Lipidtherapie | Praxis-Depesche 9/2018

Patienten mit einem niedrigen Risiko sind in Studien unterrepräsentiert

Die Amerikanischen Fachgesellschaften für Kardiologie und die European Society of Cardiology (ESC) haben in den letzten Jahren ihre Leitlinien für die Lipidtherapie zur Primärprävention der KHK aktualisiert. Patienten mit niedrigem und intermediärem Risiko werden dabei aber kaum miteinbezogen.

Dies zeigen Daten der Rotterdam-Studie mit 7279 Probanden im Alter zwischen 45 und 75 Jahren ohne KHK. Für jeden dieser Teilnehmer wurde ein Vergleichspatient aus elf großen randomisierten Studien zum Thema „präventive Lipidtherapie“ gesucht, dem nach den aktuellen Leitlinien eine lipidsenkende Therapie empfohlen wurde.
Der Anteil der Patienten, der den Teilnehmern der Rotterdam-Studie entsprach, schwankte zwischen den elf Studien stark; in der ALLHAT-LLT-Studie waren es 0,4% und in der MEGA-Studie 30,8%. Die Wahrscheinlichkeit für die Verordnung eines Lipidsenkers war am niedrigsten, wenn der Proband einer Studie bei Patienten mit geringem oder intermediärem Risiko entsprach (HOPE-3, MEGA, Jupiter). Probanden, die den Hochrisiko-Patienten aus den Studien entsprachen, wurden häufiger therapiert. Dazu gehörten Diabetiker (MRC/BHF, HPS, CARDS, ASPEN) und ältere Patienten (Prosper). Patienten mit einem niedrigen und intermediären KHK-Risiko sind in den großen randomisierten Lipidstudien folglich unterrepräsentiert und finden in den entsprechenden Leitlinien daher nicht ausreichend Berücksichtigung. PS

Quelle:

Pavlovic J. et al.: Assessing gaps in cholesterol treatment guidelines für primary prevention of cardiovascular disease based on available randomised clinical trial evidence: the Rotterdam Study. Eur J Prev Cardiol 2018; 25(4): 420-31

ICD-Codes: E78.0

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