Harnsäure und Zucker

Praxis-Depesche 7/2015

Auf Gicht folgt Diabetes

Patienten mit Hyperurikämie oder Gicht leiden in der Regel auch am metabolischen Syndrom. Wird eine Gicht diagnostiziert, erhöht sich dadurch das Risiko eines zukünftigen Typ-2-Diabetes signifikant, besonders bei Frauen.

Anhand der Daten einer US-Krankenversicherung wurde der Zusammenhang von Gicht und Diabetes-Risiko eruiert. Die Daten stammten aus den Jahren 2003 bis 2012 und umfassten über 54 000 Patienten mit Gicht. Als Vergleichsgruppe dienten 162 225 Patienten mit Arthrose. Die Berechnung erfolgte nach Adjustierung um Alter, Geschlecht und Diagnosedatum.
Nach einem mittleren Follow up von 1,9 Jahren lag die Inzidenzrate der Gicht-Patienten für die Neudiagnose eines Diabetes mellitus Typ 2 bei 1,91 pro 100 Personenjahre (Voraussetzung war, dass neben der Diabetes-Diagnose auch mindestens ein Anti-Diabetikum verordnet wurde). Die Arthrotiker entwickelten nur in 1,12 pro 100 Personenjahre Diabetes. Das Diabetes- Risiko war bei Gicht um 45% erhöht (HR 1,45; 95% KI 1,37 - 1,54). Betrachtete man nur Frauen, so lag die Risikoerhöhung sogar bei 78% (bei Männern allein bei 41%).
Weshalb Frauen mit Gicht ein höheres Diabetes- Risiko in sich tragen als Männer, bleibt unklar, denn die Studie adjustierte nach allen möglichen Confoundern. Vielleicht liegt die Erklärung in anderen Faktoren wie Aktivität, Diäten oder BMI. Von früheren Untersuchungen weiß man bereits, dass das kardiovaskuläre Risiko von Frauen mit Hyperurikämie größer ist als bei Männern. Vielleicht liegt das an unterschiedlichen Harnsäure-Leveln im Blut oder einem gender- spezifischen Harnsäuremetabolismus.
Wie dem auch sei, alle Gicht-Patienten benötigen eine intensive Aufklärung zu Diabetes und Lebensstiländerungen und ein achtsames Monitoring des Glucosestoffwechsels. CB
Quelle:

Kim SC et al.: Risk of incident diabetes in patients with gout. Arthritis Rheumatol 2015; 67(1): 273-80

ICD-Codes: E79.0
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