Beatmung

Praxis-Depesche 1/2011

In kritischen Situationen stellt sich oft die Frage: Wo liegt der Tubus?

Die endotracheale Intubation wird bei der Reanimation, im Rahmen von Narkosen usw. von Erfahrenen und weniger Erfahrenen durchgeführt. Manchmal landet der Tubus im Ösophagus und manchmal in einem Hauptbronchus; dann bleibt dem Patienten die Luft weg.

Zur Unterscheidung zwischen trachealer und ösophagealer Lage des Tubus gibt es viele Studien. Die falsche Lage in der Speiseröhre ist ein allseits bekanntes Problem. Schwere Komplikationen kann es aber auch geben, wenn das Rohr zur Beatmung in einem Hauptbronchus steckt. Hyp­oxie infolge Atelektase der betroffenen Lunge, Hyperinflation, Barotrauma und Pneumothorax können die Folgen sein. Eine endobronchiale Intubation ist in den USA für 2% der Beatmungsprobleme bei Erwachsenen und für 4% bei Kindern verantwortlich.

Fachgesellschaften und Lehrbücher empfehlen die beidseitige Thorax-Auskultation, um die richtige Lage des Tubus zu verifizieren. In 60% der Fälle von endo­bronchialer Intubation hört man aber symmetrische Atemgeräusche. Inzwischen werden verschiedene Methoden benutzt, um die Tubus-Position zu sichern.

Eine Arbeitsgruppe aus Wien verglich bei 160 chirurgischen Patienten vier Methoden der Kontrolle: 1) bilaterale Auskultation, 2) Beobachtung und Palpation der Thorax-Exkursionen, 3) Beachtung der eingeführten Tubuslänge, 4) eine Kombination der genannten Methoden. Bei einem Teil der Patienten war der Tubus unter fiberoptischer Kontrolle 2,5 bis 4 cm oderhalb der Carina, bei den anderen Patienten absichtlich in den rechten Hauptbronchuus platziert worden.

Mit der Auskultation erkannten 55% der jungen Assistenzärzte die falsche Lage nicht; erfahrene Anästhesisten waren sig­­nifikant besser. Noch schlechter schnitt die Thorax-Beobachtung ab. Ziemlich sensitiv war die Messung der Tubuslänge und optimal (natürlich) die Kombination aller Methoden. In der Spezifität (Erkennen einer korrekten Tubus-Lage) waren alle Methoden vergleichbar.

Als optimale Tubuslänge ermittelte man 20 cm bei Frauen und 22 cm bei Männern. Die Methode, sich nach der Einführtiefe zu richten, erscheint den Autoren besonders empfehlenswert für Anfänger; aber auch Experten fahren gut damit. WE

Kommentar
?! Die Länge des Tubus, von den Schneidezähnen an gemessen, ist offenbar das beste Beurteilungskriterium für die korrekte Lage des Tubus. Sie ist auch in geräuschvoller Umgebung zuverlässig, wo man mit der Auskultation Schwierigkeiten hat. Die Methode empfiehlt sich darüber hinaus in Regionen, wo eine Kontrolle mittels Thoraxröntgen oder Fiberoptik nicht zur Verfügung steht.
O´Connor CJ: Avoidance of endobronchial intubation. Measuring the depth of endotracheal tube insertion is simple and effective. Ebd. 1111-1112
Quelle: O'Connor CJ: Avoidance of endobronchial intubation, Zeitschrift: BRITISH MEDICAL JOURNAL, Ausgabe 241 (2010), Seiten: 1111-1112: , Zeitschrift: , Ausgabe ()
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