Asthma und Adipositas

Praxis-Depesche 6/2021

Abnehmen ist wichtig – die richtige Strategie aber auch

Eine Gewichtsreduktion kann bei adipösen Asthmatiker:innen die Entzündungsaktivität senken und die Lungenfunktion verbessern. Im Idealfall sollte der Gewichtsverlust aber nicht alleine durch diätetische Interventionen herbeigeführt werden.
Zwischen Adipositas und der Entwicklung von Asthma besteht ein kausaler Zusammenhang, der teilweise genetisch bedingt ist und wahrscheinlich bidirektional läuft. Besonders deutlich ausgeprägt ist die Assoziation bei Menschen mit abdominaler Adipositas. In Studien, in denen das Profil von Personen mit Asthma aller Schweregrade analysiert wurde, präsentierte sich die Untergruppe der Adipösen als vorwiegend weiblich, mit spät einsetzendem, nicht atopischem Asthma. Verglichen mit Normalgewichtigen war das Asthma bei den adipösen Personen schwieriger zu kontrollieren, die Lungenfunktion war stärker beeinträchtigt und es kam häufiger zu Exazerbationen.
In Abhängigkeit vom Alter der Betroffenen werden zwei Subtypen von adipösem Asthma unterschieden: Erstens das präexistente allergische Asthma bei Kindern unter zwölf Jahren, das durch die zusätzliche Entwicklung von Adipositas aggraviert. Zweitens das spät einsetzende, häufig nicht allergische Asthma, das – zumindest teilweise – eine Folge der Adipositas darstellt.
Die Assoziation von Asthma und Fettleibigkeit lässt sich unter anderem durch die starke entzündliche Komponente beider Erkrankungen erklären. Chronische Adipositas induziert eine niedriggradige Entzündung im Fettgewebe, die als „Metainflammation“ bezeichnet und hauptsächlich durch Makrophagen vermittelt wird. Adipokine wie das proinflammatorische Leptin werden bei Fettleibigkeit überproduziert, wohingegen die Synthese von antientzündlichem Adiponektin verringert ist. Der Entzündungsprozess beinhaltet zudem die Bildung von proinflammatorischen Zytokinen wie IL-1, IL-6, TNF-α und TGF-β, die ebenfalls zur Pathogenese von Asthma beitragen.
Eine Reduktion des Körpergewichts um 5 bis 10 % ist bereits ausreichend, um die Asthmakontrolle signifikant zu verbessern. Zwar verringert eine ausschließlich durch diätetische Interventionen erreichte Gewichtsabnahme den Einsatz der Rescue- Medikation und verhindert Exazerbationen und Hospitalisierungen, jedoch bleiben wichtige Entzündungsmarker nahezu unverändert. In dieser Hinsicht erwies sich eine Kombination von Diät und körperlicher Aktivität als effektiver: Es zeigten sich ein verringerter Anteil von Eosinophilen im Sputum sowie niedrigere Plasmaspiegel von Leptin, IL-4, IL-6 und TNF-α.
Auch chirurgische Maßnahmen zur Reduktion des Körperfetts scheinen außerordentlich wirksam zu sein: In einer großen retrospektiven Studie konnten 39,3 % der Asthma-Patient:innen innerhalb eines Jahres nach der bariatrischen OP alle Medikamente absetzen. Weitere Untersuchungen bestätigten in Folge des bariatrischen Eingriffs eine bessere Asthmakontrolle und Lungenfunktion, eine geringere bronchiale Hyperreagibilität und weniger Aufenthalte in der Notaufnahme. RG
Quelle: Bantulà M et al.: Two diseases on the rise and bridged by inflflammation. J Clin Med 2021; 10(2): 169
ICD-Codes: J45.9 , E66.9
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