COPD-Patienten aus der Ferne digital versorgen? | Praxis-Depesche 11/2017

Aktueller Stand und Probleme der Telemedizin

Bei der Telemedizin kommen verschiedene Geräte und Systeme zum Einsatz. Eine Task Force der europäischen Atemwegsgesellschaft hat sich nun mit Indikationen, Follow-up, Ausrüstung, Einrichtungen sowie rechtlichen und wirtschaftlichen Problemen der Telemedizin bei COPD-Patienten beschäftigt. Berücksichtigt wurden auch Patienten, die mechanisch beatmet wurden.

Die Telemedizin umfasst Video- und Telefonverbindungen mit medizinischen Fachkräften in Echtzeit, internetbasierte Telekommunikation mit medizinischem Fachpersonal, Telemonitoring physiologischer Parameter (wie Spirometrie, Atemfrequenz, Blutdruck oder Sauerstoffsättigung) mit Rückmeldung an den Patienten, Telerehabilitation mit Übungen und Beratung per Video sowie das Telemonitoring der zuhause durchgeführten mechanischen Beatmung.

Inwieweit die Telemedizin auch bei COPD-Patienten von Vorteil ist, wird noch diskutiert. Verschiedene Studien haben beispielsweise aufgezeigt, dass durch den Einsatz der Telemedizin bei dieser Klientel die Zahl der Arztvisiten und der Exazerbationen verringert werden können. Auch die Zahl der aufgrund einer mechanischen Beatmung notwendigen Hospitalisierungen wird mithilfe der Telemedizin reduziert. Zweifel bestehen jedoch hinsichtlich Effektivität, Kosteneinsparungen und Verbesserung der Lebensqualität.

Bei der Telemedizin bestehen verschiedene rechtliche Probleme. So kann das System oder der Datenschutz versagen, elektronisch übermittelte Daten können manipuliert oder missbraucht werden, Verantwortlichkeiten und potenzielle Verpflichtungen des medizinischen Personals sind nicht eindeutig geklärt. Deshalb empfehlen die Autoren eine Aktualisierung der gesetzlichen Vorgaben. Nationale und EU-Regierungen sollten gemeinsame Leitlinien sowie ethische, rechtliche, regulatorische, technische und administrative Standards entwickeln.

Hinsichtlich der gesundheitsökonomischen Auswirkungen der Telemedizin zeigte eine Metaanalyse Einsparungen von Hospitalisierungskosten. Um die wirklichen ökonomischen Vorteile ermitteln zu können, muss die Telemedizin mit dem Goldstandard der häuslichen Pflege verglichen werden. Dieser variiert nicht nur zwischen den einzelnen Mitgliedern der EU, sondern auch innerhalb der einzelnen Staaten.

Bevor die Telemedizin als wirklicher Fortschritt bei der Behandlung von COPD-Patienten eingestuft werden kann, werden deutlich mehr Beweise für die Vorteile benötigt. Die Telemedizin muss im Zusammenhang mit anderen medizinischen Dienstleistungen wie häusliche Pflege, Zugang zu einem Krankenhaus und soziale Betreuung ausgewertet werden. Auch ein „Pflegepaket“ sollte in diese Überlegungen mit einbezogen werden.

Außerdem gilt es, Barrieren, die den Erfolg der Telemedizin behindern, abzubauen. Dazu gehören beispielsweise fehlendes Wissen bei Patienten und medizinischem Personal, mangelnde Interoperabilität der verschiedenen angebotenen Systeme, immer noch existierende Barrieren, limitierte Evidenz zu Kosten/Nutzen, gesetzliche Probleme, fehlende Transparenz der Datennutzung und unzureichende Bestimmungen zur Kostenerstattung. GS


Quelle:

Ambrosino N et al.: Telemedicine in chronic obstructive pulmonary disease. Breath 2016; 12: 350-6

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