Praxis-Depesche 23/2007

Antibiotika bei akuter Konjunktivitis?

Ob die akute infektiöse Konjunktivitis frühzeitig einer antibiotischen Therapie bedarf, wurde in einer britischen Studie untersucht.

307 Kinder und Erwachsene, die sich beim Allgemeinarzt wegen einer Bindehautentzündung vorgestellt hatten, wurden in drei Gruppen eingeteilt. Antibiotische Augentropfen (Chloramphenicol) wurden entweder sofort, nach drei Tagen oder gar nicht verordnet.

Es stellte sich heraus, dass die Schwere der Symptome unabhängig vom Verordnungszeitpunkt war. Allerdings bestanden leichte Symptome in den später behandelten Gruppen etwa ein bis zwei Tage länger. Das Vertrauen in die Wirksamkeit der antibiotischen Behandlung sowie die Einnahmetreue waren bei den Patienten am ausgeprägtesten, welche sofort ein Rezept erhalten hatten. 68% der so Behandelten stellten sich innerhalb eines Jahres erneut wegen einer Augeninfektion vor; in den anderen beiden Gruppen wurden dagegen nur 40% wieder beim Arzt vorstellig. Das Aushändigen einer Patienteninformation hatte ebensowenig Einfluss auf das Patientenverhalten und die Symptome wie die Vornahme und das Ergebnis eines Konjunktivalabstriches. Letzterer zeigte nur in der Hälfte der Fälle ein signifikantes Bakterienwachstum. (bu)

Kommentar
Nicht alle Infektionen bedürfen einer antibiotischen Behandlung. Dass dies nicht nur für den banalen Schnupfen, sondern auch für die infektiöse Konjunktivitis gilt, zeigt die Studie von Everitt und Mitarbeitern eindrucksvoll. Noch wichtiger ist aber, dass eine Überbehandlung die Patienten verunsichert und weitere, unnötige antibiotische Therapien provoziert. Eine restriktive Verschreibungspolitik hilft, das zu vermeiden.
Quelle: Rietveld, RP: Antibiotics for upper respiratory tract infections and conjunctivitis in primary care, Zeitschrift: BRITISH MEDICAL JOURNAL, Ausgabe 333 (2006), Seiten: 311-312: , Zeitschrift: , Ausgabe ()
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