Phänomen Heißhunger | Praxis-Depesche 6/2020

Hirn unterscheidet Zucker von Süßstoff

Tiere bevorzugen auch dann gezuckerte Nahrung, wenn ihnen die entsprechenden Geschmacksrezeptoren fehlen. Jetzt weiß man warum: Auch der Darm erkennt Zuckermoleküleund leitet das Signal an das Gehirn weiter.
Lässt man Mäuse zwischen gezuckertem und künstlich gesüßtem Wasser wählen, werden sie sich – nach mehrmaligem Probieren – für die Zuckerlösung entscheiden. Und das, obwohl es geschmacklich keinen Unterschied gibt. Grund dafür ist, dass sich auch im Darm Zucker-Rezeptoren befinden, die den Reiz über den Vagus-Nerv an das Gehirn weiterleiten. Dieser Darm-Hirn-Signalweg ist aber nur bei Aufnahme von Zuckermolekülen aktiv, bei künstlichen Süßstoffen bleibt er stumm. Über diese bislang unbekannte Verbindung berichteten Forscher im Fachmagazin Nature. Mittels Faserphotometrie visualisierten sie die ausschließlich durch echten Zucker evozierten Signale im Gehirn von Mäusen. Für die Erkennung des Zuckers verantwortlich ist der an der Darmwand befindliche SGLT1-Rezeptor.
Bestätigt wurden die Ergebnisse durch die genetische Inaktivierung der Darm- Hirn-Achse. Das hatte zur Folge, dass die Mäuse echten Zucker nicht mehr gegenüber künstlichen Süßern bevorzugten. Diese Studie erklärt auch, warum die Einführung künstlicher Süßstoffe den weltweiten Zuckerkonsum nur geringfügig gesenkt hatte: Die Zunge kennt zwar keinen Unterschied, aber unser Darm! RG
Quelle: Tan HE et al.: The gut-brain axis mediates sugar preference. Nature 2020; 580(7804): 511‐16

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