Gicht-Therapie | Praxis-Depesche

Mehr Harnsäuresenker verschreiben und mehr aufklären!

Obwohl eine Gicht-Erkrankung mit erhöhter Morbidität und Mortalität einhergeht, ist die Adhärenz der Patienten bezüglich der notwendigen Harnsäure-senkenden Therapie meist schlecht. Zum Teil liegt das an der Unaufgeklärtheit der Patienten, zum Teil ist es aber auch der Arzt, der dazu­lernen muss.

Die Adhärenzraten in der Gicht-Therapie bewegen sich im Bereich von 20 bis 70% und sind damit besonders niedrig. So erreichte in einer Vergleichsstudie über sieben verschiedene chronische Erkrankungen  die Therapie-Adhärenz bei Gicht mit gerade einmal 36,8% den letzten aller Plätze.

Um die Adhärenz zu verbessern, gilt es an verschiedenen Punkten anzusetzen, unter anderem an der Wahl der Therapie. Um es dem Patienten möglichst einfach zu machen, sollte man Harnsäuresenker bevorzugen, die nur nur 1x täglich angewendet werden müssen und keine laufenden Dosisanpassungen erfordern, wie z. B. Febuxostat. Auch unnötig häufige Therapieumstellungen sollte man besser vermeiden. Dass eine gute Verträglichkeit die Adhärenz fördert, versteht sich von selbst. Wichtig ist auch, den Patienten über das mögliche Auftreten initialer Gicht-Schübe bei Beginn der Therapie aufzuklären, damit er diese nicht unnötig in Zweifel zieht.

Generell ist die mangelnde Aufgeklärtheit der Patienten oft ausschlaggebend für die suboptimale Adhärenz. Denn viele Patienten empfinden zwar die Gichtattacken und vor allem die damit verbundenen Schmerzen als störend, sind sich über die weitreichenden Folgen der Erkrankung für den allgemeinen Gesundheitszustand nicht bewusst. Als Arzt sollte man Ihnen daher dringend klar machen, wie wichtig eine Harnsäure-senkende Therapie ist.

Aufklärungsmaßnahmen sind aber nicht nur für die Patienten nötig, sondern auch für die Ärtzeschaft. Denn Studien zufolge sind viele Ärzte mit den geltenden Leitlinien zur Gicht-Therapie nicht vertraut, streben keinen Harnsäure-Zielwert an und kontrollieren den Wert auch nicht regelmäßig. Statt auf den Patienten zugeschnittene Therapieregime werden häufig einfach die Standarddosierungen verschrieben. Dem Wissensmangel ist es wohl auch verschuldet, dass Harnsäuresenker zu wenig verordnet werden. So wurden in einer Studie nur 49% aller betroffenen Patienten zu ihrer Gicht-Erkrankung und Harnsäuresenkern konsultiert, und nur 38% erhielten eine harnsäuresenkende Therapie.OH


Quelle:

Perez-Ruiz F, Desideri G: Improving adherence to gout therapy: an expert review. Ther Clin Risk Manag 2018; 14: 793-802

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