Screening auf Diabetes Typ 2

Praxis-Depesche 2/2008

Kaum Auswirkungen auf die Psyche von Patienten

Im Rahmen der großen internationalen ADDITION-Studie wurden auch psychologische Auswirkungen eines Screenings auf Typ-2-Diabetes untersucht.

Die vorliegende kontrollierte Vergleichsstudie war Teil des Cambridge-Arms der großen randomisierten kontrollierten ADDITION-Studie (Anglo-Danish-Dutch study of intensive treatment in people with screen detected diabetes in primary care). Einbezogen waren 7380 Patienten von 15 Allgemeinpraxen in Ostengland, bei denen möglicherweise das Risiko eines bisher nicht diagnostizierten Typ-2-Diabetes vorlag. 6416 Patienten wurden zum Screening eingeladen, 964 stellten die Kontrollgruppe dar. Die Teilnehmer der Screening-Gruppe hatten nach einem randomisiert vorgenommenen Blutzuckertest einen Fragebogen auszufüllen und diese Prozedur nach drei bis sechs Monaten und zwölf bis 15 Monaten zu wiederholen. An die Teilnehmer der Kontroll-Gruppe wurden zu den gleichen Zeitpunkten lediglich Fragebögen versandt. Psychologische Auswirkungen im Sinne von Ängstlichkeit und Depression, Furcht vor eventueller Diabeteserkrankung und Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes wurden mit gängigen Testmethoden untersucht.

Zwischen den Teilnehmern der Screeninggruppe und der Kontrollgruppe fanden sich nur geringe Unterschiede im Hinblick auf psychologische Auswirkungen. Teilnehmer mit pathologischem Blutzuckertest berichteten über einen etwas schlechteren Gesundheitszustand, wiesen einen etwas höheren Grad an Ängstlichkeit und Depression auf und sorgten sich mehr um mögliche Auswirkungen einer Diabeteserkrankung als Teilnehmer mit negativem Blutzuckertest. Die Unterschiede waren jedoch nur marginal.

Eine Untergruppe von 23 Teilnehmern im Alter zwischen 50 und 69 Jahren wurde prospektiv im Verlauf eines stufenweise durchgeführten Screening-Programms näher untersucht. Dabei zeigte sich eine wechselnde Einstellung der Probanden im Hinblick auf das Risiko einer möglichen Diabeteserkrankung.

Kommentar
Ein Screening auf Diabetes wird in erster Linie zur Verhütung kardiovaskulärer Komplikationen empfohlen, die eng mit einem Anstieg des Blutzuckers verbunden sind. Zu fragen ist allerdings, ob die Behandlung einer asymptomatischen Hyperglykämie tatsächlich eine kardiovaskuläre Erkrankung verhüten kann und in welchem Maße durch Screening Ängste vor möglichen Folgen einer Diabetesdiag­nose geschürt werden. Die Ergebnisse von Eborall und Kollegen haben nur geringfügige psychologische Auswirkungen eines Screenings gezeigt. Es bleibt jedoch dahingestellt, ob sich der Aufwand aus gesundheitsökonomischer Sicht lohnt. Die gezielte Diagnostik bei Verdacht auf Diabetes verdient wohl weiterhin den Vorzug, bis eindeutig gezeigt worden ist, dass die Behandlung asymptomatischer Personen mit leicht erhöhtem Blutzuckerspiegel tatsächlich effektiv ist.
Quelle: Eborall, HC: Screening for diabetes, Zeitschrift: BRITISH MEDICAL JOURNAL, Ausgabe 335 (2007), Seiten: 457-458: , Zeitschrift: , Ausgabe (): , Zeitschrift: , Ausgabe ()
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