COVID-19

Praxis-Depesche

Hautirritationen zur SARS-CoV-2-Frühdiagnose nutzbar?

Ein Team von britischen Wissenschaftler:innen wertete Daten zu COVID-19-Symptomen von über 300.000 Nutzern einer COVID-19 Symptom Study App aus. Dabei zeigte sich, dass Hautirritationen in Zusammenhang mit einer COVID-19-Infektion häufig auftraten und dies oft als erstes oder auch einziges Symptom. Sollten Hautirritationen daher zur schnellen und frühen Diagnose bei COVID-19 herangezogen werden?

Symptome wie Fieber, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Geschmacks- und Geruchsverlust treten häufig bei einer COVID-19-Infektion auf und geben daher Anlass, auf COVID-19 zu testen. Mehrere Studien berichteten bereits bei COVID-19-Patient:innen von Hautausschlägen, wie Utikaria, vesikulären Läsionen und seltener auch von Blasenbildung an Fingern und Zehen. In einer britischen Studie wurden jetzt die Daten von über 300.000 Nutzern einer COVID-19 Symptom Study App sowie von über 11.000 Nutzern eines Online-Fragebogens aus dem Zeitraum Mai bis Juni 2020 ausgewertet. Anhand der Daten der Study App zeigte sich, dass bei 8,8 % der nachweislich SARS-CoV-2-positiv getesteten Patienten (n = 2.021) die Infektion mit einem Hautausschlag einherging im Vergleich zu 5,4 % bei SARS-CoV-2-negativ-Getesteten (Odds Ratio 1,67; 95 % Konfidenzintervall 1,42 – 1,97). Um die Hautirritationen sowie Zeitpunkt und Dauer des Auftretens in Zusammenhang mit einer COVID-19-Infektion zu charakterisieren, sammelten die Studienautor:innen mit Hilfe eines Online-Fragebogens gezielt Daten und Bilder.

Online-Bilddatenbank für Diagnose nutzen

Die Ergebnisse der Online-Befragung zeigten bei 17 % der positiv-getesteten Personen Hautirritation als erstes Symptom. Bei 47 % traten die Hautirritationen gleichzeitig mit anderen SARS-CoV-2-Symptomen auf und bei 35 % im Anschluss an andere Symptome. Bei 21 % der SARS-CoV-2 positiv getesteten Teilnehmer:innen trat die Hautreaktion als einziges Symptom bei ansonsten asymptomatischem Verlauf auf. Die von den Teilnehmern der Online-Befragung zur Verfügung gestellten Bilder wurden mit Hilfe von vier erfahrenen Dermatolog:innen ausgewertet. Aus den 160 Bildern, welche den Qualitätskriterien genügten, wurden am häufigsten (41,2 %) die papulösen Ausschläge identifiziert (inklusive erythematopapulöse und erythematovesikuläre Typen), Urtikaria in 30 % und akrale Läsionen in 23,1 % der Fälle. Das durchschnittliche Auftreten der Hautausschläge lag im Mittel bei 13 Tagen (akrale Läsionen), 14 Tage (papulöse Läsionen) und fünf Tage für Utikaria. Die Studienautor:innen stellen eine beispielhafte Bilddatenbank der am häufigsten mit COVID-19-assoziierten Hautirritationen auf der Website https://covidskinsigns.com für Nicht-Dermatologen zur Verfügung.

Da die Hautirritationen langanhaltend und spezifisch im Zusammenhang mit einer COVID-19-Infektion auftraten, fordern die Autor:innen, Hautirritationen zur frühen und schnellen Diagnose bei Verdacht auf COVID-19 heranzuziehen. DM

Quelle: Visconti A et al.: Diagnostic value of cutaneous manifestation of SARS-CoV-2 infection. Br J Dermatol 2021, 184: 880-87
ICD-Codes: U07.1 , R21
Urheberrecht: Adobe Stock - H_Ko
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