Telemedizin

Praxis-Depesche 4/2020

"Listen to your patient" in Zeiten von Corona

In Zeiten von Corona ist der Faktor Zeit in der Praxis eine noch größere Mangelware und eine digitale Vernetzung wichtiger denn je. Doch wie lässt sich eine medizinische Versorgung trotzdem sicherstellen? Können digitale Lösungen medizinisches Know-how und modernste Technologie miteinander kombinieren?
Bei einer vollständigen Anamnese w werden nicht nur die ‚harten‘ Fakten wie Alter, Gewicht oder bisherige Vorerkrankungen erhoben, sondern auch weiterführende Informationen des Patienten, die bei der Suche nach der richtigen Therapie hilfreich sein könnten. Der kanadische Mediziner William Osler, der als „Vater der modernen Medizin“ die Arztausbildung revolutionierte, sagte: „Listen to your patient, he is telling you the diagnosis.“ Auch der Forscher J.R. Hampton war überzeugt, dass zur korrekten Diagnose drei Methoden gehörten: die körperliche Untersuchung auf Basis der Leitsymptome, die Untersuchung unter Zuhilfenahme laborativer Methoden und die Erhebung der Patientengeschichte.
 
Zeit ist Mangelware
Zeit ist innerhalb der nicht selten auf Rentabilität und Gewinnmaximierung ausgerichteten Krankenhaus- und Praxisprozesse zur Mangelware geworden. Im Schnitt behandeln Fachärzte 38 Patienten pro Tag, Hausärzte sogar noch mehr: Schon in normalen Zeiten geben sich rund 52 Patienten pro Arbeitstag die Klinke zum Sprechzimmer in die Hand. In Anbetracht der aktuell weltweiten Corona-Pandemie ist die Herausforderung für die Ärzte nur noch größer und die Zeit für ausführliche Anamnesegespräche noch knapper geworden.
 
Digitale Anamnese
Um eine effiziente, aber auch zeitsparende und damit für den Praxisalltag praktikable Anamnese sicherzustellen, sind bereits viele Praxen auf digitale Anamnesebögen umgestiegen. Diese dienen zur digitalen Erhebung und zugleich Dokumentation der Krankheitsgeschichte. Somit wird die Wartezeit für den Patienten sinnvoll genutzt und ein Arztgespräch zielgerichtet vorbereitet.
 
Identifizierung von COVID-Patienten
Das Robert Koch-Institut und die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) empfiehlt die Abklärung begründeter Verdachtsfälle durch Prüfung klinisch-epidemiologischer Kriterien. Dazu gibt das RKI klare Orientierungshilfen für Ärztinnen und Ärzte zur Verdachtsabklärung und empfiehlt geeignete Maßnahmen im Falle von COVID-19 Patienten. Jeder symptomatische Patient nimmt zunächst telefonischen Kontakt mit dem Hausarzt auf, um weitere Schritte zu besprechen. Im begründeten Verdachtsfall werden dann entsprechende Maßnahmen eingeleitet.
 
Identifizierung aus der Ferne
Softwarelösungen unterstützen Ärzte dabei, Verdachtsfälle aus der Ferne zu identifizieren. Idana® hat für Praxen einen speziellen digitalen Fragebogen zu COVID-19 entwickelt, den die Patienten bequem zu Hause am PC oder Handy ausfüllen. Der Bericht wird nach Beantwortung der Fragen erstellt und sicher in die Praxis zurückgeschickt. Die Praxis nimmt daraufhin Kontakt mit dem Patienten auf und bespricht das weitere Vorgehen.
 
Interview- Fragen
1. In Zeiten von Corona erscheint eine digitale Vernetzung wichtiger denn je! Wie unterstützt Ihre Software dabei, Arzt und Patient einander näher zu bringen?
idana ermöglicht die digitale Befragung des Patienten über die Ferne, weshalb gerade jetzt zu Zeiten von Corona, die Lösung so breit und gut von den Praxen angenommen wird. Mit idana befragte Patienten berichten, dass sie sich trotz Distanz, gut beim Arzt aufgehoben fühlen und Ärzte berichten, dass sie eine Lösung gefunden haben, die Versorgung sicherzustellen, ohne sich selbst zu gefährden. Eine Anwenderin berichtete, dass sie 20 bis 40 Infektpatienten pro Tag mit idana sicher versorgen kann. Aber idana bringt eben keine Distanz zwischen Arzt und Patient, sondern überbrückt sie. So kommt das System auch abseits von Corona viel zum Einsatz. Praxen nutzen idana zum Beispiel, um neue Patienten bereits vor dem Praxisbesuch via digitaler Formulare und Aufnahmebögen aufzunehmen. Mithilfe der Vorabinformationen, die als Report mit Warnsignalen und wichtigsten Antworten zurückgegeben werden, können sie den Besuch besser planen, und so Zeit oder sogar einen Kontakt einsparen. idana-Ärzte nutzen diesen Report als Gesprächsleitfaden für ein zielführendes und vollständiges Gespräch.
 
2. Sie haben einen digitalen Fragebogen zu COVID-19 entwickelt, der es Ärzten ermöglicht, Verdachtsfälle auch aus der Ferne zu identifizieren. Doch quasi täglich treffen neue Erkenntnisse und Informationen des Robert Koch-Instituts ein. Wie stellen Sie sicher, dass Ihr Fragebogen aktuell ist?
Wir prüfen täglich die aktuellen Informationen des Robert Koch- Instituts (RKI) und passen unseren COVID-19-Fragebogen dementsprechend an. Die größte Änderung bisher erfolgte am 24.3.2020, als der Behandlungsalgorithmus des RKI grundlegend überarbeitet wurde. Die Frage nach einem Aufenthalt in Risikogebieten spielt seitdem keine Rolle mehr. Vielmehr zählen nun z. B. ein persönliches Risiko durch Vorerkrankungen und eine Tätigkeit in der Pflege, Praxis oder Klinik als Gründe, eine COVID-19-Diagnostik bei akuten respiratorischen Symptomen durchzuführen.
 
3.Gesundheitsdaten sind sehr sensibel. Wie steht es um die sorgfältige Behandlung dieser Daten mit Ihrer Software bzw. App?
Wir haben sehr viel Zeit investiert, damit idana einen neuen Standard bei der Datensicherheit setzt, der keine Kompromisse mit sich bringt. Die Software verschlüsselt dreifach: Alle Daten werden über verschlüsselte Kanäle transportiert und in verschlüsselten Datenbanken gespeichert. Zusätzlich gibt es eine echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für die sensiblen Patientendaten, bei der die Daten über die gesamte Strecke vom Gerät des Patienten bis zum PC in der Arzt-Praxis verschlüsselt sind. So kann niemand – außer der Praxis selbst – die Antworten der Patienten lesen. Abgerundet wird der Datenschutz durch automatische Backups der Datenbanken, redundanten Servern und der Möglichkeit, idana auf Tablets in der Praxis vollständig getrennt vom internen Netzwerk zu betreiben. DM
 
Vielen Dank an Dr. med. Lilian Rettegi und Dr. med. Lucas Spohn für das Gespräch!
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