Die Eiweißzufuhr begrenzen

Praxis-Depesche 8/2002

Ernährungsempfehlungen bei diabetischer Nephropathie

Jährlich kommen in Deutschland schätzungsweise zwischen 6000 und 8000 Diabetiker mit diabetischer Nephropathie in das Stadium der terminalen Niereninsuffizienz. Zu den medikamentösen Optionen gehören strikte Blutdruckregulation und die Gabe von ACE-Hemmern. Welche Möglichkeiten gibt es, diese Entwicklung diätetisch zu beeinflussen?

Die wichtigsten Maßnahmen, um einer diabetischen Nephropathie vorzubeugen bzw. ihre Progression zu verzögern, sind folgende: - optimale Blutzucker-Einstellung - strenge Blutdruck-Einstellung - Verzicht auf Nikotin - Senkung erhöhter Cholesterinspiegel - diabetesgerechte Ernährung mit mäßigem Eiweißanteil Die "Brenner-Hypothese" zeigt den Zusammenhang zwischen Eiweißzufuhr und Störung der Nierenfunktion: Hohe Eiweißaufnahme erhöht den intraglomerulären Filtrationsdruck, steigert den renalen Blutfluss, fördert die Proliferation der Mesangialzellen und verschlechtert die Nierenfunktion. Umgekehrt senkt niedrige Eiweißzufuhr den renalen Blutfluss, die glomeruläre Filtrationsleistung und letztendlich eine Albuminurie. Studien zufolge normalisiert eine Begrenzung der Eiweißaufnahme auf 0,8 bis 1,0 g pro kg Körpergewicht bei Typ-1-Diabetikern mit Normoalbuminurie die glomeruläre Hyperfiltration. Die genannte Eiweißmenge entspricht den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zur täglichen Eiweißaufnahme. In Deutschland liegt die Eiweißaufnahme durchschnittlich bei 1,5 g/kg KG, bei Diabetikern sogar noch höher, da sie auf Kohlenhydrate verzichten und zum Ausgleich mehr Eiweiß essen. Studien zeigten, dass bei beginnender diabetischer Nephropathie unter einer Verringerung der Eiweißzufuhr um 0,1 g/kg KG/d die Albuminurie nach zwei Jahren um 12% gesunken war. Allerdings zeigten die Patienten nur wenig Bereitschaft, die Eiweißzufuhr auf 0,8 g/kg KG/d zu beschränken. Nur die Hälfte der Studienteilnehmer erreichte diesen Zielwert. Auch bei fortgeschrittener diabetischer Nephropathie mit Makroalbuminurie kann durch Eiweißrestriktion eine Besserung erreicht werden. Eine Metaanalyse, die fünf kontrollierte Studien einschloss, zeigte, dass eine diätetische Eiweißrestriktion den Anstieg der Albuminausscheidung und die Abnahme der glomerulären Filtrationsrate sowie der Kreatinin-Clearance signifikant verlangsamt. Wenn die Ergebnisse verschiedener Studien zusammengefasst werden, ist bei eiweißreduzierter Kost von einer Verlangsamung der Nephropathie-Progression um 25 bis 50% auszugehen. Dem Ergebnis verschiedener Studien zufolge hängen die postprandialen Veränderungen der Nierenfunktion von der Eiweißart ab. Eine eiweißreiche Kost mit hohem Anteil von rotem Fleisch (z. B. Rindfleisch) wirkt sich am ungünstigsten aus. Geflügel- und Fischeiweiß scheinen günstiger zu sein, pflanzliches Eiweiß (z. B. Sojaeiweiß) scheint sich neutral zu verhalten. Bisher gibt es zu wenige Studien, um diese Aussagen bestätigen zu können. Doch sie könnten für die Ernährungsberatung relevant sein. Diabetiker, für die eine eiweißreduzierte Kost nicht in Frage kommt, könnten durch die richtige Auswahl der Eiweißquellen einen günstigen Effekt auf die Nierenfunktion erzielen. In den meisten Studien wird eine Eiweißaufnahme zwischen 0,5 und 0,8 g/kg KG/d angestrebt. Bei einer zu geringen Eiweißaufnahme besteht die Gefahr der Fehl- oder Unterernährung. Bei Diabetikern mit fortgeschrittener diabetischer Nephropathie (Serumkreatinin bei 2 mg/dl bzw. deutlich eingeschränkte glomeruläre Filtrationsrate) ist die Eiweißreduzierung zu überdenken. Sie haben ein hohes Risiko für eine katabole Stoffwechsellage, die anhand des Serumharnstoffs erkannt werden kann. Bei diesen Patienten scheint es sinnvoll zu sein, die Eiweißzufuhr auf 1 g/kg KG/d festzusetzen. - Grundsätzlich gelten für Diabetiker mit Nephropathie die gleichen Ernährungsempfehlungen wie für Diabetiker ohne Nephropathie. - Wegen der meist bestehenden renalen Hypertonie ist eine ausgewogene Kost mit reichlich Obst und Gemüse wichtig und eine Begrenzung der Kochsalzzufuhr auf 6 g/d zu empfehlen. - Sinnvoll ist auch eine Einschränkung der Phosphatzufuhr; evtl. ist die Gabe von Phosphatbindern zu überlegen. - Auf den übermäßigen Verzehr kalium- und phosphatreicher Lebensmittel sollte verzichtet werden: z. B. Käse, Nüsse, Weizenkleie, Cola. - Da eine Dys- oder Hyperlipidämie häufig ist und sich diese ungünstig auf die Progression der Niereninsuffizienz und auf kardiovaskuläre Komplikationen auswirkt, sollten die Blutfettwerte normalisiert werden (insbesondere eine Hypercholesterinämie). - Die tägliche Eiweißzufuhr sollte wegen der Gefahr einer katabolen Stoffwechsellage bei 1,0 g/kg KG liegen. - Die Kochsalzzufuhr - vor allem bei bestehender Hypertonie - sollte auf 6 g/d beschränkt sein. - Nur wenig kaliumreiche Lebensmittel verzehren (z. B. Schokolade, Nüsse, Trockenobst, Obstsäfte, bestimmte Gemüsesorten, Wein). - Phosphatreiche Lebensmittel meiden (z. B. Käse, Nüsse, Schokolade, Weizenkleie, Cola). - Die tägliche Alkoholmenge sollte 20 g bei Männern und 10 g bei Frauen nicht überschreiten. - Die Ernährung sollte weniger als 10% gesättigte Fettsäuren, 10 bis 20% einfach ungesättigte Fettsäuren und weniger als 10% mehrfach ungesättigte Fettsäuren enthalten. - Adipöse Patienten sollten mit einer mäßig kalorienreduzierten Diät abnehmen. (UB)

Quelle: Hauner, H: Ernährungstherapie bei diabetischer Nephropathie, Zeitschrift: AKTUELLE ERNÄHRUNGSMEDIZIN, Ausgabe 26 (2001), Seiten: 191-195
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