Wunschdenken oder Wirklichkeit?

Praxis-Depesche 9/2016

HIV-Elimination bei Kindern

Dank antiretroviraler Therapie in der Schwangerschaft und Stillvermeidung wurde die Mutter-Kind-Über tragungsrate des HIV-1 in vielen Ländern auf unter 1% gesenkt. In Regionen mit hohem Infektions risiko ist das Stillen für das Kind jedoch überlebenswichtig und die Versorgung nach wie vor suboptimal. Bis zur globalen Elimination pädiatrischer HIV-Infektionen ist es daher noch ein langer Weg.

In einigen Ländern mit hoher HIV-Prävalenz werden infizierte Schwangere und stillende Mütter standardmäßig lebenslang und unabhängig von ihrem CD4+-Status antiretroviral behandelt. Wird die Therapie vor der Konzeption und während der gesamten Schwangerschaft durchgeführt, können die maternalen Transmissionsraten dabei auf ein minimales Niveau sinken.
Dennoch ist die Zahl neuer HIV-Infektionen bei Frauen im reproduktiven Alter in den Problemländern nach wie vor sehr hoch (620 000 im Jahr 2013). Laut WHO wurden im Jahr 2013 in den Risikoregionen nur 44% aller Schwangeren auf HIV-1 getestet. Von jenen Frauen mit bekannter Infektion erhielten im Jahr 2014 nur 73% eine effektive antiretrovirale Therapie. Lediglich 61% wurden in der Stillzeit antiretroviral behandelt und nur 50% aller Kleinkinder erhielten eine antiretrovirale Prophylaxe. Nur jedes dritte Kind mit bekannter Infektion wurden antiretroviral behandelt. Ein Grund für die schlechte Versorgungslage ist vermutlich, dass sich die Interventionsprogramme vorwiegend auf vorgeburtliche Maßnahmen und weniger auf die HIV-Prävention in der Stillzeit fokussierten. Eine lebenslange antiretrovirale Therapie für alle HIV-infizierten Schwangeren könnte die Infektionsraten zwar verbessern, doch sind die fetalen Risiken einer solchen Strategie unklar.
Bei unbehandelten Kindern ist die Progression einer HIV-1-Infektion besonders schnell. Untherapiert steigen die Plasma-HIV-Spiegel nach der Geburt rapide an und bleiben über die ersten zwei Lebensjahre auf einem hohen Niveau. Gerade bei Kindern sollte die antiretrovirale Therapie so früh wie möglich begonnen werden. OH
Quelle:

Luzuriaga K, Mofenson LM: Challenges in the elimination of pediatric HIV-1 infection. N Engl J Med 2016; 374(8): 761-70

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