GOLD-Leitlinien zur COPD | Praxis-Depesche 6/2019

Hoch angesehen und kaum beachtet

Die GOLD-Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie der COPD basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und klinisch bewährten Verfahren. Dennoch gilt: Auch die besten Leitlinien sind nur so effektiv wie ihre Implementierung. Beim Management der COPD scheint die Leitlinienadhärenz bislang noch recht gering zu sein.

Zu diesem Ergebnis kam eine retrospektive Analyse an zwei US-amerikanischen Kliniken zur Primärversorgung. In die Untersuchung eingeschlossen waren 49 Frauen und 51 Männer mit diagnostizierter COPD.
In keiner der Kliniken wurde die Symptomschwere und die Exazerbationshistorie mithilfe des Modifed British Medical Research Council (mMRC)-Fragebogens oder des COPD Assessment Tests (CAT) erfasst. Eine Lungenfunktionsprüfung zur Bestimmung der Obstruktion wurde bei nur 28 % (Klinik 1, n = 66) bzw. 9 % (Klinik 2, n = 35) der Probanden durchgeführt. Die GOLD-Kriterien einer COPD-Diagnose (FEV1 < 80 %) erfüllten lediglich 69 % der Patienten mit Lungenfunktionstest; somit hatte fast jeder Dritte eine Fehldiagnose erhalten. Auch die eingeleitete medikamentöse Therapie war in vielen Fällen nicht den 2017 aktualisierten GOLD-Leitlinien: So wurden nur 42 % der Patienten mithilfe eines langwirksamen Anticholinergikums (LAMA) behandelt. Deutlich häufiger wurden kurzwirksame Anticholinergika (SABA) in Kombination mit inhalativen Kortikosteroiden verschrieben – und das, obwohl die Effekte von Kortikosteroiden auf die pulmonale und systemische Inflammation der COPD limitiert sind und sich der Einsatz auf spezielle Situationen begrenzen sollte.
Die Ergebnisse decken sich mit einer Schweizer Datenerhebung, in der nur 70 bis 80 % der Patienten mit GOLD-Stadium I oder II eine leitlinienkonforme Therapie erhielten. RG
Quelle:

Surani S et al.: Adoption and adherence to chronic obstructive pulmonary disease GOLD guidelines in a primary care setting. SAGE Open Med 2019; 7: 2050312119842221

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