Mikro-Ökosystem Darmflora | Praxis-Depesche 12/2019

Immer mehr Daten zu Gesundheitsnutzen

Bei einer Vielzahl chronischer Erkrankungen spielen Störungen der Darmbakterienflora eine wichtige pathogenetische Rolle. Da sich das Darmmikrobiom im Wesentlichen während der Kindheit ausbildet, können Pädiater durch verschiedene therapeutische Maßnahmen Einfluss auf die langfristige Gesundheit ihrer kleinen Patienten nehmen.
Zu diesem Schluss kommt ein europäisches Expertengremium, das die verfügbare wissenschaftliche Literatur zur Bedeutung des Darmmikrobioms in der Pädiatrie ausgewertet hat. In Folge der modernen Genanalysetechniken konzentriert sich die Forschung zunehmend auf das faszinierende Mikro-Ökosystem des Darms, berichten die Wissenschaftler. Unser Darm beherbergt etwa 1.014 Bakterien aus mehr als 2.000 mikrobiellen Spezies, die in komplexer Symbiose mit dem Wirt leben und interagieren und seine Gesundheit entscheidend beeinflussen. Es wird angenommen, dass bereits in utero erste Bakterien den fetalen Darm kolonisieren, bevor es im Zuge der Geburt zu einer Besiedlung mit maternalen Vaginal- und Darmkeimen kommt. Nach einer Kaiserschnittgeburt, bei Frühgeborenen sowie bei der Behandlung mit Antibiotika beobachtet man allerdings eine veränderte Zusammensetzung der Darmflora. Auch Protonenpumpenhemmer sowie ein Stillverzicht wirken sich diesbezüglich ungünstig aus. Die Art der Ernährung beeinflusst das Mikrobiom auch noch im Erwachsenenalter.
Die Darmflora erfüllt einige wichtige Funktionen, so die Forscher weiter: Sie schützt vor einer Besiedlung mit pathogenen Keimen, unterstützt die intestinale Barrierefunktion und trägt zur Ausreifung des lokalen und systemischen Immunsystems bei. Eine intestinale Dysbiose scheint dagegen mit einer Reihe chronischer, meist immunologisch bedingter Störungen assoziiert zu sein, darunter entzündliche und funktionelle Darmerkrankungen, Allergien, Adipositas und Lebererkrankungen.
Zur Verbesserung der Gesundheit lässt sich eine gestörte Darmflora gezielt modulieren, schließen die Wissenschaftler: Durch die Gabe von Probiotika (lebende Mikroorganismen), Präbiotika (nicht verdauliche Komponenten zur bakteriellen Stimulation), Synbiotika (Probiotika plus Präbiotika) sowie Para- und Postbiotika (inaktivierte Bakterien bzw. Bakterienprodukte). Kinderärzten kommt ihrer Einschätzung zu Folge eine große Bedeutung zu. LO
Quelle: Goulet O et al.: Paediatricians play a key role in preventing early harmful events that could permanently influence the development of the gut microbiota in childhood. Acta Paediatr 2019; 108(11): 1942-54. doi: 10.1111/apa.14900

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