Migräne

Praxis-Depesche 5/2021

Die Darm-Hirn-Achse im Visier

Bei der Migräne deutet Einiges darauf hin, dass zwischen dem gastrointestinalen System und dem zentralen Nervensystem (ZNS) eine wechselseitige Beziehung besteht, auch bekannt als Darm-Hirn-Achse. Ein Review beschäftigte sich nun mit den direkten und indirekten Hinweisen auf Zusammenhänge hinsichtlich der Migräne.
Das detaillierte Zusammenspiel von Gastrointestinaltrakt und ZNS über die Darm-Hirn-Achse ist bei der Migräne noch nicht vollständig aufgeklärt. Aber man geht davon aus, dass Entzündungsmediatoren wie IL-1β, IL-6, IL-8 und TNF-a, Transmitter wie Glutamat, Serotonin und Dopamin sowie Cholecystokinin (CCK) und Neuropeptide wie CGRP, Substanz P (SP), vasoaktives intestinales Peptid (VIP) und Neuropeptid Y (NPY) für die Darm-Hirn-Achse bei der Migräne eine Rolle spielen. So können beispielsweise Migräne-relevante Neuropeptide das Wachstum vieler verschiedener Darmbakterien- Stämme hemmen.
In verschiedenen Untersuchungen wurde bereits nachgewiesen, dass die Migräne mit einigen gastrointenstinalen Erkrankungen verbunden ist. Dazu zählen beispielsweise die Infektion mit Helicobacter pylori (HP), das Reizdarm- Syndrom oder die Zöliakie. So haben kontrollierte Studien gezeigt, dass die Kopfschmerzen bei Migräne-Patient:innen mit gleichzeitig bestehender HP-Infektion nach Eliminierung des Bakteriums zurückgehen.
Migräne-Patient:innen mit einer langen Kopfschmerz- Historie und einer hohen Attackenhäufigkeit tragen ein erhöhtes Risiko für die Diagnose eines Reizdarmsyndroms. Und sowohl beim Reizdarmsyndrom als auch bei der Migräne finden sich eine erhöhte Rate von Patienten mit Allodynie und erhöhten Serotonin-Spiegeln. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass zum Beispiel die Elimination IgGAntikörper- basierter Nahrungsmittel die Anzahl der Attacken bei Migräne-Patient:innen mit komorbidem Reizdarmsyndrom reduziert.
Bei Patient:innen mit komorbider Zöliakie konnte beispielsweise eine glutenfreie Ernährung Attackenfrequenz und -schwere verringern.
Momentan wird noch diskutiert, inwieweit weitere Ernährungsumstellungen, die das Mikrobiom günstig beeinflussen, bei Migräne-Patient:innen Attackenhäufigkeit und -schwere senken können. Dazu zählen unter anderem eine adäquate Zufuhr an Ballaststoffen, eine Diät mit niedrigem glykämischen Index, die Substitution von Vitamin D, Omega-3- bzw. kurzkettigen Fettsäuren, die Gabe von Probiotika sowie eine Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Patient:innen. GS
Quelle: Arzani M et al.: Gut-brain axis and migraine headache: a comprehensive review. J Headache Pain 2020; 21(1): 15
ICD-Codes: G43.9
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