Praxis-Depesche 18/2005

Echokardiographie: wann? wie?

Die transthorakale Echokardiographie ist ein bewährtes kardiales Untersuchungsverfahren, nicht nur in der Fachpraxis, und liefert Informationen, die wesentlich zur richtigen Diagnose und Therapie-Entscheidung beitragen.

So ist eine Echokardiographie u. a. dann indiziert, wenn die linksventrikuläre Funktion beurteilt werden soll, wenn die Pathogenese einer Herzinsuffizienz oder die Ursache von Herzgeräuschen unklar ist, wenn Vorhofflimmern vorliegt oder kardiale Emboliequellen vermutet werden. Zusätzlich stehen zahlreiche spezielle Techniken zur Verfügung wie transösophageale, Stress-, Kontrast- und dreidimensionale Echokardiographie sowie Doppler-Imaging.

Linksventrikuläre Funktion

Eine Sonographie zur Bestimmung der LV-Funktion ist bei Herzinsuffizienz-Verdacht angesagt und muss bei Herzinsuffizienz unklarer Genese stattfinden. Eine systolische Dysfunktion kann identifiziert, die Ursache ermittelt und der Schweregrad quantifiziert werden. Ebenso lässt sich eine begleitende oder isolierte diastolische Dysfunktion feststellen. Patienten mit Herzinsuffizienz und normaler systolischer aber gestörter diastolischer Funktion sind häufig ältere Menschen oder Hypertoniker. Bei KHK, auch ohne manifeste Herzinsuffizienz, leistet die Echokardiographie wertvolle Dienste: Betroffene mit deutlicher systolischer Dysfunktion können u. a. von Betablockern, ACE-Hemmern oder sogar Revaskularisation profitieren. Der nützlichste Parameter ist die Ejektionsfraktion (Schlag- zu enddiastolisches Volumen) mit einem Normalbereich von 50 bis 70%. Zudem lassen sich der linke Ventrikel in Segmente einteilen und abnorme Kontraktionsmuster (von hypo- über Akinesie bis Dyskinesie) mit einem Score bewerten; aus den erhaltenen Daten ergibt sich ein Wandbewegungs-Index. Neben KHK können u. a. auch dilatative Kardiomyopathie und Klappenprobleme eine systolische Dysfunktion verursachen. Herzinsuffiziente können vor allem an diastolischer oder rechtsventrikulärer Störung leiden; ein Echo ist daher in unklaren Fällen obligat.

Herzgeräusche

Die Echokardiographie ist das beste Verfahren, um die Ätiologie von Herzgeräuschen zu klären. Es gibt einige Charakteristika für benigne Geräusche bei Patienten ohne Symptome und mit hohem kardialem Output wie z. B. in der Adoleszenz. Hier muss nicht immer ein Echo stattfinden, dagegen in allen Fällen mit Geräusch und kardiorespiratorischen Symptomen oder Zeichen einer strukturellen Herzerkrankung.

Aortenklappen-Erkrankung

Zur Quatifizierung einer (meist degenerativ bedingten) Aortenstenose eignen sich Echokardiographie plus Doppler-Messungen. Druckgradient und Klappenfläche lassen sich berechnen. Die Ätiologie von Regurgitationsphänomenen bei Aorteninsuffizienz lässt sich meist mit zweidimensionaler Echokardiographie klären. Die Einstufung erfolgt u. a. anhand visueller Beurteilung des Regurgitations-Jets und abgeleiteter Parameter sowie der Geschwindigkeit des Druckausgleichs.

Mitralklappen-Erkrankung

Mechanismen mitraler Regurgitation (Degeneration, Klappenprolaps, LV-Dilatation) zeigt die zweidimensionale Echokardiographie auf. Die Beurteilung ähnelt der bei Aorteninsuffizienz. Bei meist rheumatisch bedingter Mitralstenose lässt sich u. a. im M-Mode eine abnorme Wanddicke oder Segelbewegung feststellen, mit zweidimensionalem Echo der Grad der Klappenöffnung und mit Dopplertechnik der Druckgradient. Es kann auch geklärt werden, ob eine Ballon-Klappenplastik in Frage kommt.

Vorhofflimmern

Die Echokardiographie kann die Ursache aufzeigen und mit bei der Therapie-Entscheidung, vor allem zur Antikoagulation oder Kardioversion helfen - je nachdem ob z. B. unauffälliger Befund, Klappenerkrankung, KHK, diastolische Dysfunktion oder Kardiomyopathie vorliegen. Insbesondere ist abschätzbar, welche Patienten nach Kardioversion im Sinusrhythmus bleiben werden. Dies ist unwahrscheinlich bei stärkeren Strukturveränderungen, deutlicher systolischer LV-Dysfunktion oder mit einem Vorhofdurchmesser ab 4,5 cm. - Die Sonographie findet am besten nach Normalisierung der Ventrikelfrequenz statt.

Schlaganfall und TIA

Eine kardiale Emboliequelle ist bei älteren Patienten mit kardiologischem Normalbefund (klinisch, EKG und Röntgen) weniger wahrscheinlich als bei jüngeren (unter 45 Jahren) und ein Echo daher bei ihnen selten angesagt. Immer verdächtig sind Ereignisse in verschiedenen Hirnregionen sowie periphere Embolien, ganz besonders in größeren Gefäßen. Ein Herzecho zeigt zwar selten direkt eine Embolie-Quelle wie einen intrakardialen Thrombus, Vegetationen oder ein Myxom an, kann aber Veränderungen wie Mitralklappen-Erkrankung oder LV-Aneurysma aufdecken, die zur Embolie disponieren. Unklare transthorakale Befunde werden transösophageal verifiziert.

Screening

In einigen Fällen ist Echo-Screening auch ohne Symptomatik indiziert: - bei Verwandten ersten Grades von Patienten mit hypertrophischer Kardiomyopathie, da diese meist autosomal dominant vererbt wird, - bei Grenzwert-Hypertonie und unklarem EKG, um eine LV-Hypertrophie nachzuweisen, - bei jungen Patienten mit schwerer Hypertonie zum Ausschluss einer Aortenisthmusstenose, - bei Kollagenerkrankungen wie Marfan-Syndrom, die häufig mit Veränderungen wie Mitralklappen-Prolaps oder kontrollbedürftiger Dilatation der Aortenwurzel einhergehen. (EJW)

Quelle: Hillis, GS: Basic transthorycic echocardiography, Zeitschrift: BRITISH MEDICAL JOURNAL, Ausgabe 330 (2005), Seiten: 1432-1436
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