Sucht

Kognitive Degeneration
Mäßiger Alkoholkonsum doch nicht gesund

Zumindest für das Gehirn scheint es nicht zu stimmen, dass ein Glas Wein hier und da gesundheitsförderlich ist. Denn einer aktuellen Studie nach führen selbst kleinste Alkoholmengen zu pathologischen Hirnschäden.

Quelle: Topiwala A et al.: Moderate alcohol consumption as risk factor for adverse brain outcomes and cognitive decline: longitudinal cohort study. BMJ 2017; 357: j2353

Training außer Kontrolle
Süchtig nach Sport

Regelmäßig Sport zu treiben, ist ohne Frage gut für die Gesundheit. Anders sieht es aber aus, wenn das Training zur Sucht wird. Aber woran erkennt man, wann es zu viel des Guten ist?

Quelle: Hausenblas H et al.: Addiciton to exercise. BMJ 2017; 357: j1745

Substitutionstherapie
Safran lindert Entzugserscheinungen

Entzugserscheinungen Opioid-abhängiger Patienten reichen von Tremor und Muskelkrämpfen, Grippe-ähnlichen Symptomen, Diarrhoe oder Panikattacken und Depressionen, bis hin zu kardiovaskulärer Instabilität und Herz-Rhythmusstörungen. Einigen dieser Symptome kann man im Rahmen einer Substitutionstherapie mit einem pflanzlichen Mittel vorbeugen, nämlich Safran.

Quelle: Shahi MN et al.: The impact of saffron on symptoms of withdrawal syndrome in patients undergoing maintenance treatment for opioid addiction in Sabzevar Parish in 2017. J Adv Med 2017; Epub Nov 21; doi: 10.1155/2017/1079132

Praxis-Tipps zum Benzodiazepin-Entzug
Schrittweise und ggf. mit Psychopharmaka

Für den Benzodiazepin-Entzug existieren heute klare und evidenzbasierte Therapiestandards. Es sollte eine schrittweise Dosisreduktion über einen mehrwöchigen Zeitraum präferiert werden. Die begleitende Psychopharmakotherapie erfolgt symptomorientiert. In der Psychotherapie ist neben Aufklärung und Psychoedukation der Einsatz verhaltenstherapeutischer und motivationsfördernder Ansätze vielversprechend.

Quelle: Soyka M: Treatment of benzodiazepine dependence. N Engl J Med 2017; 376: 1147-57

Schnelltest zum Nachweis von Heroingebrauch validiert

Um bei Patienten in Substitutionstherapie mit Methadon, Levomethadon oder Buprenorphin einen beigebrauch von Heroin nachzuweisen, stützte man sich bisher meist auf den Nachweis von Morphin als Heroin-Abbauprodukt. Bei einer Substitutionstherapie mit Dihydrocodein und dem seit 2015 verfü...

Andauernde Kontroverse
Helfen E-Zigaretten beim Aufhören?

Die wissenschaftliche Gemeinschaft ist sich nach wie vor nicht einig, ob E-Zigaretten hilfreich sind, wenn es um den Versuch geht, mit dem Rauchen (echter glimmender Tabakzigaretten) aufzuhören. Aus einer der größten US-Datenbanken wurde nun eine Erkenntnis destilliert, die aber immer noch Fragen offen lässt.

Quelle: Zhu SH et al.: E-cigarette use and associated changes in population smoking cessation: evidence from US current population surveys. BMJ 2017; 358: j3262

Methadon- oder Buprenorphin-Substitutionstherapie
Deutliche Reduktion der Mortalitätsraten

In einer Metaanalyse wurden bei Menschen mit Opioidabhängigkeit die Mortalitätsraten während und nach einer Substitutionstherapie mit Methadon oder Buprenorphin untersucht. Außerdem sollten die jeweiligen Risikotrends aufgezeigt werden.

Quelle: Sordo L et al.: Mortality risk during and after opioid substitution treatment: systematic review and meta- analysis of cohort studies. BMJ 2017; 357: j1550, doi: 10.1136/bmj.j1550

Massen-Intoxikation in New York
Zombies in der Stadt

Immer häufiger werden neuartige psychoaktive Substanzen bei Drogenmissbrauchsfällen gefunden. Im vergangenen Jahr brachte es eine derartige neue Substanz, das synthetische Cannabinoid AMB-FUBINACA, zu einer gewissen medialen Aufmerksamkeit: Die akute Intoxikation von 33 Personen im New Yorker Stadtteil Brooklyn führte dazu, dass die Betroffenen motorisch verlangsamt und mit starrem Blick durch die Straßen wankten – was in der Laien-Presse als „Zombie-Ausbruch“ beschrieben wurde.

Quelle: Adams AJ et al.: „Zombie“ outbreak caused by the synthetic cannabinoid AMB-FUBINACA in New York. N Engl J Med 2017; 376: 235-42

Von Diabetologen bis Neurologen: zahlreiche Fachrichtungen betroffen
Wie Passivrauchen Patienten gefährdet

Was haben die Fachrichtungen Gastroenterologie, Diabetologie, Chirurgie, Gynäkologie, Neurologie, Ophthalmologie und Anästhesiologie gemein? In allen diesen Bereichen gibt es im noch gar nicht so alten Jahr 2017 neue Daten zu den Auswirkungen des Passivrauchens. Teils am Menschen, teils in Tierversuchen konnten Forscher zeigen, wie Passivrauch („environmental smoke“, „second hand smoke“ oder „side stream cigarette smoke“) die Gesundheit negativ beeinflusst. Aber einige der Studien fanden auch kontroverse Ergebnisse bzw. basierten lediglich auf dünnen Daten.

Quelle: Kim D et al.: Association between secondhand smoke and glycemic control ... Prev Med 2017; 94: 48-54

Özbeyli D et al.: Protective effect of alpha-lipoic acid ... Clin Exp Pharmacol Physiol 2017; 44: 62-70

Kim JW et al.: Evaluating the influence of side stream cigarette smoke ... Toxicol Res 2017; 33: 31-41

Santiago HAR et al.: Exposure to secondhand smoke impairs fracture healing in rats. Clin Orthop Relat Res 2017; 475: 8894-902

Chiswell C, Akram Y: Impact of environmental tobacco smoke exposure on anaesthetic and surgical outcomes in children: a systematic review and meta- analysis. Arch Dis Child 2017; 102: 123-30

Strumylaite L et al.: Association between lifetime exposure to passive smoking and risk of breast cancer subtypes defined by hormone receptor status among non-smoking ... PLoS One 2017; 12: e0171198

Pérez-de-Arcelus M et al.: Smoking and incidence of glaucoma ... Medicine 2017; 96: 1(e5761)

Lee PN et al.: Environmental tobacco smoke exposure and risk of stroke in never smokers: an updated review with meta-analysis. J Stroke Cerebrovasc Dis 2017; 1: 204-16

Raucherentwöhnung
Erfolg je nach Entzugsmuster

Typische Entzugserscheinungen bei einer Raucherentwöhnung sind Hunger, Suchtverlangen, Konzentrations- und Schlafstörungen, negative Affektstörungen wie Depressionen, Angststörungen und Aggressionen und Anhedonie (allgemeine Lustoder Freudlosigkeit). Die Ausprägung der Symptome ist oft verschieden, wobei sich vier distinkte Muster unterscheiden lassen.

Quelle: Piper ME et al.: What a difference a day makes: differences in initial abstinence response during a smoking cessation attempt. Addiction 2016; Epub Sept 15; doi: 10.1111/add.13613

Entzündungen"
Gesundheitsgefährdung durch E-Zigaretten

E-Zigaretten erfreuen sich einer zunehmenden Beliebtheit – insbesondere bei Jugendlichen. Über die gesundheitlichen Auswirkungen ist aber noch nicht viel bekannt. Zudem gibt es zahlreiche verschiedene E-Stängel und Liquids, was eine systematische Auswertung erschwert. Es liegen zahlreiche Hinweise aus Tiermodellen vor, dass Lungengewebe auf die Inhalation der Aerosole mit Entzündungen reagiert. Und auch die Geräte selbst können sich entzünden und explodieren, und so zu schweren Verletzungen führen.

Quelle: Dinakar C, O’Connor GT: The health effects of electronic cigarettes. N Engl J Med 2016; 375: 1372- 81;

Meernik C et al.: Burns from e-cigarettes and other electronic nicotine delivery systems. BMJ 2016; 354: i5024

Retardiertes Morphin
Weniger Suchtverlangen, mehr Lebensqualität

Opioidabhängigkeit ist eine schwere chronische Erkrankung, die behandelt werden muss. Die Patienten bekommen mit einer Substitutionstherapie die Möglichkeit auf gesundheitliche Rehabilitation. Mit retardiertem Morphin wird eine Lücke in der Versorgung Opioidabhängiger in Deutschland geschlossen.

Quelle: Fachpressekonferenz „ Methadon vs. Retardiertes Morphin- wer, wie, was?“, Berlin, 4.11.2016, Veranstalter: Mundipharma

Retardiertes Morphin: Substitol®

Rauchen in der Schwangerschaft
Schneller Nikotinverzicht schützt vor Frühgeburt

Dass Rauchen in der Schwangerschaft dem ungeborenen Kind schadet, ist allgemein bekannt. US-amerikanische Forscher wiesen jetzt nach, dass das Frühgeburtsrisiko entscheidend davon abhängt, wann die werdende Mutter den Zigaretten abschwört.

Quelle: Moore E et al.: Relationship of trimester-specific smoking patterns and risk of preterm birth. Am J Obstet Gynecol 2016; 215: 109.e1-6

Neu entdeckte Entität
Smartphone-Erblindung

Zu jeder Tages- und Nachtzeit starren die Menschen mittlerweile auf ihre Smartphones. Nun führten zwei Kasuistiken einen Arzt aus England auf die Fährte einer bislang nicht beschriebenen ophthalmologischen Entität: die transiente Smartphone- Erblindung.

Quelle: Alim-Marvasti A et al.: Transient smartphone „blindness“. N Engl J Med 2016; 374(25): 2502-4

Topische Kortikosteroid-Sucht
Entzugserscheinungen erkennen

Topische Kortikosteroide können die Haut mancher Patienten regelrecht abhängig machen – vor allem bei dauerhafter Anwendung höherer Dosierungen im Gesicht oder Genitalbereich. Hier lesen Sie, was Sie in der Praxis beachten sollten.

Quelle: Sheary B: Topical corticosteroid addiction and withdrawal – an overview for GPs. Aust Fam Physician 2016; 45(6): 386-8

Aktuelle Zahlen zum Substanzmissbrauch
Erst Rx-Opioide, dann Heroin?

Um dem Anstieg im Missbrauch verschreibungspflichtiger Opioide Herr zu werden, wurden in den USA zahlreiche Aufklärungs- und Überwachungsprogramme umgesetzt. Dies konnte diese Zahlen zwar etwas bremsen, zeitgleich nahm dafür der Heroinmissbrauch in den USA stark zu – vermutlich aber aus anderen Gründen.

Quelle: Comptom WM et al.: Relationship between non - medical ... N Engl J Med 2016; 374(2): 154-63

Bürokratie im Griff
Digitale Dokumentationshilfe zur Substitutionstherapie

Die Substitionstherapie Heroinabhängiger ist mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden, der für viele Ärzte eine Hürde darstellen kann. Eine neue digitale Anwendung soll helfen, die Dokumentation einfacher und effizienter zu gestalten.

Quelle: Fachpressekonferenz: „START: Hürden überwinden, Versorgung sichern“, Berlin, 31.5.2016, Veranstalter: Mundipharma

Online-Spiel für Nikotin-Abstinenz
Lindert „Crave-Out" das Rauchverlangen?

Um das Nikotin-Craving bei Rauchverzicht zu verringern, wurde ein Sucht-bezogenes Online-Spiel entwickelt, das einerseits der Ablenkung von der Sucht und andererseits der Motivation zum Abstinenzerhalt dient. Ließen sich damit Erfolge erzielen?

Quelle: DeLaughter KL et al.: Crave-out: a distraction/ motivation mobile game to assist in smoking cessation. JMIR Serious Games 2016; 4(1): e3

Serie „Intoxikationen" – Teil 2 von 6
Der „Coma-Cocktail": Flumazenil und Naloxon bei Bewusstseins-eingeschränkten Patienten

Flumazenil und Naloxon erscheinen wie die idealen Antidote bei Benzodiazepin- bzw. Opioid-Intoxikation, denn sie binden kompetitiv an die entsprechenden Rezeptoren und haben eine kurze Halbwertszeit. Aber nur Naloxon wird als Bestandteil des so genannten Coma-Cocktails empfohlen, den man Notfall-Patienten mit Bewusstseinseinschränkung unbekannter Ursache oder durch vermutete Benzo- oder Opioid-Intoxikation empirisch geben kann. Worauf man achten sollte, und was noch in den Coma-Cocktail gehört, lesen Sie hier. In der nächsten Ausgabe der Praxis-Depesche (erscheint am 22.9.2016) erfahren Sie in Teil 3 der Serie, weshalb es bei einer Insulin- oder Sulfonylharnstoff-Überdosierung mit einer Glucose-Gabe alleine nicht getan ist.

Quelle: Sivilotti MLA: Flumazenil, naloxone and the ‘coma cocktail’. Br J Clin Pharmacol 2015; 81(3): 428-36

Mobiquette im Krankenhaus
Packt die Smart phones weg!

Viele Menschen in Restaurants scheinen nicht mehr mit einander zu sprechen, sondern nur noch autistisch auf ihre Smartphones zu starren. Die sog. Mobiquette, also der Anstand, den man beim Gebrauch von mobilen digitalen Geräten an den Tag legen sollte, verbietet das eigentlich. Auch im Krankenhaus werden Smartphones von Ärzten häufig verwendet. Wie finden das eigentlich Patienten und Kollegen?

Quelle: Blocker O et al.: Doctors and the etiquette of mobile device use in trauma and orthopedics. JMIR Mhealth Uhealth 2015; 3(2): e71

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