Praxis-Depesche 6/2017

Unerwartet hohe Inzidenz

Mitralinsuffizienz bei Diabetikern

Sollten alle Typ-2-Diabetiker ein Herzecho erhalten? Diese Frage scheint in Anbetracht der aktuellen Ergebnisse einer Studie aus Verona, Italien, durchaus angebracht. Denn die Ergebnisse belegten, dass zum einen die Inzidenz der Mitralinsuffizienz unerwartet hoch war, und dass zum anderen auch bereits eine leichte Mitralinsuffizienz die Mortalität unabhängig von anderen Risikofaktoren deutlich erhöhte.

814 Typ-2-Diabetiker, die sich einer transthorakalen Echokardiographie unterzogen hatten, wurden über neun Jahre nachverfolgt. 32% wiesen zu Beginn eine Mitralinsuffizienz auf (25% leicht, 5% mittelschwer und 2% schwer).
14% (n = 120) der Patienten starben während des Nachbeobachtungszeitraumes, 50 davon an kardiovaskulären Ursachen. Im Vergleich zu Patienten ohne Mitralinsuffizienz erhöhte sich durch das Vorliegen eines leichten Klappenfehlers die Gesamtmortalität um das 3,3-Fache. Bei mittel- bis schweren Formen war die Sterblichkeit verfünffacht. Alle Ergebnisse blieben auch nach Adjustierung um zahlreiche weitere Einflussfaktoren signifikant.
Dies ist die erste Studie, die eine derart hohe Prävalenz der Mitralinsuffizienz in einem ambulanten Herzecho-Diabetiker-Patientengut zeigen konnte. Besonders die hohe Prävalenz von 28% bei Patienten ohne KHK lässt aufhorchen. Da auch bereits leichte Mitralinsuffizienzen einen Einfluss auf das Überleben hatten, diese aber klinisch meist stumm sind, muss man die Frage stellen, ob jeder Typ-2-Diabetiker ein Herzecho benötigt? Allerdings war die Beobachtungsstudie nicht dazu geeignet nachzuweisen, dass ein Herzultraschall auch tatsächlich etwas an der Mortalität ändert. Einer besseren Risikostratifizierung dürfte das Echo allemal dienlich sein. CB

Quelle:

Rossi A et al.: Mitral regurgitation and increased risk of all-cause and cardiovascular mortality in patients ... Am J Med 2017; 130: 70-6



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