Präklinischer Herzstillstand | Praxis-Depesche 5/2017

Drohnen-Defibrillator

Im Falle eines präklinischen Herzstillstands zählt jede Minute. Vor allem in abgelegeneren Gegenden dauert es aber oft länger, bis der Notarzt eintrifft, und externe Defibrillatoren sind dort meist auch nicht verfügbar. Theoretisch könnte man diese aber per Drohne an den Einsatzort transportieren. In Schweden haben Forscher dies ausprobiert.

Gestestet wurde der Defibrillatoren-Transport per Drohne im Kreis Stockholm, mit einer Besiedlungsdichte von ≥6000 Einwohnern/ km² in der Stadt bzw. <250 Einwohnern/km² in ländlicheren Bereichen. In den 7256 Fällen von präklinischem Herzstillstand in Stockholm in den Jahren 2006 bis 2013 verstrichen im Mittel elf Minuten zwischen Kollaps und Defibrillation. Die 30-Tages-Überlebensrate bei Wiederbelebung durch den Notarzt belief sich auf 31%, bei vorausgehendem Einsatz externer Defibrillatoren auf 70%.
Aus geographischen Daten ermittelten die Forscher die jeweils zehn am besten geeigneten städtischen bzw. ländlichen Standorte für die Platzierung der Dronen. Jede Drone deckte dabei einen Umkreis mit 10 km Radius ab, was bei maximaler Fluggeschwindigkeit von 70 km/h einer maximalen Flugzeit von 8,5 min entsprach. Insgesamt deckten die gewählten Dronen-Standorte 72% der im untersuchten Zeitraum in Stockholm stattgefundenen Fälle von Herzstillstand ab, die von einem Ersthelfer beobachtet wurden. Im theoretischen Modell erreichten die Dronen in 32% der Fälle die städtischen Standorte noch vor dem Notarzt (durchschnittliche Zeitersparnis 1,5 Minuten). In den ländlichen Gebieten waren sie im Modell in 93% der Fälle früher vor Ort und sorgten für eine Zeitersparnis von 19 Minuten. Mit einem Schnappverschluss wurde der Defibrillator an der Drone befestigt, die man per Video-Steuerung an den vorgesehenen Ort navigierte. Alle Defibrillatoren erreichten den Einsatzort und waren funktionsfähig. OH
Quelle:

Claesson A et al.: Unmanned aerial vehicles (drones) in out-of-hospital-cardiac-arrest. Scand J Trauma Resusc Emerg Med 2016; 24(1): 124

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