Laktose-Unverträglichkeit | Praxis-Depesche 8-9/2019

Normalzustand oder Krankheit?

Vor allem genetische Untersuchungen haben Erkenntnisse zum Laktose-Stoffwechsel gezeitigt. Sie leisten auch einen Beitrag zur Therapie der Unverträglichkeit.
Milchzucker liefert den größten Teil der Kalorien von Milch. Um ihn zu verwerten, sind Kleinkinder mit dem Enzym Laktase ausgestattet. Eigentlich ist es normal, wenn diese Fähigkeit mit dem Alter verschwindet. Vor allem in westlichen Ländern hat sich jedoch eine Lactase-Pertinenz entwickelt, sodass rund 14 % der Energieaufnahme Erwachsener aus Milchprodukten stammt.
Fortbestehende Laktose-Verträglichkeit hängt von einem einzigen Polymorphismus in einem Gen auf Chromosom 2 ab. Wird das Laktase-Gen inaktiviert, ist Laktose- Malabsorption die Folge. Neben dem „normalen“ Enzymmangel gibt es auch sekundäre Ursachen. Laktose-Unverträglichkeit kann die Folge einer gestörten Glucoseresorption durch die Darmschleimhaut oder einer veränderten Darmflora sein. Wenn sich nach Ingestion von Milchprodukten gastrointestinale Beschwerden einstellen, spricht man von Laktose-Intoleranz. Zur Diagnostik dienen Belastungstests, Endoskopie und genetische Tests.
Zur Therapie werden eine Ernährung mit wenig Laktose, die Supplementierung von Lactase und die Adaptation des Kolon-Mikrobioms eingesetzt. Die klinischen Erfolge sind mäßig; Laktose ist nur eines von vielen Kohlenhydraten, die schlecht resorbiert werden können. WE
Quelle: Misselwitz B et al.: Update on lactose malabsorption and intolerance: pathogenesis, diagnosis and clinical management. Gut 2019; 0: 1-12

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