Urogenitaltrakt

Urologie für den Allgemeinarzt
Was tun bei Phimose?

Im Kleinkindes- und Kindesalter ist es normal, dass das Präputium nicht vollständig über die Glans penis zurückziehbar ist. Im Alter von 16 bis 17 Jahren klappt das bei etwa 95% aller Männer. Aber wie therapiert man in der Primärversorgung eigentlich eine Phimose?

Quelle: Raja A et al.: Tight foreskin. BMJ 2016; 355: i4639

Überaktive Blase
Plazebo-Effekt aufgeklärt

In Studien mit Medikamenten gegen überaktive Blase fällt oft ein starker Plazebo-Effekt auf. Es gibt verschiedene Faktoren, die zu diesem Phänomen beitragen könnten.

Quelle: Herschorn S et al.: Could reduced fluid intake cause the placebo effect ... Urology 2017; 106: 55-9

Angeborene Zystennieren
Dialysepflicht mit Tolvaptan aufschieben

Die autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD, „Zystennieren“) ist die häufigste angeborene Nierenerkrankung und ist für etwa 4 bis 10% aller Dialysen verantwortlich. Mit dem Vasopressin-V2-Rezeptor-Antagonisten Tolvaptan steht seit kurzem eine Therapie zur Verfügung, die die Krankheitsprogression und das Nierenversagen bei geeigneten Patienten herauszögern kann.

Quelle: Fachpressekonferenz: „Leben mit ADPKD – die vielen Gesichter einer lebenslangen Erkrankung“, Berlin, 13.7.2017, Veranstalter: Otsuka; Tolvaptan: Jinarc® (D, A, CH)

Hyperurikämie
Nierenprotektion durch Harnsäuresenkung

Die symptomatische Hyperurikämie ist mit einem erhöhten Risiko für Nierenerkrankungen verbunden. Dabei nimmt die harnsäuresenkende Therapie für den Erhalt der Nierenfunktion eine wichtige Rolle ein.

Quelle: Fachpressekonferenz:
„Folgeschäden vermeiden: Gicht und Gürtelrose adäquat behandeln“, Berlin, 29.6.2017, Veranstalter: Berlin-Chemie
Febuxostat: Adenuric®

Seltener Grund für Bauchschmerz
Spontaner Niereninfarkt

Thrombosen in der Arteria renalis treten in der Regel im Kontext einer Erkrankung auf. In sehr seltenen Fällen kann eine Nierenarterienthrombose aber auch spontan entstehen. Früh erkannt kann man die Niere dann vielleicht noch retten.

Quelle: Raghavendran M et al.: Isolated spontaneous renal artery thrombosis ... Urol Case Rep 2016; 9: 4-5

Lokal begrenztes Prostatakarzinom
Operieren, bestrahlen oder abwarten?

Welche Therapiestrategie beim lokal begrenzten Prostatakarzinom am besten ist, hängt neben dem Progressions- und Mortalitätsrisiko auch von der Blasen-, Sexualund Darmfunktion ab. Neue Daten können bei der Therapieentscheidung helfen.

Quelle: Barocas DA et al.: Association between radiation therapy, surgery, or observation for localized prostate cancer and patient-reported outcomes after 3 years. JAMA 2017; 217(11): 1126-40

Autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD)
Wann Tolvaptan starten?

Charakteristisch für die autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung ( ADPKD) ist die Entstehung und stetige Ausdehnung von Nierenzysten, die zunehmend zum Nierenfunktionsverlust führt. Mit Tolvaptan steht seit etwa zwei Jahren erstmals eine Therapieoption zur Verfügung, die der Krankheitsprogression entgegenwirken kann. Aber wie findet man die richtigen Patienten für diese Therapie?

Quelle: Symposium:„Optimising treatment of ADPKD patients: confidence through experience“, Madrid, 5.6.2017 Veranstalter: Otsuka Tolvaptan: Jinarc® (D, A, CH)

Hoffnungen nicht bestätigt
Präkonditionierung mit Blutdruckmanschette

In den letzten Jahrzehnten entwickelte sich die Nierentransplantation von einem risikobehafteten, experimentellen Ansatz zu einer sicheren und lebensrettenden Maßnahme. Unvermeidbar tritt dabei ein renaler Ischämie-Reperfusion-Insult (IRI) auf, der zu Komplikationen wie verzögerter Funktion des Spenderorgans (delayed graft function, DGF), akuter Abstoßung (acute rejection, AR) oder chronischer renaler Fibrose führen kann. Das „remote ischemic conditioning“ (RIC) ist ein neuer Ansatz, um IRI zu minimieren.

Quelle: Zhou CC et al.: Limited clinical utility of remote ischemic conditioning in renal transplantation: a meta- analysis ... PLoS ONE 2017; 12(1): e0170729

Nach Nierentransplantation
Diabetes verhindern = Maßnahme Nr. 1

Kardiovaskuläre Erkrankungen und Neoplasien sind bei nierentransplantierten Patienten mit funktionierender Niere die häufigsten Todesursachen. Eine aktuelle Studie aus Spanien untersuchte nun, wie häufig kardiovaskuläre Probleme nach einer Nierentransplantation auftraten und welche Risikofaktoren es dafür gab.

Quelle: Seoane-Pillado MT et al.: Incidence of cardiovascular events ... BMC Cardiovasc Disord 2017; 17: 72

Nierentransplantation in Zeiten der Organknappheit
Ein zweites Mal auch für ältere Patienten?

Bei der ansteigenden Anzahl dialysepflichtiger älterer Menschen und bestehendem Organmangel stellt sich die Frage, ob Nierentransplantationen auch bei älteren Menschen vertretbar sind und im Vergleich zur Dialyse überhaupt einen Vorteil bringen. Diese Frage gilt insbesondere für die Zweittransplantation.

Quelle: Heldal K et al.: Should patients older than 65 years be offered a second kidney ... BMC Nephrology (2017); 18: 13, DOI 10.1186/s12882-016-0426-0

Akutes Nierenversagen
Risikomodell für Transplantat-Verlust

Akutes Nierenversagen (acute kidney injury, AKI) ist bei nierentransplantierten Patienten keine Seltenheit und erhöht das Risiko, das Transplantat zu verlieren. Wie hoch das Risiko für den einzelnen Patienten ausfällt, verrät ein neuer Risikoscore.

Quelle: Molnar AO et al.: Derivation of a predictive model for graft loss ... Can J Kindes Health Dis 2017; Epub Jan 30; doi: 10,1177/2054358116688228

US-amerikanischer Kardiologenkongress ACC 2017
KHK bei Jüngeren, PCI bei Älteren, ... und zwei Outcome-Marker

Ende März 2017 fand der Jahreskongress der US-amerikanischen Kardiologen in Washington D.C., USA, statt. Über 2500 Abstracts wurden als Vortrag, Poster oder in moderierten Postersessions präsentiert. „Die internationale Aufgabe der Kardiologenvereinigung ACC besteht darin“, so der letzte Kongresspräsident Dr. Richard A. Chazal, Florida, „die Last kardiovaskulärer Erkrankungen weltweit zu reduzieren.“ Um diese Mission zu unterstützen, haben wir hier einige aktuelle und praxisrelevante Informationen vom ACC 2017 zum Thema „akute und stabile KHK“ für Sie zusammengefasst.

Chronische Niereninsuffizienz
Mehr Na-Ausscheidung, mehr KHK-Risiko

Patienten mit einer chronischen Niereninsuffizienz haben ein deutlich erhöhtes Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis. Nach einer neuen Studie ist eine vermehrte Natrium-Aufnahme ein zusätzlicher Risikofaktor.

Quelle: Mills KT et al.: Sodium excretion and the risk ... JAMA 2016; 315(20): 2200-10

Tamoxifen
Nebenwirkungen bei Männern variabel

Der selektive Östrogenrezeptor-Modulator Tamoxifen wird off-label immer häufiger auch bei Männern eingesetzt, u. a. bei Brust- oder Prostatakarzinom-Patienten. Das Sicherheitsprofil ist bei Männern allerdings anders als bei Frauen und abhängig von der Indikation und weiteren Faktoren.

Quelle: Wibowo E et al.: Tamoxifen in men: a review of adverse events. Andrology 2016; 4: 776-88

Patientengruppe mit spezifischen Bedürfnissen
Transgender-Personen allgemein versorgen und in ihrer Identität unterstützen

Die allgemeinen und speziellen Gesundheitsansprüche von Transgender-Personen werden aufgrund häufiger Stigmatisierung dieser Minderheitengruppe in der Arztpraxis oft nicht adäquat adressiert. Dabei leiden Transgender nicht nur häufig an Geschlechtsdysphorie, sondern oft auch an psychischen Erkrankungen und erhöhten allgemeinen Gesundheitsrisiken. Als Arzt sollte man Transgender in ihren Bedürfnissen verstehen und sie auf dem Weg zur Verwirklichung ihrer gefühlten Geschlechtsidentität begleiten.

Quelle: Winter S et al.: Transgender people: health at the margnis of society. Lancet 2016; 388: 390-400

Wylie K et al.: Serving transgender people: clinical care considerations and service delivery models in transgender health. Lancet 2016; 388: 401-11

Koronar-Intervention
Wem droht Kontrastmittel-Nephropathie?

Bei perkutanen Koronar-Interventionen im Rahmen eines akuten Infarkts sind Kontrastmittel unverzichtbar. Sie bergen allerdings das Risiko einer Kontrastmittel- Nephropathie – verbunden mit hoher Morbidität und Mortalität. Es ist aber schwer abzuschätzen, welchen Patienten diese Komplikation droht.

Quelle: Lazaros G et al.: Usefulness of C-reactive protein as a predictor of contrast-induced nephropathy after percutaneous coronary interventions in patients with acute ... Am J Cardiol 2016; 118: 1329-33

Symptomatische Hyperurikämie
Metabolischer und kardiovaskulärer Risikofaktor

Die symptomatische Hyperurikämie ist eine genetisch bedingte Stoffwechselerkrankung, die mit chronischen Nieren-, aber auch kardiovaskulären Erkrankungen, Hypertonie und Adipositas assoziiert ist. Auch steigt mit der Harnsäurekonzentration das Risiko einer Niereninsuffizienz. Daher sollte man die Bedeutung einer adäquaten Harnsäure senkende Therapie nicht vernachlässigen.

Quelle: Fachpressekonferenz: „Symptomatische Hyperurikämie – die neue alte Volkskrankheit“, Berlin, 1.12.2016, Veranstalter: Berlin-Chemie
Febuxostat: Adenuric®

Benigne Dermatosen am Penis
Meist sind es entzündliche Veränderungen

Bei Dermatosen am männlichen Genitale handelt es sich oft um Manifestationen geläufiger entzündlicher Hauterkrankungen. Natürlich muss man aber auch Präkanzerosen und Malignome ausschließen.

Quelle: Shim TN et al.: Benign male genital dermatoses. BMJ 2016; 354: i4337

Strahlentherapie bei Prostatakarzinom
Risiko für sekundäre Malignitäten

Eine mögliche Komplikation der Strahlentherapie von Prostatakarzinomen ist die Entstehung sekundärer Malignitäten in anderen Geweben. Es wird vermutet, dass Streustrahlung und genetische Auswirkungen der Bestrahlung das Risiko besonders von Blasenoder Darmkrebs erhöhen. Eine aktuelle Metaanalyse bestätigt diesen Verdacht.

Quelle: Wallis CJ et al.: Second malignancies after radiotherapy for prostate cancer: systematic review and meta-analysis. BMJ 2016; 352: i851

Urothelkarzinom
Hohes Risiko für Zweittumor

Verbesserte Krebstherapien führen dazu, dass onkologische Patienten länger leben. Diese müssen dann aber ein erhöhtes Risiko für ein weiteres Neoplasma fürchten – durch Faktoren wie Exposition gegenüber allgemeinen Karzinogenen, genetische Prädisposition, häufige Follow-up-Untersuchungen und frühere Radio-Chemotherapien. Eine Analyse fand heraus, dass 13,7% der Krebsüberlebenden innerhalb von 25 Jahren einen zweiten Primärkrebs (second primary cancer = SPC) entwickelten.

Quelle: Sahin AF et al.: Second primary cancers in patients with urothelial cancers. Investig Clin Urol 2016; 57: 330-35

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