ACC 2017 – Fokus KHK – Teil 2 | Praxis-Depesche 9/2017

Junge KHK-Patienten sind anders ...

Meist tritt eine KHK im Alter von über 50 Jahren klinisch in Erscheinung. Aber auch jüngere Menschen sind von Verkalkungen und Stenosen der Koronarien betroffen – nur werden diese selten in Studien eingeschlossen. Deshalb wertete man nun die Daten speziell von ACS-Patienten (akutes Koronarsyndrom) unter 45 Jahren aus.

Zwischen 2010 und 2016 wurden über 14 000 Patienten in das ISACS-TC-Register eingeschlossen, 8% davon waren 45 Jahre oder jünger und wurden im folgenden weiter ausgewertet. Dabei sah man, dass der STEMI die häufigste klinische Manifestation der jungen ACS-Patienten dastellte (68 vs. 59,6% bei älteren). Gleichzeitig wiesen die Jungen häufiger eine nicht so dramatische KHK und eine Eingefäßerkrankung auf (7,6 vs. 5,4% und 67 vs. 59%). Dreigefäßerkrankungen waren in diesem Kollektiv demnach seltener. ACS-Prädiktoren waren männliches Geschlecht, Rauchen, KHK-Familienanamnese und hoher BMI, wobei Rauchen das Risiko am stärksten erhöhte (Risikoerhöhung: 129%). Wenn man alle relevanten Kovariablen herausrechnete, ergab sich auch noch ein geschlechtsspezifischer Unterschied: Ein Alter < 45 Jahre war nur bei Männern ein Prädiktor für Überleben, nicht bei Frauen. Junge Frauen wiesen ein schlechteres Outcome als vergleichbar alte Männer auf. Junge Frauen mit ACS haben also eine höhere Mortalität als Männer, wobei die KHK zwar geringer ausgeprägt ist, die klinischen Symptome aber gravierender sind. Die dahinterliegenden Effekte sollten nun weiter untersucht werden, so die Autoren. CB


Quelle:

Ricci B et al.: Acute coronary syndrome: the risk to be young and women. ACC-Presentation 1204-327, Washington, DC

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