Immunologie

Probleme mit der Nomenklatur
Nicht „RAD", sondern „Asthma"

Nicht selten wird bei Kleinkindern mit Atemgeräuschen die Diagnose einer reaktiven Atemwegserkrankung gestellt. Dabei beschreibt dieser Begriff lediglich ein Asthma- Symptom und nicht eine eigenständige Erkrankung. Experten rufen daher dazu auf, die unnötige Bezeichnung aus dem medizinischen Jargon zu streichen.

Quelle: Douglas LC, Feder KJ: RAD: reactive airways disease or really ... Pediatrics 2017; 139(1): e20160625

Unabhängig von Symptomfrequenz
ICS auch bei intermittierendem Asthma?

Inhalative Kortikosteroide (ICS) sind ein Kernelement der Asthmatherapie. Leitlinien empfehlen ihren Einsatz bei Patienten mit Symptomen an mehr als zwei Tagen pro Woche (persistierendes Asthma). Eine neue Analyse der START-Studie zeigte aber nun, dass Patienten mit geringerer Symptomfrequenz ebenso stark von ICS profitieren können. Ist die Unterscheidung zwischen intermittierendem und persistierendem Asthma damit hinfällig?

Quelle: Reddel HK et al.: Should recommendations about starting inhaled ... Lancet 2017; 389: 157-66

Mesalazin bei Colitis ulcerosa
Nach wie vor erste Wahl

Verfolgt man die aktuellen Diskussionen, könnte der Eindruck entstehen, Biologika seien heute die Basis nahezu aller Therapieregime. Die Realität sieht aber häufig anders aus, so auch bei der Colitis ulcerosa. „Wichtige Pfeile im Köcher für die Therapie der Colitis ulcerosa sind nach wie vor 5-Aminosalizylate wie Mesalazin“, so Prof. Britta Siegmund, Berlin, auf einer Veranstaltung der Falk Foundation e.V. Auch die aktuellen Leitlinien der europäischen Crohn- und Colitis-Gesellschaft ECCO bestätigen dies.

Quelle: Symposium:„From the new and complex concepts to the real patient: science and clinic in IBD“, Madrid, 31.3.-1.4.2017, Veranstalter: Falk Foundation e.V. Mesalazin-Suppositorien: Salofalk® Suppositorien (D) Mesalazin-Klysmen: Salofalk® Klysmen (D) Retardgranulat-Mesalazin per os: Salofalk® Granu-Stix® (D) Mesalazin-Schaum: Salofalk® Rektalschaum (D)

Leukozyten-Adhäsionsdefekt
Interleukin-Hemmung könnte helfen

LAD1 (Leukozyten-Adhäsionsdefekt Typ 1) ist ein primäres Immunmangelsyndrom, bei dem ein Gen mutiert ist, das eine Untereinheit der b2-Integrine codiert. Weitere Einblicke in die Pathogenese haben eine Therapiemöglichkeit eröffnet.

Quelle: Moutsopoulos NM et al.: Interleukin-12 and interleukin- 23 blockade ... N Engl J Med 2017; 376: 1141-6

S.c.-Prophylaxe bei Angioödem
Neuer nanofiltrierter C1-Inhibitor

Phase-2-Studien waren bereits ermutigend, weshalb man die Prüfung von CSL830 in Phase 3 weiter vorantrieb. In dem verwendeten Cross-over-Setting erwies sich die Substanz als gut wirksam gegen die Ödementwicklung bei Patienten mit hereditärem Angioödem.

Quelle: Longhurst H et al.: Prevention of hereditary angioedema ... N Engl J Med 2017; 376: 1131-40

Epistaxis bei Morbus Osler-Weber-Rendu
Nasenbluten trotzt topischer Therapie

Nasenbluten kann die Lebensqualität von Patienten mit hereditärer hämorrhagischer Teleangiektasie (HHT, Morbus Osler-Weber-Rendu) massiv einschränken. Nun untersuchte man in sechs US-amerikanischen „centers of excellence“ für HHT, ob die topische Applikation unterschiedlicher Wirkstoffe besser als Plazebo ist. War sie nicht.

Quelle: Whitehead KJ et al.: Effect of topical intranasal therapy on epistaxis ... JAMA 2016; 316: 943-51

ICS/LABA-Fixkombination
Asthmakontrolle und Patientenzufriedenheit

Die Therapie mit der Fixkombination aus dem inhalativen Glukokortikoid (ICS) Fluticason und dem lang wirkenden Beta-2-Sympathomimetikum (LABA) Formoterol verbessert auch unter Real-life-Bedingungen neben der Lebensqualität die Kontrolle des Asthmas: Nach zwölf Monaten hatte sich in einer nicht-interventionellen Praxisstudie der Patientenanteil mit guter Asthmakontrolle mehr als verdoppelt.

Quelle: Fachpressekonferenz: „Real World Asthma – Neue Langzeitdaten zu flutiform®“, Stuttgart, 23.3.2017, Veranstalter: Mundipharma Fixkombination Fluticason/Formoterol: flutiform® (D, A, CH)

Canakinumab bei PFS
Erstes Biologikum zugelassen

Periodische Fiebersyndrome (PFS) bilden eine Gruppe seltener Erkrankungen mit wiederkehrenden Fieberschüben und potenziell lebensbedrohlichen Komplikationen. Für die Behandlung der PFS „TRAPS“, „FMF“ und „HIDS“ hat Canakinumab nun eine erweiterte Zulassung erhalten.

Quelle: Fachpressekonferenz: „Hereditäre periodische Fiebersymptome (HPF) – von den seltenen zu den häufigeren Erkrankungen“, Stuttgart, 23.2.2017, Veranstalter: Novartis Canakinumab: Ilaris® (D, A, CH)

Golimumab bei Colitis ulcerosa
Anhaltende klinische Remission

Das TNFa-Forum, eine von MSD ins Leben gerufene Veranstaltungsreihe, fand im Januar 2017 bereits zum zehnten Mal statt. Ein Thema war die neue Philosophie bei der Therapiestrategie der Colitis ulcerosa „treat to target“. Ein sinnvolles und mit Golimumab häufig erreichbares Ziel ist dabei die anhaltende klinische Remission.

Quelle: Symposium: „10. TNFa-Forum“, München, 13.1.2017 Veranstalter: MSD Golimumab: Simponi® (D, A, CH)

Infliximab bei Colitis ulcerosa
NLR prognostiziert dauerhaftes Ansprechen

23 bis 46% der Colitis-ulcerosa-Patienten, die mit dem TNFa-Blocker Infliximab behandelt werden, verlieren ihr initiales Ansprechen innerhalb eines Jahres. Bei wem das der Fall ist, lässt sich im Vorfeld abschätzen.

Quelle: Nishida Y et al.: Neutrophil-to-lymphocyte ratio for predicting loss of response to infliximab in ulcerative colitis. PLoS One 2017; 12(1): e0169845

Aktuelle Leitlinie des American College of Gastroenterology
Barrett-Ösophagus aus „US-amerikanischer" Sicht

Das American College of Gastroenterology (ACG) hat vor einiger Zeit seine aktualisierten Leitlinien zur Diagnostik und Therapie des Barrett-Ösophagus vorgestellt. Einen Überblick über die neuen US-Empfehlungen erhalten Sie im Folgenden.

Quelle: Shaheen NJ et al.: ACG clinical guideline ... Am J Gastroenterol 2016; 111: 30-50

Polymyalgia rheumatica und Riesenzellarteriitis
Ähnlich, aber nicht gleich

Eine Polymyalgia rheumatica (PMR) und die Riesenzellarteriitis (RZA) sind oft nicht leicht zu differenzieren. Mit einigen sonographischen Kniffen lässt sich die meist klinische Diagnostik vereinfachen, und auch die Therapie mit Glukokortikoiden kann man in manchen Fällen durch zusätzliche Maßnahmen verbessern.

Quelle: Buttgereit F et al.: Polymyalgia rheumatica and giant cell arteritis. JAMA 2016; 315(22): 2442-58

Fibrillen im Interstitium
Systemische Amyloidosen – Teil II: Bildgebung und Therapie

Die extrazelluläre Ablagerung von Protein-Fibrillen in Geweben wird generell als systemische Amyloidose bezeichnet. Amyloidosen sind in der Praxis gar nicht so selten wie häufig angenommen. Ärzte aller Fachrichtungen sollten die typischen Anzeichen kennen (vgl. erster Teil der Serie in Praxis-Depesche 1/2017), denn es bestehen mittlerweile zahlreiche Therapieoptionen.

Quelle: Wechalekar AD et al.: Systemic amyloidosis. Lancet 2016; 387: 2641-54

Die wichtigsten klinischen Verdachtszeichen kennen
Systemische Amyloidosen – Teil I: Diagnostik

Die extrazelluläre Ablagerung von Protein-Fibrillen in Geweben wird generell als systemische Amyloidose bezeichnet. Die zugrunde liegenden Pathomechanismen sind vielfältig, wobei die AL-Amyloidose, welche durch die Ablagerung von so genannten „leichten Ketten“ von Immunglobulinen entsteht, die häufigste Form darstellt. Für die Klinik ist es wichtig, typische Symptomkonstellationen zu kennen, bei denen ein Verdacht auf sys temische Amyloidose besteht – und bei denen eine entsprechende weitere Abklärung initiiert werden sollte. Ein möglichst frühes Erkennen der Amyloidose – wenn dies in der Praxis auch häufig ein Wunsch bleibt – ist für den Patienten essenziell, denn das Amyloid schädigt sukzessive typische Organe (zum Beispiel Leber oder Herz) und kann so zum Tode führen. Teil II der Serie (Bildgebung und Therapie) erscheint in der Praxis-Depesche 2/2017 am 23.2.2017.

Quelle: Wechalekar A et al.: Systemic amyloidosis. Lancet 2016; 387: 2641-54

Biologika-Strategie bei Rheuma
Switch it!

TNFa-Inhibitoren sind effektive Medikamente, die die Krankheitsaktivität bei rheumatoider Arthritis (rA) deutlich und klinisch relevant reduzieren können. Aber bei etwa einem Drittel der Patienten wirken TNFa-Blocker nicht oder nicht ausreichend. Wie man dann therapeutisch am besten weiter verfährt, dazu gibt es kaum Daten. Nun untersuchten französische Rheumatologen, ob man im Falle eines TNFa-Versagens auf einen anderen TNFa- Blocker umsteigen sollte, oder besser ein anderes Nicht-TNFa-Biologikum wählt. Das Ergebnis ihrer Untersuchung favorisierte eindeutig die Klassen-Switch-Strategie.

Quelle: Gottenberg JE et al.: Non-TNF-targeted biologic vs a second anti-TNF ... JAMA 2016; 316: 1172-80

Therapiestrategie bei Rheuma
MTX + x?

Methotrexat (MTX) bildet nach wie vor das Rückgrat der Therapie einer rheumatoiden Arthritis (rA). In einer umfangreichen Netzwerk-Metaanalyse aus 158 Studien versuchte man nun herauszufinden, mit welcher MTX-Kombinationstherapie die Krankheitsaktivität am besten in den Griff zu bekommen ist. Die Ergebnisse könnten geeignet sein, den einen oder anderen Euro im Gesundheitswesen zu sparen.

Quelle: Hazlewood G et al.: Methotrexate monotherapy ... BMJ 2016; 353: i1777

Langzeitdaten vom EULAR
Secukinumab bei PsA dauerhaft wirksam

Der IL-17A-Inhibitor Secukinumab ist seit Ende 2015 zugelassen bei Psoriasis-Arthritis (PsA) und ankylosierender Spondylitis (AS). Maßgebliche Daten zur Zulassung bei PsA lieferte die Studie FUTURE 1. Nun wurden auf dem letzten EULAR die Langzeitdaten von FUTURE 1 präsentiert: Secukinumab zeigte sich dabei auch bis zur Woche 104 dauerhaft wirksam in der Verbesserung zahlreicher rheumatologischer Scores und klinischer Parameter.

Quelle: Kavanaugh A et al.: Secukinumab provides sustained improvement in the signs and symptoms of active psoriatic arthritis: 2-year efficacy and safety results from the phase 3 randomised, double-blind, placebo-controlled trial, FUTURE 1. Abstract FRI0448, EULAR 2016, 8.-11.6.2016, London

Rotavirus und Meningokokken
Weniger Erkrankungsraten dank moderner Impfstoffe

Wie wichtig die Durchsetzung eines umfassenden Kinderimpfprogramms ist, zeigen aktuelle Daten am Beispiel der Rotaviren und Meningokokken. Dank neuer Impfstoffe und Bestimmungen sind die Zahlen der oft folgenreichen Erkrankungen vielerorts zurückgegangen.

Quelle: Fachpressekonferenz: „Aktuelle Erfolge wichtiger Kinderimpfungen heute – am Beispiel der Rotavirus- und der Meningkokokken-Impfung“, Hamburg, 17.9.2016, Veranstalter: GlaxoSmithKline
Rotavirus-Impfstoff: Rotarix®; Meninkokokken-B-Impfstoff: Bexsero®

Asthma von Kindern
Was spricht für eine schlechte Prognose?

Die Lungenfunktion entwickelt sich in der Kindheit normalerweise zu einem Maximum, bleibt nach der Adoleszenz für etliche Jahre stabil und nimmt dann langsam wieder ab. Abweichungen von diesem Verlauf können Hinweise auf spätere Verschlechterungen geben.

Quelle: McGeachie MJ et al.: Patterns of growth and decline in lung function in persistent childhood asthma. N Engl J Med 2016; 374: 1842-52

Seltene Erscheinung
Auf intraorale Psoriasis achten

In seltenen Fällen kann sich eine Psoriasis auch an der Mundschleimhaut manifestieren. Da eine intraorale Psoriasis meist symptomfrei, transient und schwer zu differenzieren ist, wird sie oft übersehen. Es gibt aber therapeutische Möglichkeiten.

Quelle: Fatahzadeh M, Schwartz RA: Oral psoriasis: an overlooked enigma. Dermatology 2016; 232: 319-25

GFI Der Medizin-Verlag

Anschrift

GFI. Gesellschaft für medizinische Information mbH
Paul-Wassermann-Straße 15
81829 München

Telefon: +49 89 4366300
Fax: +49 89 436630210
E-Mail: info@gfi-online.de

Copyright © 2017, GFI | AGB | Sicherheit und Datenschutz | Impressum