Rauchen und neuropsychiatrische Krankheiten

Praxis-Depesche 5/2022

Kein Stochern im Nebel

Über die neuropsychiatrischen Folgen des Rauchens ist noch wenig bekannt. Eine Forschergruppe aus Mainz rückt mit ihrem aktuellen Review die Risiken des blauen Dunstes für das Gehirn in den Fokus.
Wie es um die Auswirkungen von Rauchen auf das zentrale Nervensystem steht, haben Omar Hahad von der Uniklinik Mainz und seine Kollegen in ihrem aktuellen Review herausgearbeitet. Die Stoffe aus dem Zigarettenrauch verursachen im Körper oxidativen Stress und Entzündungsreaktionen, und befördern toxische Chemikalien ins Gehirn. Dadurch verändert sich die strukturelle und funktionale Integrität des Gehirns.
Epidemiologische Studien aus unterschiedlichen Ländern zeigen, dass Raucher: inneen ein erhöhtes Risiko haben, im Laufe ihres Lebens mental zu erkranken. Bei Depressionen etwa, korreliert die Menge der gerauchten Zigaretten pro Tag mit dem Auftreten und der Schwere der Depression. Ferner steigert Rauchen das Risiko für demenzielles Syndrom oder kognitive Einschränkungen. Nach einer drei- bis fünfjährigen Rauchabstinenz sinkt das Demenzrisiko jedoch wieder auf Nichtraucher-Niveau.
Rauchen kann auch den Beginn psychotischer Krankheiten, wie zum Beispiel Schizophrenie, nach vorne verlagern und die Inzidenz von Epilepsie und Krampfanfällen erhöhen. Auf der anderen Seite wurde für die Parkinsonkrankheit ein protektiver Effekt gefunden. Rauchen in der Schwangerschaft erhöht bei Kindern das Risiko für psychiatrische Auffälligkeiten wie ADHS. Da neuropsychiatrische Krankheiten in der Gesellschaft weit verbreitet sind, plädieren die Autoren dafür, mittels Präventionsprogrammen auf diese Gefahr durch das Rauchen aufmerksam zu machen. AAB
Quelle: Hahad O et al.: Smoking and neuropsychiatric disease-associations and underlying mechanisms. Int J Mol Sci 2021; 22(14): 7272
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