Darmprobleme, Beckenbodendysfunktion | Praxis-Depesche 5/2011

Rektozele und Co.: Den Patienten kann geholfen werden

Dies geschieht u. a. am „Oxford Pelvic Floor Centre, Surgery and Diagnostics“. Dessen drei „consultants“ geben gemeinsam einen Überblick über Beurteilung und Therapie von rektalem Prolaps, rektaler Intussuszeption, Rektozele und Enterozele bei Erwachsenen. In den letzten Jahren brachten OPs in schweren Fällen gute Erfolge.

Beckenbodenstörungen sind häufig, und oft bestehen sekundäre Symptome wie Analfissur oder Hämorrhoiden. Unter Rek­tumprolaps versteht man die Extrusion der Wand des Rektums in ganzer Dicke über den Anusrand hinaus. Der interne Prolaps (Intussuszeption) geht nicht über den Anus hinaus. Bei beiden besteht oft gleichzeitig eine Rektozele (Herniation des rektovaginalen Septums nach vorn in die Vagina) und eine Enterozele (tiefe Herniation des rektovaginalen Peritoneums). Pauschal werden diese Störungen häufig als Beckenbodendysfunktion bezeichnet. Hier geht es um Probleme des pos­terioren Kompartiments.

Betroffene können oft das Rektum nicht effektiv entleeren (Syndrom der obstruierten Defäkation, ODS) und stellen etwa die Hälfte der Personen mit Obstipation; bei den übrigen besteht Darmträgheit. Sie können zusätzliche Symptome wie Inkontinenz und Schmerzen bekommen.

Eine Beckenbodendysfunktion kann in jedem Alter auftreten und betrifft öfter Frauen (Schädigung bei einer Geburt ist die häufigs­te Ursache). Zwischen Schädigung und Konsultation können viele Jahre vergehen. Oft hören Betroffene, sie hätten Hämorrhoiden, eine Analfissur oder ein Reizdarmsyndrom. Das wahre Problem bleibt unbeachtet.

Die Patienten können ein einziges Symp­tom haben; häufig sind es aber mehrere. Bei einer „Beule“ am Anusrand kann man beim echten Rektumprolaps die Muskulatur palpieren. Bei Inkontinenz (siehe Kasten) geben Fragen nach geändertem Lebensstil oder Tragen von Vorlagen einen Hinweis auf die Schwere. Das Problem der Obstipation kann für die Patienten größer sein. Man muss genau fragen, was sie darunter verstehen. Obwohl es widersprüchlich erscheint, bestehen Inkontinenz und ODS oft gleichzeitig.

Bei der Damm-Inspektion achte man auf Narben, Fissuren oder Hämorrhoiden, frühere Episiotomie, Verschmutzung und sichtbaren Prolaps. Bei Prolaps-Verdacht kann man, so ein hoher Nachtstuhl vorhanden ist, versuchen zu sehen, was beim Pressen passiert. Die digitale Untersuchung kann einen genauen Eindruck vom Druck im Analkanal in Ruhe und beim aktiven Verschließen geben. Wichtig ist der Ausschluss anderer Ursachen, inklusive Krebs (Koloskopie).

Oft hilft konservative Therapie

Eine erhebliche Inkontinenz können konservative Maßnahmen deutlich bessern, da­runter bei weichem Stuhl Substanzen wie Loperamid und Kostveränderung. Die Reaktion auf Ballaststoffe variiert stark. Patienten mit ODS können von osmotischen Laxanzien profitieren. Helfen diese Maßnahmen nicht gut, kann der Spezialist weiter untersuchen, u. a. die anorektale Physiologie (Sphinkterfunktion, Sensibilität etc.) sowie mit endoanalem Ultraschall. Bei der Defäkographie (mit Bariumpaste und oralem Kontrast, um bei der Durchleuchtung, evtl. auch im MRT, eine Enterozele sichtbar zu machen) finden sich auch bei asymptomatischen Personen Anomalien, sodass die Befunde zusammen mit der Klinik interpretiert werden müssen.

Die Autoren geben Tipps zum Reponieren eines akuten Prolaps. Kommt eine OP in Frage, ziehen sie beim Prolaps von den beschriebenen Methoden die laparoskopische ventrale Rektopexie vor. Im Zusammenhang mit Intussuszeption gehen sie auf das bei Be-ckenbodenproblemen etablierte Biofeedback ein (dazu gibt es heterogene Studien unterschiedlicher Qualität) und auf mögliche Eingriffe. Sie erörtern auch die Optionen bei Enterozele oder isolierter Rektozele.

In den letzten Jahren wurden gute Erfolge mit chirurgischen Eingriffen erzielt, sodass bei refraktären Symptomen Spezialisten eine OP-Indikation abklären sollten. SN

Quelle: Jones OM et al.: The Assessment and management of rectal prolapse, rectal intussusception, rectocele, and enterocele in adults, Zeitschrift: BRITISH MEDICAL JOURNAL, Ausgabe 342 (2011), Seiten: doi: 10.1136/bmj.c7099

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