Urologie

Männliche Infertilität
Ist retrograde Ejakulation schuld?

Bei einer Azoospermie fehlen Spermien im Ejakulat völlig. Aber es gibt auch eine andere Ursache für männliche Infertilität: retrograde Ejakulation. Wie man in solchen Fällen diagnostisch vorgehen kann, stellten Autoren nun dar, die auf der Suche nach einem idealen Cut-off-Wert für die Definition der partiellen retrograden Ejakulation als Infertilitätsursache waren.

Quelle: Mieusset R et al.: Diagnosis of partial retrograde ejaculation in non-azoospermic ... PLoS One 2017; 12: e01268742

Hilfe für Kriegsverletzte und andere genital Versehrte
Penis-Transplantation bald Routine?

Zwischen 2001 und 2013 erlitten über 1300 männliche US-Soldaten urogenitale Verletzungen, davon 86 schwere penile. Eine Penisamputation ist manchmal die einzige Option. Seit der ersten erfolgreichen Penis-Transplantation im Jahr 2014 bemühen sich nun zwei US-Kliniken, den Eingriff zu standardisieren.

Quelle: Kuehn BM: US hospitals prepare for penis transplants. JAMA 2016; 315(13): 1322-4

Die „Quick-wee"-Methode
Uringewinnung bei Babys leicht gemacht

Leiden kleine Kinder unter Fieber, stecken oft Harnwegsinfektionen dahinter. Zur Abklärung ist eine Uringewinnung erforderlich. Eine Probe zu erhalten, ist jedoch bei kleinen Kindern gar nicht so einfach. Ein simples Stimulationsmanöver kann die Uringewinnung aber deutlich vereinfachen.

Quelle: Kaufman J et al.: Faster clean catch urine collection (Quick-Wee method) from infants: randomised controlled trial. BMJ 2017; 357: j1341

Refraktär überaktive Blase
Botox oder sakrale Neuromodulation?

Im Journal of Urology diskutierten zwei Ärzte, ob man die Onabotulinumtoxin- AInjektion der sakralen Neuromodulation (SNM) bei Patienten mit refraktärer überaktiver Blase (OAB) vorziehen sollte.

Quelle: Siegel S, Ginsberg DA: Onabotulinumtoxin A is preferred over sacral neuromodulation for refractory overactive bladder. J Urol 2017; 197: 11-3

Urologie für den Allgemeinarzt
Was tun bei Phimose?

Im Kleinkindes- und Kindesalter ist es normal, dass das Präputium nicht vollständig über die Glans penis zurückziehbar ist. Im Alter von 16 bis 17 Jahren klappt das bei etwa 95% aller Männer. Aber wie therapiert man in der Primärversorgung eigentlich eine Phimose?

Quelle: Raja A et al.: Tight foreskin. BMJ 2016; 355: i4639

Überaktive Blase
Plazebo-Effekt aufgeklärt

In Studien mit Medikamenten gegen überaktive Blase fällt oft ein starker Plazebo-Effekt auf. Es gibt verschiedene Faktoren, die zu diesem Phänomen beitragen könnten.

Quelle: Herschorn S et al.: Could reduced fluid intake cause the placebo effect ... Urology 2017; 106: 55-9

Lokal begrenztes Prostatakarzinom
Operieren, bestrahlen oder abwarten?

Welche Therapiestrategie beim lokal begrenzten Prostatakarzinom am besten ist, hängt neben dem Progressions- und Mortalitätsrisiko auch von der Blasen-, Sexualund Darmfunktion ab. Neue Daten können bei der Therapieentscheidung helfen.

Quelle: Barocas DA et al.: Association between radiation therapy, surgery, or observation for localized prostate cancer and patient-reported outcomes after 3 years. JAMA 2017; 217(11): 1126-40

Tamoxifen
Nebenwirkungen bei Männern variabel

Der selektive Östrogenrezeptor-Modulator Tamoxifen wird off-label immer häufiger auch bei Männern eingesetzt, u. a. bei Brust- oder Prostatakarzinom-Patienten. Das Sicherheitsprofil ist bei Männern allerdings anders als bei Frauen und abhängig von der Indikation und weiteren Faktoren.

Quelle: Wibowo E et al.: Tamoxifen in men: a review of adverse events. Andrology 2016; 4: 776-88

Benigne Dermatosen am Penis
Meist sind es entzündliche Veränderungen

Bei Dermatosen am männlichen Genitale handelt es sich oft um Manifestationen geläufiger entzündlicher Hauterkrankungen. Natürlich muss man aber auch Präkanzerosen und Malignome ausschließen.

Quelle: Shim TN et al.: Benign male genital dermatoses. BMJ 2016; 354: i4337

Strahlentherapie bei Prostatakarzinom
Risiko für sekundäre Malignitäten

Eine mögliche Komplikation der Strahlentherapie von Prostatakarzinomen ist die Entstehung sekundärer Malignitäten in anderen Geweben. Es wird vermutet, dass Streustrahlung und genetische Auswirkungen der Bestrahlung das Risiko besonders von Blasenoder Darmkrebs erhöhen. Eine aktuelle Metaanalyse bestätigt diesen Verdacht.

Quelle: Wallis CJ et al.: Second malignancies after radiotherapy for prostate cancer: systematic review and meta-analysis. BMJ 2016; 352: i851

Urothelkarzinom
Hohes Risiko für Zweittumor

Verbesserte Krebstherapien führen dazu, dass onkologische Patienten länger leben. Diese müssen dann aber ein erhöhtes Risiko für ein weiteres Neoplasma fürchten – durch Faktoren wie Exposition gegenüber allgemeinen Karzinogenen, genetische Prädisposition, häufige Follow-up-Untersuchungen und frühere Radio-Chemotherapien. Eine Analyse fand heraus, dass 13,7% der Krebsüberlebenden innerhalb von 25 Jahren einen zweiten Primärkrebs (second primary cancer = SPC) entwickelten.

Quelle: Sahin AF et al.: Second primary cancers in patients with urothelial cancers. Investig Clin Urol 2016; 57: 330-35

Blasensteine und Herzvitium
Wie passt das zusammen?

Zunächst fanden sich Blasensteine als Ursache von rezidivierenden Harnwegsinfektionen mit Ausbildung einer Hydronephrose. Die weitere kardiologische Untersuchung deckte dann ein bisher nicht bekanntes Shuntvitium auf, was bei der Pathogenese der Harnsäuresteine eine wesentliche Rolle spielen dürfte.

Quelle: Shah A et al.: Uric acid bladder stones in congenital ... Lancet 2016; 388: 1921

Uretersteine
Leichtere Expulsion mit Tadalafil

Spontan passieren die meisten Harnleitersteine unter 5 mm den Ureter von selbst; bei über 8 mm großen Steinen verhindern die uretralen Spasmen oft die spontane Expulsion. Indem sie die Harnleitermuskulatur entspannen, können Alpharezeptorblocker wie Tamsulosin die Passage erleichtern. Noch besser gelingt das einer Studie zufolge mit dem PDE-5-Hemmer Tadalafil.

Quelle: Hari Bahadur KC et al.: Tamsulosin versus tadalafil as a medical expulsive therapy for distal ureteral stones: a prospective randomized study. Investig Clin Urol 2016; 57: 351-6

Hämatospermie
Meist ein harmloses Symptom

Die Hämatospermie ist ein Symptom, welches von Patienten oft als gefährlich wahrgenommen wird, weil man damit eine maligne Erkrankung assoziiert. Doch in den meisten Fällen findet sich keine bösartige Erkrankung.

Quelle: Dantanarayana N: Haematospermia. Aust Fam Physician 2015; 44(12): 907-10

Wie am besten diagnostizieren, wie therapieren?
Harnwegsinfektionen bei älteren Männern

Harnwegsinfektionen (HWI) bei älteren Männern sind mit bis zu 7,7 Fällen pro 1000 Männer häufig. HWI sind bei älteren Männern zudem die häufigste Ursache einer Bakteriämie, auch wenn die Mortalität in diesen Fällen nicht allzu hoch ausfällt. In der Regel findet sich bei einem HWI eine zugrundeliegende urologische Abnormalität. Zur Wahl einer sinnvollen Therapie gehört auch, zuvor zu bestimmen, ob die Infektionsquelle die Niere, die Blase oder die Prostata ist. Besonders eine chronische bakterielle Prostatitis kann sich hartnäckig der Therapie widersetzen. Wie geht man in der Praxis am besten vor?

Quelle: Schaeffer AJ, Nicolle LE: Urinary tract infections in older men. N Engl J Med 2016; 374: 562-71

Metastasiertes Prostatakarzinom
Schon frühzeitig Chemotherapie

Für Patienten mit fortgeschrittenem, aber noch hormonsensiblem Prostata-Ca empfehlen Fachgesellschaften auf der Basis aktueller Studiendaten die frühzeitige Chemohormontherapie. Mit Cabazitaxel kann dabei eine Docetaxel-Resistenz überwunden werden.

Quelle: Symposium: „Innovative Therapiekonzepte beim metastasierten Kolorektal- und Prostatakarzinom“, Leipzig, 14.10.2016, Veranstalter: Sanofi Genzyme Cabazitaxel: Jevtana® (D, A, CH)

Metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom
Konsequente Chemotherapie für mehr Lebenszeit

Geht es darum, für Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom einen Überlebensvorteil bei guter Symptomkontrolle und Erhalt der Lebensqualität zu erreichen, sollte ihnen die Chemotherapie nicht vorenthalten werden.

Quelle: Symposium: „What´s hot in mCRPC?“, Leipzig, 29.9.2016, im Rahmen des DGU-Kongresses 2016 Veranstalter: Sanofi Genzyme Cabazitaxel: Jevtana® (D, A, CH)

Therapie-Optionen
Sildenafil in günstiger 10er-Packung

Seit 2013 steht mit Sildaristo® ein kostengünstiges Bioäquivalent zu Sildenafil für die Behandlung der erektilen Dysfunktion zur Verfügung. Sildaristo® ist in den Dosierungen 50 bzw. 100 mg jeweils in den Packungsgrößen mit vier, zwölf und 20 Filmtabletten...

Ein Warnzeichen, nur für was?
Schwellung am Skrotum

Ein 65-jähriger Mann stellte sich mit einer skrotalen linksseitigen Schwellung in einer urologischen Klinik vor. Die retroperitoneal gefundene Ursache bedurfte dann allerdings eines etwas größeren Eingriffs.

Quelle: El Abiad Y, Qarro A: Acute varicocele revealing renal cancer. N Engl J Med 2016; 374(21): 2075

Männergesundheit
Was reduzierte Fertilität verrät

Die allgemeine Gesundheit eines Mannes und seine Reproduktionsfähigkeit sind offenbar eng verknüpft. Bisher wurden aber nur einzelne Aspekte dieses Zusammenhangs systematisch analysiert.

Quelle: Ventimiglia E et al.: Infertility as a proxy of general male health: ... Fertil Steril 2015; 104: 48-55

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