Die Entscheidung erleichtern | Praxis-Depesche 9/2017

Muss das Kind ins CT?

Kommen Kinder oder Jugendliche mit einer Kopfverletzung in die Notaufnahme, stellt sich die Frage, ob eine kraniale Computertomographie indiziert ist. Drei klinische Entscheidungshilfen wurden nun verglichen und validiert.

An über 20 000 Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren testete man die drei klinischen Entscheidungshilfen PECARN, CATCH und CHALICE. Nach Anwendung der Regeln entschied man sich in 10% der Fälle für ein CT, 23% wurden stationär aufgenommen und weniger als 1% mussten neurochirurgisch behandelt werden oder verstarben.
Die höchste Punktvalidierungs-Sensitivität erreichte PECARN (für Kinder <2 Jahre und ≥2 Jahre, 100,0% bzw. 99,0%). CATCH kam auf einen Wert von 95,2% und CHALICE erreichte 92,3%. Daher wird im folgenden der PECARN für Kinder ab einem Alter von zwei Jahren dargestellt (Pediatric Emergency Care Applied Research Network). Die Prädiktionsvariablen sind:
  • schwerer Verletzungsmechanismus, z. B. Autounfall mit Herausschleudern, Tod eines anderen Passagiers, Überschlag des Kfz; Fußgänger oder Fahrradfahrer ohne Helm, der von motorisiertem Gefährt getroffen wird
  • Bewusstseinsverlust, Kopfschmerzen oder anamnestisch Erbrechen
  • GSC <15 oder andere Zeichen einer eingeschränkten Bewusstseinslage; klinische Zeichen einer Schädelbasisfraktur
  • Bei Kindern <2 Jahre beträgt die fragliche Fallhöhe 0,9 m, man sollte auf Schädelfrakturen generell achten; Bewusstlosigkeit zählt erst ab mehr als 5 Sek., oder wenn die Eltern ein anormales Verhalten des Kindes bemerken.

Ist keine der genannten Prädiktionsvariablen positiv, ist eine kraniale CT aller Wahrscheinlichkeit nach unnötig. CB

Quelle:

Babl FE et al.: Accuracy of PECARN, CATCH, and CHALICE head injury decision rules in children: a prospective cohort study. Lancet 2017; 389: 2393-402

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