Sucht

Massen-Intoxikation in New York
Zombies in der Stadt

Immer häufiger werden neuartige psychoaktive Substanzen bei Drogenmissbrauchsfällen gefunden. Im vergangenen Jahr brachte es eine derartige neue Substanz, das synthetische Cannabinoid AMB-FUBINACA, zu einer gewissen medialen Aufmerksamkeit: Die akute Intoxikation von 33 Personen im New Yorker Stadtteil Brooklyn führte dazu, dass die Betroffenen motorisch verlangsamt und mit starrem Blick durch die Straßen wankten – was in der Laien-Presse als „Zombie-Ausbruch“ beschrieben wurde.

Quelle: Adams AJ et al.: „Zombie“ outbreak caused by the synthetic cannabinoid AMB-FUBINACA in New York. N Engl J Med 2017; 376: 235-42

Von Diabetologen bis Neurologen: zahlreiche Fachrichtungen betroffen
Wie Passivrauchen Patienten gefährdet

Was haben die Fachrichtungen Gastroenterologie, Diabetologie, Chirurgie, Gynäkologie, Neurologie, Ophthalmologie und Anästhesiologie gemein? In allen diesen Bereichen gibt es im noch gar nicht so alten Jahr 2017 neue Daten zu den Auswirkungen des Passivrauchens. Teils am Menschen, teils in Tierversuchen konnten Forscher zeigen, wie Passivrauch („environmental smoke“, „second hand smoke“ oder „side stream cigarette smoke“) die Gesundheit negativ beeinflusst. Aber einige der Studien fanden auch kontroverse Ergebnisse bzw. basierten lediglich auf dünnen Daten.

Quelle: Kim D et al.: Association between secondhand smoke and glycemic control ... Prev Med 2017; 94: 48-54

Özbeyli D et al.: Protective effect of alpha-lipoic acid ... Clin Exp Pharmacol Physiol 2017; 44: 62-70

Kim JW et al.: Evaluating the influence of side stream cigarette smoke ... Toxicol Res 2017; 33: 31-41

Santiago HAR et al.: Exposure to secondhand smoke impairs fracture healing in rats. Clin Orthop Relat Res 2017; 475: 8894-902

Chiswell C, Akram Y: Impact of environmental tobacco smoke exposure on anaesthetic and surgical outcomes in children: a systematic review and meta- analysis. Arch Dis Child 2017; 102: 123-30

Strumylaite L et al.: Association between lifetime exposure to passive smoking and risk of breast cancer subtypes defined by hormone receptor status among non-smoking ... PLoS One 2017; 12: e0171198

Pérez-de-Arcelus M et al.: Smoking and incidence of glaucoma ... Medicine 2017; 96: 1(e5761)

Lee PN et al.: Environmental tobacco smoke exposure and risk of stroke in never smokers: an updated review with meta-analysis. J Stroke Cerebrovasc Dis 2017; 1: 204-16

Raucherentwöhnung
Erfolg je nach Entzugsmuster

Typische Entzugserscheinungen bei einer Raucherentwöhnung sind Hunger, Suchtverlangen, Konzentrations- und Schlafstörungen, negative Affektstörungen wie Depressionen, Angststörungen und Aggressionen und Anhedonie (allgemeine Lustoder Freudlosigkeit). Die Ausprägung der Symptome ist oft verschieden, wobei sich vier distinkte Muster unterscheiden lassen.

Quelle: Piper ME et al.: What a difference a day makes: differences in initial abstinence response during a smoking cessation attempt. Addiction 2016; Epub Sept 15; doi: 10.1111/add.13613

Entzündungen"
Gesundheitsgefährdung durch E-Zigaretten

E-Zigaretten erfreuen sich einer zunehmenden Beliebtheit – insbesondere bei Jugendlichen. Über die gesundheitlichen Auswirkungen ist aber noch nicht viel bekannt. Zudem gibt es zahlreiche verschiedene E-Stängel und Liquids, was eine systematische Auswertung erschwert. Es liegen zahlreiche Hinweise aus Tiermodellen vor, dass Lungengewebe auf die Inhalation der Aerosole mit Entzündungen reagiert. Und auch die Geräte selbst können sich entzünden und explodieren, und so zu schweren Verletzungen führen.

Quelle: Dinakar C, O’Connor GT: The health effects of electronic cigarettes. N Engl J Med 2016; 375: 1372- 81;

Meernik C et al.: Burns from e-cigarettes and other electronic nicotine delivery systems. BMJ 2016; 354: i5024

Retardiertes Morphin
Weniger Suchtverlangen, mehr Lebensqualität

Opioidabhängigkeit ist eine schwere chronische Erkrankung, die behandelt werden muss. Die Patienten bekommen mit einer Substitutionstherapie die Möglichkeit auf gesundheitliche Rehabilitation. Mit retardiertem Morphin wird eine Lücke in der Versorgung Opioidabhängiger in Deutschland geschlossen.

Quelle: Fachpressekonferenz „ Methadon vs. Retardiertes Morphin- wer, wie, was?“, Berlin, 4.11.2016, Veranstalter: Mundipharma

Retardiertes Morphin: Substitol®

Neu entdeckte Entität
Smartphone-Erblindung

Zu jeder Tages- und Nachtzeit starren die Menschen mittlerweile auf ihre Smartphones. Nun führten zwei Kasuistiken einen Arzt aus England auf die Fährte einer bislang nicht beschriebenen ophthalmologischen Entität: die transiente Smartphone- Erblindung.

Quelle: Alim-Marvasti A et al.: Transient smartphone „blindness“. N Engl J Med 2016; 374(25): 2502-4

Topische Kortikosteroid-Sucht
Entzugserscheinungen erkennen

Topische Kortikosteroide können die Haut mancher Patienten regelrecht abhängig machen – vor allem bei dauerhafter Anwendung höherer Dosierungen im Gesicht oder Genitalbereich. Hier lesen Sie, was Sie in der Praxis beachten sollten.

Quelle: Sheary B: Topical corticosteroid addiction and withdrawal – an overview for GPs. Aust Fam Physician 2016; 45(6): 386-8

Aktuelle Zahlen zum Substanzmissbrauch
Erst Rx-Opioide, dann Heroin?

Um dem Anstieg im Missbrauch verschreibungspflichtiger Opioide Herr zu werden, wurden in den USA zahlreiche Aufklärungs- und Überwachungsprogramme umgesetzt. Dies konnte diese Zahlen zwar etwas bremsen, zeitgleich nahm dafür der Heroinmissbrauch in den USA stark zu – vermutlich aber aus anderen Gründen.

Quelle: Comptom WM et al.: Relationship between non - medical ... N Engl J Med 2016; 374(2): 154-63

Bürokratie im Griff
Digitale Dokumentationshilfe zur Substitutionstherapie

Die Substitionstherapie Heroinabhängiger ist mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden, der für viele Ärzte eine Hürde darstellen kann. Eine neue digitale Anwendung soll helfen, die Dokumentation einfacher und effizienter zu gestalten.

Quelle: Fachpressekonferenz: „START: Hürden überwinden, Versorgung sichern“, Berlin, 31.5.2016, Veranstalter: Mundipharma

Online-Spiel für Nikotin-Abstinenz
Lindert „Crave-Out" das Rauchverlangen?

Um das Nikotin-Craving bei Rauchverzicht zu verringern, wurde ein Sucht-bezogenes Online-Spiel entwickelt, das einerseits der Ablenkung von der Sucht und andererseits der Motivation zum Abstinenzerhalt dient. Ließen sich damit Erfolge erzielen?

Quelle: DeLaughter KL et al.: Crave-out: a distraction/ motivation mobile game to assist in smoking cessation. JMIR Serious Games 2016; 4(1): e3

Serie „Intoxikationen" – Teil 2 von 6
Der „Coma-Cocktail": Flumazenil und Naloxon bei Bewusstseins-eingeschränkten Patienten

Flumazenil und Naloxon erscheinen wie die idealen Antidote bei Benzodiazepin- bzw. Opioid-Intoxikation, denn sie binden kompetitiv an die entsprechenden Rezeptoren und haben eine kurze Halbwertszeit. Aber nur Naloxon wird als Bestandteil des so genannten Coma-Cocktails empfohlen, den man Notfall-Patienten mit Bewusstseinseinschränkung unbekannter Ursache oder durch vermutete Benzo- oder Opioid-Intoxikation empirisch geben kann. Worauf man achten sollte, und was noch in den Coma-Cocktail gehört, lesen Sie hier. In der nächsten Ausgabe der Praxis-Depesche (erscheint am 22.9.2016) erfahren Sie in Teil 3 der Serie, weshalb es bei einer Insulin- oder Sulfonylharnstoff-Überdosierung mit einer Glucose-Gabe alleine nicht getan ist.

Quelle: Sivilotti MLA: Flumazenil, naloxone and the ‘coma cocktail’. Br J Clin Pharmacol 2015; 81(3): 428-36

Mobiquette im Krankenhaus
Packt die Smart phones weg!

Viele Menschen in Restaurants scheinen nicht mehr mit einander zu sprechen, sondern nur noch autistisch auf ihre Smartphones zu starren. Die sog. Mobiquette, also der Anstand, den man beim Gebrauch von mobilen digitalen Geräten an den Tag legen sollte, verbietet das eigentlich. Auch im Krankenhaus werden Smartphones von Ärzten häufig verwendet. Wie finden das eigentlich Patienten und Kollegen?

Quelle: Blocker O et al.: Doctors and the etiquette of mobile device use in trauma and orthopedics. JMIR Mhealth Uhealth 2015; 3(2): e71

E-Zigaretten und E-Marketing
So verführt die Industrie Jugendliche

E-Zigaretten sind zur Rauchentwöhnung nur bedingt geeignet und beinhalten zahlreiche Stoffe, denen teilweise eine gesundheitsschädigende Wirkung nachgesagt wird. Nicht zuletzt deshalb hält die deutsche Pneumologengesellschaft DGP E-Zigaretten für bedenklich. Das Online-Marketing der E-Dampf-Anbieter funktioniert aber dennoch effektiv, wie eine aktuelle Twitter-Analyse ergab.

Quelle: Kim AE et al.: Using Twitter data to gain insights into e-cigarette marketing and locations of use ... J Med Internet Res 2015; 17(11): e251

Pflaster, Tablette oder Kombi
Tabakentwöhnung: egal womit!

Um einen Menschen, der willig ist seine Zigarettensucht zu überwinden, medikamentös zu unterstützen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Drei wurden nun auf ihre Wirksamkeit untersucht: Es scheint egal zu sein, welche Strategie man verfolgt.

Quelle: Baker TB et al.: Effects of nicotine patch vs varenicline vs combination nicotine replacement therapy ... JAMA 2016; 315(4): 371-9

Pflaster vs. Tablette gegen Rauchen
Womit entwöhnen Frauen besser?

Eigentlich untersuchte man in der Studie, wie sich Ovarialhormone bei Frauen auf die Effekte des Rauchens auswirken. Nebenbei konnte geklärt werden, ob sich Nikotinpflaster oder Vareniclin-Tabletten besser zur Raucherinnen-Entwöhnung eignen.

Quelle: Gray KM et al.: An exploratory short-term double-blind randomized ... Addiction 2015; 110: 1027-34

Tabakentwöhnung
Entwarnung für Vareniclin?

Die Fachinformationen zu Vareniclin (Indikation: Raucherentwöhnung) raten zur Vorsicht bei Patienten mit psychiatrischen Vorerkrankungen. Wie groß das Risiko tatsächlich ist, untersuchte man nun an der gesamten Bevölkerung Schwedens ... und fand vermehrt Gemütsschwankungen unter der Einnahme der Substanz.

Quelle: Molero Y et al.: Vareniclin and risk of psychiatric conditions, suicidal behaviour, criminal offending, and transport accidents and offenses: population based cohort study. BMJ 2015; 350: h2388

Dampf gegen Qualm
E-Zigaretten zur Rauchentwöhnung?

E-Zigaretten werden als Hilfsmittel zur Rauch- und Nikotinentwöhnung angepriesen. Die Inhaltsstoffe des elektrisch erzeugten Dampfes (Nikotin und zahreiche weitere, zum Teil unbekannte) könnten aber selbst suchtfördernde Effekte aufweisen. Im Mausmodell suchte man nach Unterschieden zwischen Tabak- und E-Zigaretten ... und wurde fündig.

Quelle: Ponzoni L et al.: Different physiological and behavioural effects of e-cigarette vapour a. Eur Neuropsychopharmacol 2015; 25(10): 1775-86

Rauchen ist eine Charakterfrage
Typisch Raucher, typisch Ex-Raucher

Dass Nikotinkonsum der Gesundheit schadet, ist hinreichend bekannt. Trotzdem fällt vielen Rauchern das Aufhören schwer und trotzdem fängt so mancher Nichtraucher irgendwann damit an. Zum Teil hängt das von der Persönlichkeit ab.

Quelle: Hakulinen C et al.: Personality and smoking: individual-participant meta-analysis of nine cohort studies. Addiction 2015; 110(11): 1844-52

Mit Cannabinoiden helfen
Marihuana auf Rezept

In den letzten Monaten wurde die medizinische Anwendung von Marihuana respektive Cannabis wieder verstärkt diskutiert. In Deutschland steht gar eine Gesetzesänderung bevor, denn heute haben Patienten bei uns nur begrenzt Zugang zu Medizinalhanf. Eine aktuelle Übersichtsarbeit aus dem JAMA fasst den Wissensstand zum therapeutischen Einsatz von Marihuana und Cannabinoiden zusammen.

Quelle: Hill KP: Medical marijuana for the treatment of chronic pain and other medical and psychiatric problems. JAMA 2015; 313(24): 2474-83

Spezielle Klientel oder „normale" Tabaksucht?
Rauchentwöhnung bei Patienten mit Schizophrenie oder Depression

Patienten, die unter chronischen psychiatrischen Erkrankungen leiden, weisen generell einen erhöhten Nikotinabusus auf – das ist durch zahlreiche Studien verlässlich belegt. Aber wie gut funktionieren die typischen Therapien zur Tabakentwöhnung bei Patienten mit Schizophrenie oder Depression? Und auf was sollte man achten?

Quelle: Tidey JW, Miller ME: Smoking cessation and reduction in people with chronic mental illness. BMJ 2015; 351: h4065

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