Arbeit, die die damaligen wissenschaftlichen Entwicklungen nochmal aufrollt. Die Autoren erheben Vorwürfe an die damaligen Forscher. Im Kern besagen diese, dass tausende Leben hätten gerettet werden können, wenn damals nur jemand den Zusammenhang zwischen den seit 1960 bekannten SIV-Infektionen bei Affen mit den ersten HIV-Fällen beim Menschen hergestellt hätte.

Quelle: Hammett TM, Bronson RT: Unrecognized „AIDS“ in monkeys, 1969-1980: explanations and implications. Am J Public Health 2016; 106: 1015-22

HIV-Präexpositionsprophylaxe
Auch unter realen Bedingungen effektiv

Trotz Präventionsprogrammen kommt es im UK zu zahlreichen Neuinfektionen mit dem HI-Virus. Das größte Risiko tragen dabei Männer, die Geschlechtsverkehr mit anderen Männern haben (MSM). Neue Daten einer Open-label-Studie sprechen für die Implementierung einer standardmäßigen Präexpositionsprophylaxe in dieser Risikogruppe.

Quelle: McCormack S et al.: Pre-exposure prophylaxis to prevent the acquisition of HIV-1 infection (PROUD): effectiveness results from the pilot phase of a pragmatic open-label ... Lancet 2016; 373: 53-60

Wunschdenken oder Wirklichkeit?
HIV-Elimination bei Kindern

Dank antiretroviraler Therapie in der Schwangerschaft und Stillvermeidung wurde die Mutter-Kind-Über tragungsrate des HIV-1 in vielen Ländern auf unter 1% gesenkt. In Regionen mit hohem Infektions risiko ist das Stillen für das Kind jedoch überlebenswichtig und die Versorgung nach wie vor suboptimal. Bis zur globalen Elimination pädiatrischer HIV-Infektionen ist es daher noch ein langer Weg.

Quelle: Luzuriaga K, Mofenson LM: Challenges in the elimination of pediatric HIV-1 infection. N Engl J Med 2016; 374(8): 761-70

Neue Option in der HIV-1-Therapie
TAF-Backbone verringert Langzeitrisiko

Seit Mai 2015 ist in Deutschland ein neuer Backbone für die HIV-1-Therapie verfügbar. Dieser basiert auf Tenofoviralafenamid (TAF) plus Emtricitabin (FTC) und kann frei mit anderen antiretroviralen Medikamenten kombiniert werden. Im Vergleich zu bisherigen Therapieregimen lassen sich damit die Langzeitrisiken der HIV-1-Patienten verringern.

Quelle: Fachpressekonferenz: „HIV heute: Ein neuer Backbone für die Therapie“, Würzburg, 16.6.2016, Veranstalter: Gilead Emtricitabin/Tenofoviralafenamid: Descovy® (D) Elvitegravir/Cobicistat/Emtricitabin/ Tenofoviralafenamid: Genvoya® (D)

HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten
Homosexuelle Männer adäquat beraten

Homosexuell aktive Männer haben ein erhöhtes Risiko für HIV-Infektionen und andere sexuell übertragbare Erkrankungen (sexually transmitted diseases, STD). Eine ausführliche Anamnese zum Sexualverhalten ist daher die grundlegende Voraussetzung für effektive Präventionsstrategien. Wie sollte man in der Primärversorgung vorgehen?

Quelle: Wilkin T: Primary care for men who have sex with men. N J Engl Med 2015; 373(9): 854-62

Antivirale HIV-Therapie
Pro-drug, contra Wechselwirkung

Tenofovirdisoproxil wird in den meisten Anti-HIV-1-Regimen als nucleosidischer Reverse- Transkriptaseinhibitor empfohlen. Um die möglichen renalen und Knochennebenwirkungen zu reduzieren, untersuchte man nun ein neues Prodrug von Tenofovir.

Quelle: Sax PE et al.: Tenofovir alafenamide versus tenofovir disoproxil fumarate, coformulated with elvitegravir, cobicistat, and emtricitabine, for initial treatment of HIV-1 infection: ... Lancet 2015; 385: 2606-15

Studie abgebrochen
Klarer Benefit bei frühzeitiger Therapie

Die CD4+-Zellzahl gilt als ein Hauptkriterium zur Initiierung einer antiretroviralen Therapie (ART) bei HIV-positiven Patienten. Ob man schon bei niedrig-normalen Helferzellen mit ART starten sollte, war bislang unklar. Nun nicht mehr ...

Quelle: INSIGHT START Study Group: Initiation of antiretroviral therapy in early asymptomatic HIV infection. N Engl J Med 2015; 373: 795-807

HIV-Infektion
Nützen Statine gegen kardiovaskuläre Erkrankungen?

HIV-infizierte Patienten erkranken signifikant häufiger an Dyslipidämien und Atherosklerose als nicht-infizierte Personen. Außerdem weisen sie ein nahezu doppelt so hohes Herzinfarktrisiko auf. Inwieweit Statine sich bei dieser Klientel als nützlich erweisen, wurde nun in einem Review beschrieben.

Quelle: Feinstein MJ et al.: A systematic review of the usefulness of statin therapy in HIV-infected patients. Am J Cardiol 2015; 115: 1760-6

HIV- und HIV/HCV-Koinfektion
Individuell antiretroviral behandeln

Nach den Daten der SALT-Studie scheint die Kombination von mit Ritonavir (r) geboostertem Atazanavir (ATV/r) plus Lamivudin eine vielversprechende Deeskalationsstrategie für HIV-Patienten zu sein. HIV-koinfizierte HCV-Patienten erreichten unter Daclatasvir mit Sofosbuvir in der ALLY-2-Studie ein anhaltendes virologisches Ansprechen.

Quelle: Fachpressekonferenz: „Virologie Fashion Week”, Köln, 25.9.2015, Veranstalter: Bristol-Myers Squibb Atazanavir: Reyataz®; Daclatasvir: Daklinza® (D, CH)

Sexuell übertragbare Infektionen
Riskantes Sexualverhalten auf dem Vormarsch

Den Schutz vor HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen vernachlässigen junge Frauen oft. Das ergab eine schwedische Umfrage.

Quelle: Stenhammar C et al.: Sexual and contraceptive behavior among female university students in Sweden – repeated surveys over a 25-year period. Acta Obstet Gynecol Scand 2015; 94: 253-9

Immer sorgloserer Umgang mit HIV

Französische Ärzte untersuchten in einer retrospektiven Beobachtungsstudie über sieben Jahre die HIV-Exposition und den Gebrauch von Kondomen bei hetero- und homosexuellen Personen. Sie fanden eine erschreckende Zunahme an risikoreichem Verhalten.

Quelle: Casalino E et al.: Trends in condom use and risk behaviours after sexual exposure to HIV: a seven-year observational study. PLoS One 8 (2014) e104350 [Epub ahead of print: 26. Aug. 2014; doi: 10.1371/journal.pone.0104350]

Mehr Sicherheit für Niere und Knochen
Erstes Eintabletten-Regime mit TAF

Dank moderner Medikamente haben HIV-Patienten bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung heutzutage eine annähernd so hohe Lebenserwartung wie die allgemeine Bevölkerung. Sie tragen jedoch ein erhöhtes Risiko für alters- und behandlungsbedingte Komorbiditäten. Neben der Virus-Suppression steht daher auch die Langzeitgesundheit im Fokus der Therapie.

Quelle: Fachpressekonferenz: „HIV heute: Perspektive Zukunft“, Frankfurt am Main, 7.12.2015, Veranstalter: Gilead
Elvitegravir, Cobicistat, Emtricitabin, Tenofoviralafenamid: Genvoya®

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