Kongestive Herzinsuffizienz

Praxis-Depesche 1/2015

Diagnostik mit BNP

Ein erhöhter BNP-Spiegel zeigt einen intraventrikulären Volumenanstieg an und kann eine kostengünstige Alternative zu inavasiven diagnostischen Methoden darstellen.

Bei einem 92-Jährigen mit Eisenmangelanämie und Guaiac-positivem Stuhl fand man koloskopisch ein invasives Adenokarzinom im Zökum. Vor der laparoskopischen rechtsseitigen Hemicolektomie zeigte der Patient keine Anzeichen einer kardialen Dysfunktion. Nach der OP litt er jedoch unter verminderter Sauerstoffsättigung und drei Tage postoperativ an paroxysmaler Tachykardie. Sein Blutdruck lag bei 126/59 mmHg, der Puls bei arrhythmischen 130 bpm, die Atemgeräusche waren vermindert. Das EKG zeigte Vorhofflimmern mit rascher ventrikulärer Response ohne Erhöhung des ST-Segments. Ein Röntgenthorax offenbarte pulmonale Ödeme. Wenn Pulmonalarterienkatheter und EKG nicht verfügbar sind, kann das linksventrikuläre enddiastolische Volumen am BNP-(B-Typ natriuretisches Peptid)-Spiegel abgeschätzt werden. Bei Patienten mit systolischem Versagen korreliert ein BNP über 100 pg/ml mit einem pulmonal-kapillären Verschlussdruck (PCWP) >15 mm. Im Falle des 92-Jährigen war die Tachyarrhythmie das dringendste Problem. Mittels EKG, serieller Serum-Troponin-Bestimmung und Ventilations-Perfusions-Scan konnten Myokardinfarkt und Lungenembolie ausgeschlossen werden. Im Kontext von positiver Flüssigkeitsbilanz, Lungenödem und persistierendem Sauerstoffbedarf sprach der erhöhte BNP-Level für eine Volumenüberlastung. Aufgrund der hohen Wahrscheinlichkeit für kongestives Herzversagen waren in diesem Fall trotz der Hypoxie Schleifendiuretika indiziert, mit welchen der Patient erfolgreich behandelt werden konnte. Wäre die Hypoxie bestehen geblieben, wäre der Ausschluss einer Lungenembolie mittels Angio-CT angebracht gewesen. OH

Quelle:

Wagner JP, Hiatt JR: B-type natriuretic peptide for the evaluation of volume status in elderly postoperative patients. JAMA 2014; 311(19): 2017-8

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