Schmerz

Aktualisierte Empfehlungen
Behandlung des Kreuzschmerzes

Nach zehn Jahren war es wirklich an der Zeit: Das American College of Physicians (ACP) aktualisierte seine Leitlinien zum akuten, subakuten und chronischen tiefen Rückenschmerz (LBP, low back pain; Kreuzschmerz; Lumbago).

Quelle: Wegener HC, Cifu AS: Treatment of low back pain. JAMA 2017; 318: 743-4

Chronische Schmerzen
Dicke Kinder bleiben eingeschränkt

Chronische Schmerzen erhöhen das Risiko für Übergewicht und umgekehrt. Tritt beides im Jugendalter gleichzeitig auf, kann das nachhaltige Folgen haben. Denn auch, wenn der Schmerz dicker Teenies therapeutisch gelindert werden kann, bleibt die körperliche Einschränkung oft erhalten.

Quelle: Stoner AM et al.: Obesity impedes functional improvement in youth with chronic pain: an intitial investigation. Eur J Pain 2017; 21: 1495-504

Schmerz und soziale Interaktion
Schmerz stärkt das Vertrauen ... bei Frauen

Studien haben gezeigt, dass Schmerz pro-soziales Verhalten, soziale Bindungen und die Kooperationsbereitschaft fördert. Neuen Daten zufolge steigt unter Schmerzen auch die Vertrauensbereitschaft – allerdings weniger aus Nächstenliebe.

Quelle: Wang C et al.: Physical pain increases interpersonal trust in females. Eur J Pain 2017; Epub Sep 14; doi: 10.1002/ejp.1111

Schmerzskala für ältere, demente Patienten
„Doloplus-2" evaluiert

Wenn ältere Patienten mit kognitiven Beeinträchtigungen wie z. B. Demenz unter Schmerzen leiden, können sie dies oft nicht adäquat artikulieren. Hier kann eine speziell für diese Situationen entwickelte, einfache Schmerzskala helfen.

Quelle: Rostad HM et al.: Measurement properties, feasibility and clinical utility of the Doloplus-2 pain scale in older adults with cognitive impairment: a systematic review. Geriatrics 2017; 17: 257

Akut-Analgesie
Ibuprofen wirkt besser mit Koffein

Ibuprofen ist ein bewährtes Mittel, um akute Schmerzen schnell verschwinden zu lassen. Bei einer Dosis von 400 mg erreicht die analgetische Wirkung allerdings ihr Maximum. In Kombination mit Koffein lässt sich die Wirkung aber verstärken.

Quelle: Weiser T et al.: Efficacy and safety of a fixed-dose combination of ibuprofen and caffeine in the management of moderate to severe dental pain after third molar extraction. Eur J Pain 2017; Epub Aug 14; doi: 10.1002/ejp.1068

Statine und Muskelschmerzen
Schuld ist ein gestörter Laktattransport

Die Zahl der berichteten Arzneimittelnebenwirkungen steigt. Hinsichtlich Störungen des Muskel-Skelett-Systems sind vor allem Statine ins Kreuzfeuer geraten. Die angegebenen Symptome reichen dabei von leichten Muskelschmerzen bis hin zu lebensbedrohlicher Rhabdomyolyse. Forscher haben nun herausgefunden, wie die Probleme wahrscheinlich zustande kommen.

Quelle: Leung YH et al.: Study of statin- and loratadine- induced muscle pain mechanisms using ... Pharmaceutics 2017; 9(4): E42

Krebsbedingte Schmerzen
Opioiddosierung nach Genprofil?

Die Analgesie bei krebsbedingten Schmerzen ist oft eine schwierige Angelegenheit. Denn einige Patienten benötigen eine erheblich höhere Opioid-Dosis als andere. Möglicherweise könnte ein genetischer Biomarker aber künftig Patienten mit schlechterem Ansprechen im voraus identifizieren.

Quelle: Matsuoka H et al.: Selection of opioids for cancer- related pain using a biomarker: a randomized, multi-institutional, open-label trial (RELIEF study). BMC Cancer 2017; 17: 674

Patellofemorales Schmerzsyndrom
Eine Sache der Psyche

Patellofemorale Schmerzen gleichen in vielerlei Hinsicht einer Lumbalgie – die Prävalenz ist hoch, die Ursache häufig unbekannt und das Leiden oft chronisch. Ähnlich wie bei chronischen Rückenschmerzen spielt auch bei Schmerzen im vorderen Knie die Psyche vermutlich eine wichtige Rolle.

Quelle: Maclachlan LR et al.: The psychological features of patellofemoral pain: a systematic review. Br J Sports Med 2017; 51: 732-42

Migräne I
Patienten bevorzugen Neurostimulation

Mittels Fragebogen wurde ermittelt, welche Behandlungsmethode – medikamentös oder Neurostimulation – Migräne-Patienten bevorzugen, und zwar im akuten Anfall und bei der Prävention.

Quelle: Mitsikostas D et al.: Patients‘ preferences for headache acute and preventive treatment. J Headache Pain 2017; 18(1): 102

Chronische Nierenerkrankung PRAXIS-TIPP
Schmerztherapie ist eine Herausforderung

Das Schmerzmanagement von Patienten mit chronischer Nierenerkrankung (CKD) und präterminaler Niereninsuffizienz (ESKD) folgt dem WHO-Stufenschema, allerdings mit spezifischen Anpassungen. Der Fokus liegt auf der Optimierung der Schmerzkontrolle bei gleichzeitiger Minimierung therapieinduzierter Komplikationen.

Quelle: Pham PC et al.: 2017 update on pain management in patients with chronic kidney disease. Clin Kid J 2017; 10: 688-97

Der Schmerz der anderen
Mehr Empathie bei trauriger Stimmung

Empathische Reaktionen auf beispielsweise die von anderen Menschen verspürten Schmerzen fallen nicht immer so akkurat und sensitiv aus, wie wir glauben. Einer Studie zufolge hängt die Fähigkeit zur Empathie von der eigenen Stimmung ab.

Quelle: Cheng J et al.: Music induced happy mood suppresses the neural responses to other’s ... Sci rep 2017; 7: 13054; doi: 10.1038/s41598-017-13386-0

Migräne II
Wie wirkt Topiramat im Gehirn?

Topiramat gehört zu den Substanzen mit nachgewiesener prophylaktischer Wirkung gegen Migräne. Man weiß aber bisher kaum etwas über den Angriffspunkt der Substanz im ZNS.

Quelle: Hebestreit JM, May A: Topiramate modulates trigeminal pain processing in thalamo-cortical networks in humans after single dose administration. PLoS One 2017; 12(10): e0184406

Innovative Opioide für individuelle Schmerztherapie
Hydromorphon in schnell und retardiert freisetzender Form

Erhalten Patienten mit chronischen Schmerzen den Rat „reiß‘ dich zusammen“, hilft dies bei der Schmerzbewältigung wenig, sondern legt schlimmstenfalls den Grundstein für eine Schmerzchronifizierung. Wichtiger ist für Patienten eine effektive und verträgliche medikamentöse Schmerztherapie. Diese kann mit Hydromorphon in schnell bzw. retardiert freisetzender Form an die einzelne Schmerzsituation angepasst erfolgen.

Quelle: Symposium: „Schmerztherapie 4.0 – Mit Digitalwissen, Kommunikation und Innovation zum Therapieerfolg“, Mannheim, 13.10.2017, Veranstalter Aristo Hydromorphon-Generika: Hydromorphon Aristo® long, Hydromorphon Aristo® akut (D)

Rückenschmerzen
Für Tapentadol spricht das besondere Wirkprofil

Patienten mit schweren chronischen Rückenschmerzen erfordern eine effektive und verträgliche analgetische Therapie. Eine solche ist auch die unabdingbare Voraussetzung für den Erfolg einer Physiotherapie. Tapentadol kann diesem Anspruch gerecht werden und bringt dabei einige Vorteile.

Quelle: „Wie lassen sich Rückenschmerzen in Klinik und Praxis sicher und schnell behandeln“, Mannheim, 12.10.2017, Veranstalter: Grünenthal

So werden Spritzen erträglich
Kinder mit Videos ablenken

Impfungen, Blutabnahmen und ähnliche schmerzhafte Interventionen sorgen bei Kindern nicht nur für momentanen Unmut, sondern können ihre Schmerzwahrnehmung auch langfristig negativ prägen. Animierte Kurzfilme können Kinder von der Nadel ablenken.

Quelle: Oliveira NCAC et al.: Audiovisual distraction for pain relief in paediatric inpatients: a crossover study. Eur J Pain 2017; 21: 178-87

Reaktions-Erwartungs-Theorie
Plazeboähnlicher Effekt lindert Schmerzen

Experimente haben bereits gezeigt, dass eine rein mentale Behandlung chronische Schmerzen lindern kann. Der Vorstellungskraft wird ein plazeboähnlicher Effekt zugeschrieben. Allein durch die Kraft positiver Erwartung lässt sich der Schmerzpegel deutlich senken. Dies konnte jetzt in zwei niederländischen Studien bewiesen werden.

Quelle: Peerdeman KJ et al.: Placebo-like analgesia via response imagery. Eur J Pain Sci 2017; doi: 10.1002/ ejp.1035

Nierenkolik
Intranasales Ketamin ist gute Therapieoption

Eine Nierenkolik ist ein sehr schmerzhaftes Ereignis, wobei verschiedene Analgetika zum Einsatz kommen, u. a. auch Morphium. Im Rahmen einer Studie wurde jetzt intranasales Ketamin mit der intravenösen Applikation von Morphium verglichen.

Quelle: Farnia MR et al.: Comparison of intranasal ketamine versus ... Am J Emerg Med 2017; 35: 434-7

Schmerzen der Hand
Phänotypisierung und Prognose

Häufigste Ursache von Handproblemen bei älteren Menschen ist die Osteoarthrose (OA). In einer Kohortenstudie sollten Untergruppen von Erwachsenen im Alter ≥50 Jahren mit unterschiedlichen Phänotypen von Handschmerzen und -funktion identifiziert werden. Dokumentiert wurde, wie sich diese über sechs Jahre ändern können.

Quelle: Green DJ et al.: Development of hand phenotypes and changes in hand pain and problems over time in older people. PAIN 2016; 157: 569-76

Nicht-radikuläre Rückenschmerzen
Bessere Ergebnisse durch adjuvante Optionen?

Trotz optimaler medikamentöser Therapie bleiben 50% der Patienten mit nicht-radikulär bedingten Rückenschmerzen noch drei Monate nach Behandlung in der Notaufnahme funktionell beeinträchtigt. In einem systematischen Review untersuchten US-amerikanische Wissenschaftler, ob sich die Ergebnisse durch chiropraktische Maßnahmen, Massagen, Bewegungstherapie oder Yoga verbessern. Die Ergebnisse waren ernüchternd.

Quelle: Rothberg S, Friedmann BW: Complementary therapies in addition to medication for patients with nonchronic, nonradicular low back pain: a systematic review. Am J Emerg Med 2017; 35: 55-61

Erythromelalgie
Brennender Schmerz in Händen und Füßen

Erythromelalgie (EM) ist eine seltene neurovaskuläre Störung, die mit wiederkehrenden starken Schmerzen, Rötungen und Schwellungen in den Extremitäten verbunden ist. Hitze verschlimmert die Symptome, Kälte verschafft Linderung. Was genau dahinter steckt, verrät eine aktuelle Studie.

Quelle: Farrar MA et al.: Burning pain: axonal dysfunction in erythromelalgia. Pain 2017; 158: 900-11

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