Selbstständig im Beruf

Praxis-Depesche 8-9/2019

Keine Zeit für Krankheit

Es gibt viele Menschen, die trotz akuter Krankheit weiterhin ihrer täglichen Arbeit nachgehen. Dabei wäre es wirtschaftlich und gesundheitlich oft vorteilhafter, zu Hause zu bleiben. Besonders für Berufstätige in der Selbstständigkeit ist das aber gar nicht so leicht.
Langfristig ist es sowohl für die Gesundheit des Einzelnen als auch für die Produktivität eines Unternehmens lohnender, wenn kranke Mitarbeiter sich die Zeit nehmen, sich zu Hause auszukurieren. Wie aber gehen die 15 % der Arbeitskräfte in Europa damit um, die in Selbstständigkeit tätig sind? Aufschluss darüber geben Umfragedaten aus dem Jahr 2010, mit knapp 2.200 Selbstständigen und 16.000 Festangestellten aus zwölf Ländern Nord-West-Europas.
52,4 %, also mehr als jeder zweite der Selbstständigen, gab an, im vergangenen Jahr trotz Krankheit gearbeitet zu haben – signifikant mehr als in der Gruppe der Angestellten (43,6 %). Das wöchentliche Arbeitspensum der Selbstständigen war behansignifikant höher als das der Angestellten (43,5 vs. 35,4 Stunden) und die Selbstständigen arbeiteten signifikant häufiger wochentags auch noch abends sowie sonntags und in ihrer Freizeit.
Der Hauptgrund für das Weiterarbeiten im kranken Zustand war der Zeitdruck, der bei Selbstständigen offensichtlich sehr hoch ist. Besonders stark betroffen waren jüngere Selbstständige sowie jene mit Kindern und finanziellen Schwierigkeiten. Bei diesen Patienten ist die Gefahr, sich zu überlasten, folglich besonders hoch. OH
Quelle: Nordenmark M et al.: Sickness presenteism among the self-employed and employed in northwestern europe – the importance of time demands. Saf Health Work 2019; 10: 224-8
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