Häufige Grunderkrankungen | Praxis-Depesche 18/2000

Rezidiverende Pneumonien im Kindesalter

Bei Pneumonie-Rezidiven kann offenbar fast immer eine zu Grunde liegende Erkrankung (und damit ein kausaler Therapieansatz) gefunden werden.

Bei 238 Kindern (zweieinhalb Monate bis 16 Jahre alt) mit rezidivierender Pneumonie wurde anhand der Krankenakten retrospektiv eine Ursache gesucht. Bei 92% konnte eine Grunderkrankung gefunden werden. Bei 81% dieser Gruppe war sie schon vor der Pneumonie diagnostiziert worden. Am häufigsten lag ein Aspirationssyndrom auf dem Boden einer oropharyngealen Koordinationsstörung vor (48% der Fälle), meist auf der Grundlage einer zerebralen Schädigung. Bei der zweithäufigsten Ursache, einer Störung des Immunsystems (10%), fanden sich maligne Grunderkrankungen, Dysgammaglobulinämie, HIV-Infektion und Panzytopenie. Eine angeborene Herzerkrankung wurde in 9% diagnostiziert. Darüber hinaus fand sich bei 8% ein Asthma, bei 8% eine Anomalie der Atemwege, bei 5% ein gastroösophagealer Reflux, bei 4% eine Sichelzellanämie. Bei 8% der Kinder konnte keine Grunderkrankung eruiert werden. Bei rezidivierenden Pneumonien können Alter der Kinder und Lokalisation der Entzündung diagnostisch wegweisend sein: In den ersten Lebensmonaten demaskieren sich strukturelle oder funktionelle Atemwegsanomalien oft als multiple Pneumonien im selben Lungenflügel. Im Alter unter eineinhalb Jahren liegt häufig ein gastroösophagealer Reflux vor. Bilaterale interstitionelle Pneumonien können die Erstmanifestation einer HIV-Infektion sein. Wenn die aufwendige Ursachensuche vermeintlich ergebnislos verläuft, steckt oft ein Asthma bronchiale dahinter. Gedeihstörungen weisen auf ein gestörtes Immunsystem hin. (Ko)

Quelle: Wayes, AF: Underlying causes of recurrent pneumonia in children, Zeitschrift: ARCHIVES OF PEDIATRICS AND ADOLESCENT MEDICINE, Ausgabe 154 (2000), Seiten: 190-4

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