Chronische Schmerzen | Praxis-Depesche 1/2019

Diagnostische Unsicherheit vermeiden

Vier Psychologinnen der Universitäten Calgary, Kanada, und London, UK, fordern in einer qualitativen Übersichtsarbeit mehr Aufmerksamkeit für das Phänomen der diagnostischen Ungewissheit bei chronischen Schmerzsyndromen im Kindes- und Jugendalter.

Mit diagnostischer Ungewissheit oder Unsicherheit (diagnostic uncertainty) ist der subjektive Eindruck gemeint, keine genaue Erklärung für das vorliegende Gesundheitsproblem geben zu können. Das wurde in der Literatur zunächst bei Behandelnden beschrieben, scheint aber bei Patienten – und im Kindes- und Jugendalter auch bei deren Eltern – ebenfalls von erheblicher Bedeutung zu sein.
Das Phänomen basiert bei Erwachsenen und Kindern und Jugendlichen und deren Eltern auf negativen Emotionen und Kognitionen wie Sorgen, Verunsicherung, Hilflosigkeit und Katastrophisierung, sowie einer unnachgiebigen und zugleich erfolglosen Suche nach Heilung, die auf einer „korrekten“ somatischen Diagnose basiert. Psychodiagnosen scheinen vor allem dann kontraproduktiv zu sein, wenn sie allzu lapidar und ohne eine klare Handlungsempfehlung kommuniziert werden.
Als erste Maßnahme, um „die Kuh vom Eis“ zu bekommen, raten die Psychologinnen, dem Patienten zu signalisieren, dass man seine Beschwerden bedingungslos ernst nimmt. Psychoedukative Maßnahmen, in denen erklärt wird, wie chronische Schmerzen auf neurophysiologischer und psychosomatischer Ebene entstehen können, seien ebenfalls vielversprechend. TH

Quelle:

Pincus T et al.: Perceived diagnostic uncertainty in pediatric chronic pain. Pain 2018; 159: 1198-201

ICD-Codes: R52.2

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