Kasuistik

Praxis-Depesche 3-4/2021

Ein unterdiagnostiziertes Syndrom

Ein 62-jähriger Mann mit seit 24 Jahren bekanntem Diabetes wurde vom Hausarzt an den Ophthalmologen überwiesen. Der Mann klagte seit zwei Wochen über temporale Kopfschmerzen und vermindertes Sehen im rechten Auge. Der aktuelle HbA1c-Wert betrug 10 %.
Die Befundung rechts ergab einen Visus von 1/60, episklerale Stauung, dilatierte Pupille, Neovaskularisation der Iris und nukleäre Sklerose der Linse. Der intraokulare Druck war 34 mmHg und der Fundus zeigte mittelperiphere Hämorrhagien. Im linken Auge wurde der Visus zu 6/9 bestimmt und wenige Hämorrhagien im posterioren Segment gesehen. Der Carotisdoppler zeigte einen Komplettverschluss der rechten Carotis interna. Damit wurde die Diagnose okuläres ischämisches Syndrom (OIS) gestellt.
Okuläre Symptome beinhalten u. a. Amaurosis fugax, Photophobie, Visusverlust, Diplopie und okuläre/periorbitale Schmerzen, die gewöhnlich mild ausfallen und vom Arzt und Patienten leicht übersehen werden. In den meisten Fällen ist die Neovaskularisation der Iris und des Winkels der führende Befund. Einige Patienten leiden an Glaukom, doch etwa 50 % der OIS-Patienten zeigen trotz verschlossener Winkel einen Unterdruck, der von der Minderperfusion des Ziliarkörpers rührt.
Die Prognose des Visus ist schlecht, und die 5-Jahres-Mortalität eines OIS mit Carotisstenose liegt bei 40 %. Daher sollten Diabetiker unabhängig von Sehstörungen regelmäßig ophthalmologisch untersucht werden. VW
Quelle: Rodrigues GR et al.: Diabetes and vision loss. Diabet Med 2020; 00:e14402
ICD-Codes: H34.0
Urheberrecht: Dusko_adobestock
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