Praxis-Depesche 12/2017

Verdreifachung des Risikos

Thrombose nach Alkohol-Exzess

Geringer bis mäßiger Alkoholkonsum kann auch positive kardiovaskuläre Effekte haben. Exzessiver Alkoholkonsum hingegen hat wohl überwiegend negative Auswirkungen auf das Verhalten, das Krebsrisiko und natürlich auf die Leber. Dass eine akute Alkoholintoxikation aber auch das Risiko für venöse thromboembolische Ereignisse (VTE) drastisch erhöht, zeigte nun erstmals eine Studie aus Taiwan.

Es wurde eine medizinische Datenbank, die 99% aller Taiwanesen erfasste, analysiert und Patienten herausgesucht, die zwischen 2000 und 2011 wegen einer akuten Alkoholintoxikation (Tox-Gruppe) hospitalisiert worden waren (n=61 229). Diese wurden mit über 244 000 Kontrollpatienten bezüglich des VTE-Risikos in den folgenden zehn Jahren verglichen.
Die Inzidenzrate für tiefe Beinvenenthrombosen (DVT) lag in der Tox-Gruppe bei 9,36 pro 10 000 Personenjahren und bei 2,07 in der Kontrollgruppe. Die Inzidenzraten für Lungenembolie unterschieden sich mit 4 versus 0,93 pro 10 000 Personenjahre noch deutlicher. Nach Adjustierung um Alter, Geschlecht und die Komorbidität berechnete sich für die Tox-Gruppe ein ver-3,4-fachtes Risiko für DVT und ein ver-3,53-fachtes für Lungenembolien. Zudem sah man einen Trend für eine weitere Risikoerhöhung für ein Alter von >50 Jahre.
Die Gruppen wiesen deutliche Unterschiede bezüglich der Komorbidität auf. So litten Patienten in der Tox-Gruppe signifikant häufiger unter Hypertonus, Diabetes, Herzinsuffizienz, Krebs, Vorhofflimmern, Frakturen der unteren Extremität und chronische Lebererkrankungen wie Zirrhose. Dennoch, so die Autoren, ist der Unterschied relevant, denn die Alkoholintoxikation stellte sich als von all diesen Begleiterkrankungen unabhängiger Risikofaktor heraus. Man sollte bei Patienten nach einem Alkoholexzess also auf das für lange Zeit erhöhte Thromboserisiko achten. CB

Quelle:

Shen C-J et al.: Effect of alcohol intoxication on the risk of venous ... Medicine 2017; 96: 42(e8041



Link zur Originalarbeit Originalarbeit bestellen

Das könnte Sie auch interessieren

Die Unterschiede liegen im Detail
Kolon-Ischämie
GFI Der Medizin-Verlag

Anschrift

GFI. Gesellschaft für medizinische Information mbH
Paul-Wassermann-Straße 15
81829 München

Telefon: +49 89 4366300
Fax: +49 89 436630210
E-Mail: info@gfi-online.de

Copyright © 2017, GFI | AGB | Sicherheit und Datenschutz | Impressum