Atopische Dermatitis

Praxis-Depesche 7/2021

Das Mikrobiom nicht unterschätzen

In einer aktuellen Studie konnte gezeigt werden, dass nicht nur Staphylococcus aureus (S. aureus) bei atopischer Dermatitis (AD) schädlich sein kann, sondern auch ein vermehrtes Auftreten von S. epidermidis ähnliches bewirken kann.
S. aureus und S. epidermidis sind die am häufigsten nachgewiesenen Bakterien in der Haut von Patient:innen mit atopischer Dermatitis (AD). Während schon des Öfteren nachgewiesen wurde, dass S. aureus die Hautbarriere sowie die Immunabwehr stört und auch mit Entzündungen der Haut assoziiert ist, wurde S. epidermidis bisher als Bestandteil eines gesunden Hautmikrobioms betrachtet. In einer aktuellen Studie konnte nun jedoch in vitro und an einem Mausmodell gezeigt werden, dass S. epidermidis, ein Vertreter der kommensalen Bakterien, durch Sekretion der extrazellulären Cysteinprotease A (EcpA) Hautverletzungen hervorrufen kann. Ähnlich wie bei S. aureus führte die erhöhte Expression der EcpA in vitro zur Degradation des Hautbarriereproteins Desmoglein-1 (DSG1) sowie des antimikrobiellen Peptids aus der Gruppe der Cathelicidine, LL-37. Letzteres er- klärt den Verlust der Barrierefunktion des Stratum corneum und eine verstärkte Entzündung der Haut durch eine vermehrte Besiedelung mit S. epidermidis. Im Rahmen der Studie konnte zudem in Hautläsionen von Patient:innen mit AD ein erhöhtes Wachstum von S. epidermidis nachgewiesen und gezeigt werden, dass die Menge des Bakteriums mit dem Ausprägungsgrad der Erkrankung korrelierte. Die Studiendaten weisen jedoch auch darauf hin, dass das Hautmikromilieu in der Lage ist, die EcpA-Synthese zu regulieren. So konnte z. B. mithilfe des kommensalen Bakterienstamms S. hominis die EcpA-mRNA-Expression und Proteaseaktivität inhibiert werden. Die Studiendaten unterstreichen, dass die AD als eine komplexe multifaktorielle Erkrankung betrachtet werden sollte, deren Pathogenese nicht nur durch verschiedene menschliche Wirtsgene beeinflusst wird, sondern auch durch eine Vielzahl mikrobieller Gene verschiedenster Spezies. GH
Quelle: Cau L et al.: Staphylococcus epidermidis protease EcpA can be a deleterious component of the skin microbiome in atopic dermatitis. J Allergy Clin Immunol 2021; 147(3): 955-66
ICD-Codes: L20.9
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