Deutsche Gesellschaft für Pneumologie, Bochum 2002 | Praxis-Depesche 13/2002

Pulmonale Hypertonie: vor Hypoxie schützen

Chronisch obstruktive und interstitielle Lungenerkrankungen können zu einer pulmonalen Hypertonie führen. Im Falle der COPD stellt dies ein prognostisch ungünstiges Zeichen dar. Das chronische Cor pulmonale neigt zur akuten Dekompensation, wenn Infekte auftreten oder die Hypoxie sich verstärkt. Solche Trigger gilt es zu vermeiden oder rasch zu beseitigen.

Alveoläre Hypoxie, Entzündung und strukturelle Verluste der Lungengefäße sind die pathophysiologischen Faktoren, die der Entwicklung einer pulmonalen Hypertonie zugrunde liegen. Eine Reduktion der pulmonalen Strombahn, etwa bei schwerem Lungenemphysem oder nach Resektion reicht alleine nicht aus, um einen Lungenhochdruck entstehen zu lassen. Chronisch obstruktive Lungenerkrankungen sind bei uns die häufigste Ursache für eine pulmonale Hypertonie. Mehr als die Hälfte dieser Patienten entwickelt ein Cor pulmonale. Spätestens wenn sich eine respiratorische Globalinsuffizienz entwickelt hat, muss eine Erschöpfung der Atemmuskulatur und eine globale alveoläre Hypoxie angenommen werden, wie PD Horst Olschewski, Gießen, ausführte. Der Euler-Liljestrand-Mechanismus bewirkt, dass diese zu einer allgemeinen Vasokonstriktion in der Lungenstrombahn führt. Der Pulmonalarteriendruck nimmt bei COPD-Patienten um etwa 0,4 mmHg pro Jahr zu. Auf Dauer kommt es dabei zu einem Remodelling der Gefäßwand mit Media-Hypertrophie. Andere Ursachen einer hypoxisch bedingten pulmonalen Hypertonie sind Thorax-Deformitäten und das Obesitas-Hypoventilationssyndrom. Entzündungsprozesse in den Atemwegen wirken als Trigger für die pulmonale Hypertonie. Sie verstärken die alveoläre Hypoxie oder direkt die pulmonale Vasokonstriktion. Wie groß der Einfluss der Entzündung ist, wird auch daran sichtbar, dass die "blue bloater" viel stärker zur pulmonalen Hypertonie neigen als die "pink puffer". Der Schweregrad einer obstruktiven Lungenerkrankung korreliert in gewissem Ausmaß mit dem Schweregrad der pulmonalen Hypertonie. Dies gilt insbesondere, wenn der CO2-Partialdruck im Blut und nicht der O2-Partialdruck als Parameter herangezogen wird. Interstitielle Lungenerkrankungen führen nicht selten zu einem sehr schweren pulmonalen Hochdruck. Dieser korreliert jedoch wenig mit dem Ausmaß der Fibrose. Im Vorfeld einer Lungentransplantation geht deshalb kein Weg daran vorbei, den pulmonalen Gefäßwiderstand mittels Einschwemmkatheter zu messen. Besonders häufig entwickelt sich eine pulmonale Hypertonie bei Sklerodermie. Die Hälfte aller Sklerodermie-Patienten sterben daran. Auch bei Histiozytosis X und Sarkoidose tritt relativ häufig eine schwere pulmonale Hypertonie auf. Die Basis der Therapie einer pulmonalen Hypertonie bei Lungenerkrankungen ist die optimale Therapie der Grundkrankheit. Bei der COPD mit mittelschwerer pulmonaler Hypertonie steht die Sauerstoff-Langzeitgabe im Vordergrund, um die alveoläre Hypoxie zu beheben. Diese Maßnahme verbessert auch die Prognose von COPD-Patienten und stabilisiert die pulmonale Hypertonie wenigstens. Antiobstruktive und antiinflammatorische Medikamente kommen hinzu. Besteht die pulmonale Hypertonie weiter, sollte man über den Einsatz von Medikamenten nachdenken, die auch bei der primären pulmonalen Hypertonie angewendet werden: Prostanoide, Endothelin-Antagonisten oder Phosphodiesterasehemmer. Interkurrierende Infekte müssen sofort antibiotisch behandelt werden, da mit jedem Infekt eine Dekompensation droht. Wichtig ist auch, dass der Patient Hypoxien vermeidet. "Selbst die Überquerung eines Alpenpasses kann schon zur Dekompensation führen", warnte Olschewski. Über eine Höhe von 1200 m hinaus sollte sich der pulmonale Hypertoniker nicht bewegen.

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

Ihr Zugang zu exklusiven Inhalten für Fachkreise

Login für Fachkreise

Neu registrieren

Passwort vergessen?

Anzeige

Neu: Digitales Messen – berührungslos, schnell, mobil

Mit medi vision bringt der Hersteller medi erstmals ein berührungsloses, digitales Messtool auf den Markt. Erfahren Sie mehr im Video.