Praxis-Depesche 6/2017

Unterschätztes Frakturrisiko

Langzeitdiabetiker besonders gefährdet

Typ-2-Diabetes erhöht unabhängig von der Knochendichte das Risiko für osteoporotische und Hüftfrakturen. Wird das Frakturrisiko von Diabetikern mittels FRAX-Tool evaluiert, wird es bekanntermaßen unterschätzt. Besonders trifft dies auf Langzeitdiabetiker zu.

Inwiefern die Dauer eines Diabetes für die Erhöhung des Frakturrisikos eine Rolle spielt, war bisher unklar. Aufschluss gab nun eine kanadische Registerstudie. Darin analysierte man Knochendichte-Messungen von knapp 50 000 Frauen ohne bzw. 8840 Frauen mit Diabetes. Anhand der Patientendaten berechnete man das Frakturrisiko gemäß FRAX-Tool und beobachtete über sieben Jahre, wie häufig es tatsächlich zu schweren osteoporotischen Frakturen (OF) oder Hüftfrakturen kam.
Verglichen mit Frauen ohne Diabetes hatten die Diabetikerinnen ein signifikant höheres Risiko für OF (9,2 vs. 8,6%) und Hüftfrakturen (3,2 vs. 2,3%). Unter Berücksichtigung des FRAX-Score ergab sich daraus eine Risikoerhöhung um 19 bzw. 66%. Ein Diabetes erwies sich nur bei Frauen mit mehr als zehn Jahren Diabetesdauer als unabhängiger Risikofaktor für das Auftreten von OF. Bei Hüftfrakturen stieg das Frakturrisiko in den adjustierten Analysen bereits signifikant an, wenn die Knochendichtemessung der Patientinnen noch vor ihrer Diabetes-Diagnose erfolgt war. Die Höhe des Frakturrisikos nahm dabei mit der Dauer der Erkrankung zu und war für Patientinnen mit einer Diabetesdauer von mindestens zehn Jahren doppelt so hoch wie bei nicht-diabetischen Frauen.
Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass die Risikoeinschätzung mittels FRAX mit steigender Diabetesdauer zunehmend ungenauer wird, und ein Langzeitdiabetes ein „red flag“ für Osteoporose ist. OH

Quelle:

Majumdar SR et al.: Longer duration of diabetes strongly impacts fracture risk assessment: the manitoba BMD cohort. J Clin Endocrinol Metab 2016; 101(11): 4489-96



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