Praxis-Depesche 9/2010

Ne pas d´ACCORD

Die ACCORD-Studie ist eine Mega-Untersuchung zu Fragen der Diabetes-Therapie, die von renommierten amerikanischen Institutionen getragen wurde, vergleichbar vielleicht mit der vielzitierten UKPDS aus Großbritannien. Sie sollte klären, ob man die Prognose schlecht eingestellter Typ-2-Diabetiker mit Hilfe einer strengen Einstellung (HbA1c unter 6%) verbessern kann, verglichen mit einer Standard-Einstellung (HbA1c 7,0 bis 7,9%).

Die ACCORD-Studie ist eine Mega-Untersuchung zu Fragen der Diabetes-Therapie, die von renommierten amerikanischen Institutionen getragen wurde, vergleichbar vielleicht mit der vielzitierten UKPDS aus Großbritannien. Sie sollte klären, ob man die Prognose schlecht eingestellter Typ-2-Diabetiker mit Hilfe einer strengen Einstellung (HbA1c unter 6%) verbessern kann, verglichen mit einer Standard-Einstellung (HbA1c 7,0 bis 7,9%).

Vor dem Start der Studie waren ethische Bedenken geäußert worden, ob man der Hälfte der Teilnehmer die (ja wohl sicher vorteilhafte) strengere Einstellung vorenthalten dürfe. Es kam anders: Die strenge Einstellung wurde vorzeitig aufgegeben, weil sie offensichtlich zu einer höheren Gesamt- und kardiovaskulären Mortalität führte. Von den erwarteten Verbesserungen mikrovaskulärer Art traten nur einige ein. Die Intensivtherapie war zu-dem mit Gewichtszunahme und hohem Hypoglykämie-Risiko verbunden (Lancet 376, 2010, 419-430). Kommentatoren warnen trotz dieser Ergebnisse davor, nun einer nachlässigen Blutzu-ckereinstellung das Wort zu reden.

Eine andere Teilauswertung von ACCORD hatte keinen Vorteil einer Lipidtherapie bei Typ-2-Dia­- betikern ergeben, bei der zusätzlich zu Simvastatin Fenofibrat gegeben wurde (NEJM 362, 2010, 1563-1574). Auch dieses Ergebnis wird inzwischen angefochten, z. B. mit einer Metaanalyse, die den Fibraten durchaus einen Nutzen zuschreibt (Lancet 375, 2010, 1875-1884).

Dr. med. Wilfried Ehnert

Chefredakteur

ehnert@gfi-online.de

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