Folge einer Glaukom-Therapie | Praxis-Depesche 3/2000

Depression nach Augentropfen

Gewichtsabnahmen, Depressionen und Erschöpfungszustände sind als Nebenwirkungen oral eingenommener Carboanhydrasehemmer bekannt. Zum ersten Mal wurde dies jetzt nach Gabe von Augentropfen beschrieben.

Der 70-jährigen Patientin mit Glaukom wurde zur Senkung des Augeninnendrucks der Carboanhydrasehemmer Dorzolamid (0,2%-Lösung, dreimal tägliche Anwendung) verordnet. Innerhalb der nächsten sechs Monate kam es zu zunehmender Appetitlosigkeit mit einem Gewichtsverlust von 5,4 kg und depressiver Stimmungslage. Nach Auftreten grippeähnlicher Symptome, einem weiteren Gewichtsverlust von 2,7 kg und Dehydratation wurde die apathisch wirkende Patienten auf eine internistische Station aufgenommen. In den umfangreichen Untersuchungen wurden eine Minderdurchblutung frontotemporaler Hirnregionen und ein Hirninfarkt festgestellt. Unter der Verdachtsdiagnose einer Multiinfarkt- oder Alzheimer-Demenz wurde die Patientin in einem Pflegeheim untergebracht. Erst als sich die Frau 13 Monate später erneut in der Augenklinik vorstellte, wurde der Verdacht auf eine systemische Nebenwirkung des Carboanhydrasehemmers geäußert. Die Dorzolamid-Tropfen wurden sofort durch eine 0,005%-ige Latanoprost-Lösung ersetzt. In den folgenden Monaten kam es zu einer dramatischen Zustandsverbesserung: Die Patientin nahm 5,4 kg zu, die depressive Symptomatik verschwand vollständig und die kognitiven Leistungstests besserten sich wesentlich. Nach drei Monaten konnte sie das Pflegeheim verlassen und wieder ein eigenständiges Leben führen. Einen Provokationstest mit Dorzolamid lehnte sie ab. (JL)


Quelle: thoe Schwartzenberg, GW: Anorexia, depression and dementia induced by dorzolamide eyedrops, Zeitschrift: CANADIAN JOURNAL OF OPHTHALMOLOGY, Ausgabe 34 (1999), Seiten: 93-94

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