Migräne und Kopfschmerzerkrankungen

Praxis-Depesche 5/2021

Öfter nicht-medikamentöse Therapien nutzen!

Physiotherapie und Psychotherapie sind mittlerweile fester Bestandteil der (teil-)stationären multimodalen Schmerzbehandlung. Auch bei Migräne haben sich diese nicht-medikamentösen Ansätze bewährt – im ambulanten Bereich sind sie dennoch kaum etabliert.
Physiotherapeutische Verfahren sind aus der multimodalen Schmerzbehandlung nicht mehr wegzudenken, so die Autorin einer neuen Übersichtsarbeit. Dabei gelte es jedoch, den Teil der Migränepatient: innen ausfindig zu machen, die von einer Physiotherapie profitieren. Erster Schritt ist die Anamnese und die Durchführung der von einer internationalen Expertengruppe empfohlenen Testserie für Kopfschmerzpatient:innen, um muskuloskelettale Auffälligkeiten zu identifizieren. Diese Bestandsaufnahme bildet die Grundlage für eine evidenzbasierte und langfristig erfolgreiche Behandlung. Laut einer präferenzenbasierten Studie ist die Physiotherapie sogar wirksamer als aerobes Ausdauertraining, das seit Jahren in den internationalen Leitlinien zur Behandlung der Migräne empfohlen wird. Weitere Studien konnten zeigen, dass physiotherapeutische Verfahren Migräneparameter reduzieren, die Lebensqualität verbessern und den Medikamentengebrauch verringern. Allerdings ist die methodische Qualität der Studien oft unzureichend oder die Effektstärken gering.
Nach fundierter muskuloskelettaler Untersuchung ohne Befund können psychotherapeutische Verfahren hilfreich sein. Entspannungstechniken, Biofeedback und kognitive Verhaltenstherapie sind eine leitliniengerechte Behandlung bei Migräne. Sie zielen auf die Veränderung unterschiedlicher schmerzassoziierter Faktoren ab: Senkung der Grundanspannung, Steigerung der Selbstwirksamkeit und Krankheitsakzeptanz. Die Wirksamkeit psychotherapeutischer Methoden ist Studien zufolge vergleichbar mit der medikamentöser Strategien. Eine Zusammenarbeit mit Physiotherapeuten, die Interesse an der Schmerztherapie haben, könne im ambulanten Setting eine Bereicherung für Ärzt:innen, Therapeut:innen und Patient:innen sein, fasst die Autorin zusammen. Wichtig sei, psychische Belastungen und Stress im Zusammenhang mit Schmerz zu erfragen sowie bei Bedarf eine psychotherapeutische Weiterbehandlung anzubahnen. RG
Quelle: Anna-Lena Guth: Physiotherapie und Psychotherapie bei Migräne mehr nutzen! MMW Fortschr Med 2021; 163 (4
ICD-Codes: G43.9
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