125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) | Praxis-Depesche 6/2019

COPD – Glioblastome – Enzündungsprozesse – HCV-Therapie

Troponin-I als Prädiktor für Mortalität bei COPD, Ernährungsstatus bei Glioblastom- Patienten, GLP-2 als Entzündungsmarker und Arzneimittelinteraktionen bei HCV-Therapie – auch abseits der Programm-Highlights wurde auf dem diesjährigen Internisten-Kongress eine bunte Mischung aktueller medizinischer Erkenntnisse präsentiert.

Troponin-I: Etablierter Biomarker mit überraschender Funktion
 
Einen Teilbefund der COSYCONET-Studie stellte Dr. Benjamin Waschki, Großhansdorf vor. COSYCONET ist die größte COPD-Kohorte in Deutschland; mit ihrer Hilfe sollen in einem langjährigen Follow-up Informationen zum Verlauf der COPD hinsichtlich Komorbidität und systemischen Faktoren gesammelt und analysiert werden. Waschki et al. zeigten, dass die relative Troponin- I-Konzentration im Blut von Patienten mit stabiler COPD (GOLD-Kategorie I bis IV) einen verlässlichen Prädiktor für die Gesamtsterblichkeit darstellt. Dies galt auch nach Adjustierung für kardiovaskuläre und COPD-spezifische Faktoren. Zwar ist Troponin- I im Plasma der meisten COPD-Patienten nachweisbar, jedoch korrelierte ein relativer Anstieg der Konzentration mit einem steigenden Mortalitätsrisiko. Ein Troponin- I-Wert von mehr als 6 ng/l ging dabei sogar mit einer über 60 % niedrigeren Überlebensrate einher.
Inzwischen gibt es immer mehr Evidenz, dass Troponine zukünftig auch zur Risikostratifizierung bei verschiedenen chronischen Erkrankungen eingesetzt werden könnten, darunter – neben COPD – Herzinsuffizienz oder chronische Nierenerkrankung.
 
Bei Glioblastom-Patienten auf den Ernährungsstatus achten
 
Eine häufige Folge von Krebserkrankungen ist Mangelernährung sowie ein Abbau von Muskel- und Fettmasse. Gründe sind Störungen des Hormon- und Stoffwechselhaushalts, die infolge der tumorbedingten systemischen Inflammation und erhöhten Zytokinexpression auftreten. Diese Veränderungen des Ernährungszustands sowie der Körperzusammensetzung sind bislang hauptsächlich für gastrointestinale Tumoren beschrieben. Es scheinen aber auch Patienten mit Glioblastomen von einer reduzierten Nährstoffaufnahme sowie progressivem Muskelschwund betroffen zu sein, wie Dr. Dejan Relijic, Erlangen, anhand einer Querschnittsstudie aufzeigte.
So lag die Skelettmuskelmasse von Glioblastom- Patienten mit 25 ± 7,1 kg deutlich unterhalb des Normbereichs. Weiterhin waren die Kalorienzufuhr (1.622 kcal ± 479) sowie die Aufnahme von Makronährstoffen erheblich reduziert (Proteine 0,43 ± 0,53 g/kg, Fett 0,4 ± 0,5 g/kg, Kohlenhydrate 1,03 ± 1,24 g/ kg), wobei die gemessenen Werte sogar noch niedriger waren als bei Patienten mit gastrointestinalen Karzinomen (Proteine 1,34 ± 0,68 g/ kg, Fett 1,28 ± 0,73 g/kg, Kohlenhydrate 3,85 ± 2,21g/ kg). Da Mangelernährung und Kachexie den Therapieverlauf stark beeinträchtigen können, empfehlen die Autoren auch bei Glioblastom-Patienten ein frühzeitiges Ernährungsmanagement.
 
GLP-2 vermittelt zwischen Pankreas und Immunsystem
 
Das Inkretin GLP-2 wird bei Nahrungsaufnahme durch die Langerhans - Inseln der Bauchspeicheldrüse gebildet und in den Darm sezerniert, wo es die intestinale Nährstoffabsorption erhöht. Eine Untersuchung der Uniklinik Aachen zeigte nun, dass GLP-2 auch bei systemischen Entzündungsprozessen eine Rolle spielt.
Die Forscher beobachteten, dass lebensbedrohlich erkrankte Patienten einen fast vierfach höheren GLP-2-Plasmaspiegel aufwiesen als gesunde Probanden. GLP-2 korrelierte mit anderen Entzündungsmarkern wie IL-6, PCT und CRP und fungierte als Prädiktor für die Mortalität. Im Mausmodell konnte gezeigt werden, dass die entzündungsbedingte GLP-2-Sekretion vom Pankreas aus erfolgte und nicht vom Darm. Die Behandlung der Mäuse mit GLP-2 führte zur Senkung der myeloischen Immunzellinfiltration in Herz und Leber sowie zu einer Reduktion proinflammatorischer Zytokine. GLP-2 schützte zudem vor einer Sepsis-induzierten Dysfunktion der Darmbarriere. Bedingt durch akute Entzündungsprozesse kann die pankreatische GLP-2-Sekretion also auch unabhängig von der Nahrungsaufnahme erfolgen. GLP-2 bildet somit einen Link zwischen Pankreas und Immunsystem und lässt auf neue Behandlungsoptionen bei Patienten mit Sepsis hoffen.
 
Arzneimittel-Interaktionen bei HCV-Therapie weiterhin relevant
 
Das Management von Arzneimittel- Interaktionen stellt in der Therapie des Hepatitis- C-Virus (HCV) mit direkt wirksamen antiviralen Substanzen (DAA) eine klinische Herausforderung dar. Um dieser zu begegnen, wurden die Daten von 670 HCV-Patienten, die mit DAA behandelt wurden, analysiert. 350 verschiedene Wirkstoffe waren in den Begleitmedikationen vertreten; im Median nahm ein Patient drei verschiedene Wirkstoffe ein. Von Arzneimittel-Interaktionen waren ca. 40 % betroffen. Am häufigsten traten diese bei Patienten mit Zirrhose sowie bei Probanden höheren Alters auf. Protoneninhibitoren, Metamizol, Statine und Carvedilol wiesen dabei ein erhöhtes Interaktionspotenzial auf. RG/GH

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