Infektionen

Trockener Husten
Es kann auch mal ein Abszess sein

Hinter einem akuten trockenen Husten steckt meistens eine Bronchitis oder eine Pneumonie. Wenn der Patient aber auf die entsprechende Therapie nicht anspricht, muss man sich differenzialdiagnostische Gedanken machen. Ein pulmonaler Abszess ist dann zwar nach wie vor selten, muss aber in Betracht gezogen werden.

Quelle: Urso B, Michaels S: Differentiation of Lung Cancer, Empyema, and Abscess ... Cureus 2016; 8: e896

Reisediarrhoe
Wann Antibiotika, wann nicht?

Eine Reisediarrhoe trifft etwa 20 bis 60% aller Reisenden. Meist gehen die Symptome nach ein paar Tagen von selbst zurück und ein paar einfache Eigenmaßnahmen reichen zur Therapie aus. Manchmal müssen aber auch Antibiotika ran.

Quelle: Barrett J: Travellers‘ diarrhoea. BMJ 2016; 353: i1937

Malaria bei Kindern
Cave Hypoglykämie!

Kinder, die wegen einer akuten Malaria-Erkrankung hospitalisiert werden, entwickeln häufiger als bislang gedacht Hypoglykämien. Das ergab eine aktuelle Studie aus Mosambik (Afrika).

Quelle: Madrid L et al.: Continuous determination of blood glucose in children admittet ... Malar J 2017; 16: 184

Humanes Papillomavirus
Mädchen und Jungen impfen?

Gängigen Empfehlungen zufolge sollen Mädchen ab einem Alter von neun Jahren und möglichst vor dem ersten Geschlechtsverkehr gegen humanes Papillomavirus (HPV) geimpft werden. Aber kann eine zusätzliche Impfung von Jungen den präventiven Effekt gegen Präkanzerosen der Zervix dabei nennenswert steigern?

Quelle: Sharma M et al.: The value of male human papillomavirus vaccination ... BJOG 2016; 123: 917-26

Auch an Zika, Dengue und Co. denken!
Risikoevaluation bei Reiserückkehrern mit Fieber

Die vergangenen Zika-, Ebola- und Chikungunya-Ausbrüche haben gezeigt, dass man bei der Evaluation fiebriger Reiserückkehrer auf der Hut sein sollte. Um der Infektionsursache auf die Schliche zu kommen, ist eine detaillierte Reiseanamnese und Kenntnis geographischer Faktoren notwendig.

Quelle: Thwaites GE et al.: Approach to fever in the returning traveler. N Engl J Med 2017; 376(6): 548-60

Banale Erkältung
Zink-Lutschtabletten: eine Empfehlung wert

Wie so oft verdankt die Menschheit das Wissen über die Wirksamkeit von Zink-Lutschtabletten einem Zufall. Das Wissen, wie gut diese Therapie aber in der Praxis tatsächlich wirkt, wollten Ärzte aus Helsinki ganz und gar nicht dem Zufall überlassen.

Quelle: Hemilä H et al.: Zinc acetate lozenges for treating the ... Br J Clin Pharmacol 2016; 82: 1393-8

Chronischer Husten
Umwelt- oder berufsbedingt?

Schadstoffe aus der Umwelt und am Arbeitsplatz können entweder direkt oder indirekt, etwa über allergische Reaktionen, Atemwegserkrankungen verursachen. Die Diagnostik des chronischen Hustens erfordert manchmal geradezu kriminalistischen Spürsinn.

Quelle: Tarlo SM et al. Occupational and environmental contributions to chronic cough in adults: chest expert panel report. Chest 2016; 150: 894-907

Helicobacter pylori
Probiotika für alle!

Aufgrund zunehmender Clarithromycin-Resistenz bei Triple-Eradikationen und der oft schlechten Patientenadhärenz ist die Eradikationsrate in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Durch Zugabe von Probiotika zur Standardtherapie lassen sich die Erfolgsraten aber verbessern.

Quelle: Lau CS et al.: Probiotics improve the efficacy of standard triple therapy in the eradication of Helicobacter pylori. Infect Drug Resist 2016; 7(9): 275-89

COPD
Erstlinie mit dualen Bronchodilatatoren

Im kürzlich veröffentlichten Report der Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD) 2017 werden für die Mehrheit der symptomatischen COPD-Patienten als Erstlinientherapie duale Bronchodilatatoren empfohlen. Eine der Grundlagen der Empfehlung ist die Studie FLAME, welche die Überlegenheit der dualen Bronchodilatation gegenüber einer ICS/LABA-Kombination hinsichtlich der Reduktion der Exazerbationsrate zeigte.

Quelle: Fachpressekonferenz: „COPD-Therapie im Wandel: Zeit zu handeln?“, Frankfurt am Main, 29.11.2016, Veranstalter: Novartis Indacaterol/Glycopyrronium: Ultribro® Breezhaler® (D, A, CH)

Umfangreiches Review zu Kinderimpfungen
Positive und negative unspezifische Effekte

Die Impfung von Kindern gegen Masern (MCV), Diphtherie/Tetanus/Pertussis (DTP) und Tuberkulose (BCG) haben zahlreiche Leben gerettet. Abseits davon könnten die Impfstoffe aber auch zusätzliche unspezifische Effekte auf das Immunsystem haben. Ganz von der Hand zu weisen sind diese Vermutungen anhand der aktuellen Datenlage nicht; eine handfeste Evidenz gibt es aber auch nicht.

Quelle: Higgins JPT et al.: Association of BCG, DTP, and measles containing vaccines with childhood mortality: systematic review. BMJ 2016; 355: i5170

Kandasamy R et al.: Non-specific immunological effects of selected routine childhood immunisations: systematic review. BMJ 2016; 355: i5225
Schnupfen, Husten und Co.
Weniger Antibiotika – mehr Komplikationen?

Geht eine restriktivere Verschreibung von Antibiotika gegen Infektionen der Atemwege mit einem erhöhten Komplikationsrisiko einher? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer großen britischen Studie.

Quelle: Gulliford MC et al.: Safety of reduced antibiotic prescribing for self limiting respiratory tract infections in primary care: cohort study using electronic health records. BMJ 2016; 354: i3410

Clostridium-difficile-Infektion
Metaanalyse zur fäkalen Stuhlübertragung

Bei alten multimorbiden Patienten ist eine Clostridium-difficile-Infektion nicht selten eine tödliche Erkrankung. Mit den herkömmlichen Antibiotika gelingt nicht immer eine Heilung. Vielversprechend erscheint ein neuer Therapieansatz, nämlich die fäkale Stuhltransplantation.

Quelle: Y.-T. Li et al.: Systematic review with meta-analysis: long-term outcomes of faecal microbiota transplantation for Clostridium difficile infection. Aliment Pharmacol Ther 2016: 43: 445-57

Unklare Bewusstlosigkeit und Tod
Ein 32-jähriger „Leber-Patient"?

Als ein 32-jähriger Patient bewusstlos aufgefunden wurde, kamen angesichts der Vorgeschichte verschiedene Ursachen in Betracht. Doch die ausgeprägte Hepatopathie führte schließlich zur richtigen Diagnose ... bevor der Patient verstarb.

Quelle: Fenves AZ et al.: Case 21-2016. A 32-year-old man ... N Engl Med 2016; 375: 163-71

Diarrhoe bei Kindern
Welche Keime sind besonders relevant?

Durchfallkrankheiten stellen weltweit die zweithäufigste Todesursache bei Kindern unter fünf Jahren dar. Um gesundheitspolitisch intervenieren zu können, muss man wissen, welche Pathogene dafür die größte Bedeutung haben.

Quelle: Liu J et al.: Use of quantitative molecular dia - gnostic methods to identify causes of diarrhoea in children ... Lancet 2016; 388: 1291-301

Endlich ein positives Ergebnis: Neuraminidasehemmer bei Influenza
Laninamivir zur Postexpositionsprophylaxe

Die Daten zur Wirksamkeit von Neuraminidasehemmern genießen im allgemeinen keinen allzu guten Ruf. Nun wurde – nachdem 2014 eine Phase-2-Studie zur Therapie gescheitert war – Laninamivir zur Postexpositionsprophylaxe getestet.

Quelle: Kashiwagi S et al.: Long-acting neuraminidase inhibitor ... Clin Infect Dis 2016; 63(3): 330-7

DÖSGHO schaut bei Jahrestagung über den Tellerrand
Influenza-Impfung – Neue Leitlinie zur Ernährung von Krebspatienten

Die Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DÖSGHO) ist im wesentlichen ein Fortbildungskongress mit Blick über den Tellerrand. So wurden in der Sitzung mit den „besten Abstracts“ u. a. Studien zur Influenza bei Krebspatienten und zur Einweisung auf die Intensivstation nach Stammzelltransplantation thematisiert. Ein Vortrag war der Ernährungsmedizin in der Onkologie gewidmet, zu der sich praktische Tipps in der aktuellen S3-Leitlinie finden.

Überlebende des Ebolafiebers
WHO-Daten zeigen neue Infektionswege

Westafrika 2014: Mit mehr als 28 000 Infizierten und 11 000 Todesfällen war dies die bislang größte Ebolafieber-Epidemie in der Geschichte. Mittlerweile gibt es Erkenntnisse, dass nicht nur der direkte Kontakt mit Blut oder Körperflüssigkeiten als Infektionsquelle infrage kommt.

Quelle: MacIntyre CR et al.: Recurrence and reinfection - a new paradigm for the management of Ebola virus disease. Int J Infect Dis 2016; 43: 58-61

ZNS-Infektionen im Alter
Welche Viren spielen eine Rolle?

Im Alter von über 65 Jahren ist der Verlauf von ambulant erworbener Meningitis und Enzephalitis ungünstiger als in früheren Jahren. Ältere Patienten sind in klinischen Studien jedoch meist unterrepräsentiert, vor allem die Altersgruppe über 80 Jahren.

Quelle: Parisi SG et al.: Viral infections of the central nervous system in elderly patients: a retrospective study. Int J Infect Dis 2016; 44: 8-10

Wie am besten diagnostizieren, wie therapieren?
Harnwegsinfektionen bei älteren Männern

Harnwegsinfektionen (HWI) bei älteren Männern sind mit bis zu 7,7 Fällen pro 1000 Männer häufig. HWI sind bei älteren Männern zudem die häufigste Ursache einer Bakteriämie, auch wenn die Mortalität in diesen Fällen nicht allzu hoch ausfällt. In der Regel findet sich bei einem HWI eine zugrundeliegende urologische Abnormalität. Zur Wahl einer sinnvollen Therapie gehört auch, zuvor zu bestimmen, ob die Infektionsquelle die Niere, die Blase oder die Prostata ist. Besonders eine chronische bakterielle Prostatitis kann sich hartnäckig der Therapie widersetzen. Wie geht man in der Praxis am besten vor?

Quelle: Schaeffer AJ, Nicolle LE: Urinary tract infections in older men. N Engl J Med 2016; 374: 562-71

Screening auf Chlamydien
Für jüngere Schwangere lohnend

Die Infektion mit Chlamydia trachomatis gehört zu den häufigsten sexuell übertragenen Krankheiten. Für Schwangere birgt sie besondere Risiken. Den ökonomischen Aspekt eines Screenings untersuchte man in Australien.

Quelle: Ong JJ et al.: Chlamydia screening for pregnant women aged 16-25 years attending an antenatal service ... BJOG 2016; 123: 1194-1202

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