87. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie

Praxis-Depesche

Kardiovaskuläre Versorgung während der Pandemie

Wie steht es um die kardiovaskuläre Versorgung von STEMI-Patienten in der Pandemie? Und welche medikamentösen Therapien haben sich bei COVID-19 als wirksam erwiesen? Fragen, denen sich Expert:innen in einer der Keynote-Sessions der DGK-Jahrungstagung widmeten.

Den Anfang machte Dr. Stefanos Drakos, Kardiologe aus Münster: Er ging auf den Nachweis mikrovaskulärer Funktionsstörungen anhand der kardialen Magnetresonanztomographie bei COVID-19-Erkrankten ein. Im Fokus stand das so genannte post acute sequelae of SARS-CoV-2 infection – also der prolongierte symptomatische ­COVID-19-Infekt, der sich durch über zwölf Wochen anhaltende Beschwerden auszeichnet. Es konnte gezeigt werden, dass  bei symptomatischen post-COVID-Patienten die myokardiale Perfusionsreserve im Vergleich zu gesunden Probanden reduziert ist. Drakos wies darauf hin, dass die myokardiale Perfusion auch ohne Kontrastmittel im Rahmen einer kardialen Magnetresonanztomographie gut bestimmt werden könne.
Anschließend berichtete Dr. Michael Baumhardt, Ulm, dass sich Patienten mit ST-Hebungsinfarkt (STEMI) während der Pandemie klinisch besonders schlecht präsentiert hätten – vor allem angiographisch mit einer hohen Thrombuslast und einer niedrigeren Koronardurchblutung. Auch seien mehr intrahospitale Komplikationen aufgetreten. Die Mortalität blieb dagegen unverändert.
Dr. Sylvia Otto aus Jena und Dr. Manuel Rattka aus Ulm diskutierten zuletzt, weshalb sich Personen mit akutem Koronarsyndrom während der Pandemie oft erst mit zeitlicher Verzögerung medizinische Hilfe gesucht haben. Grund sei nicht nur die Angst vor einer Ansteckung in der Arztpraxis, sondern häufig auch altruistisches Verhalten der Patienten, was unter anderem auf die Darstellungen in der Presse zurückzuführen sei.  

„State of the Art": medikamentöse Ansätze bei COVID-19

In einer weiteren Sitzung gab Dr. Alexander Kersten, Kardiologe aus Aachen, einen Überblick über die verfügbaren medikamentösen Optionen bei COVID-19. Bis jetzt gebe es keine Evidenz für die Anwendung von Hydroxy­chloroquin, weder für Akutpatienten noch präventiv. Auch das COVID-19-Rekonvaleszenzplasma sei nicht als Standardmedikation geeignet, jedoch eventuell bei immunsupprimierten Personen ohne Serokonversion erfolgsversprechend.
Die monoklonalen Antikörper, Casirivimab/Imdevimab und Bamlavinimab, die von der Food and Drug Administration (FDA) eine Notfallzulassung zur Behandlung einer leichten bis mittelschweren COVID-19-Erkrankung erhalten haben, wären zwar „off-label“ einsetzbar, zeigten in bisherigen Studien jedoch keinen Einfluss auf die Lungenfunktion oder die Genesungszeit. Remdesivir ist zwar nicht für Intensivpatienten geeignet, wies aber leichte Effekte in weniger stark erkrankten Personen auf. Das Medikament der Wahl ist im Moment Dexamethason bei allen hospitalisierten Patienten, die auf zusätzlichen Sauerstoff angewiesen sind.
Tocilizumab, ein monoklonaler Antikörper gegen den Interleukin-6-Rezeptor, ist bei Intensivpatienten erfolgsversprechend, jedoch nicht auf Normalstation. Dabei sollte es frühzeitig im Verlauf der Erkrankung verabreicht werden.
Nicht vergessen werden dürfe bei COVID-­19-Patienten die Antiko­agulation, die wie bei allen anderen Intensivpatienten angewandt werden müsse, so Kersten abschließend. GH

Quelle: 87. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, 7-10.4.2021
ICD-Codes: U07.1
Urheberrecht: Halfpoint_adobestock
Das könnte Sie auch interessieren

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

x