Praxis-Depesche 5/2018

Nach Germanwings-Katastrophe

Risikofaktoren für „ Pilotensuizid"

Selbst Katastrophen, bei denen viele Menschen ihr Leben lassen, verschwinden heutzutage nach der ersten Welle der medialen Ausschlachtung schnell wieder aus dem Kollektiv-Gedächtnis. So auch der Germanwings- Absturz 2015. Forscher aus dem UK nahmen diesen nun zum Anlass, sich systematisch und wissenschaftlich mit dem Thema „Depressionen bei Piloten“ auseinanderzusetzen.

20 Studien mit Daten zum mentalen Gesundheitszustand von Linienpiloten und zu „aircraft-assisted suicide“ („Pilotensuizid“) konnte man identifizieren und auswerten. Die Prävalenz von Depressionen lag bei Piloten mit 1,9 bis 12,6% im Rahmen derer der Allgemeinbevölkerung – bzw. darüber. Ein Pilotensuizid, der meistens einen sogenannten „erweiterten Suizid“ darstellt, ist insgesamt zwar ein sehr seltenes Ereignis – Depressionen bei Piloten sind es aber nicht.
Weibliche Piloten sind häufiger von Depressionen betroffen als Männer; allerdings wurden bislang 100% aller bekannten Pilotensuizide von Männern begangen (häufiger von jüngeren Piloten unter 40 Jahren). Aber es konnten noch weitere Risikofaktoren für Depressionen identifiziert werden, auch wenn die Studiendaten dazu insgesamt schwach waren. 16,2% der Piloten, die mehr als einen alkoholischen Drink pro Tag zu sich nahmen, erfüllten die Kriterien einer Major-Depression. Auch sexuelle Belästigungen und Mobbing an mindestens vier Tagen pro Woche, der Gebrauch von Schlafmitteln und Übermüdung erhöhten das Depressionsrisiko. Piloten, die regelmäßig Sport trieben und eine im Vergleich mit anderen geringere Arbeitsbelastung aufwiesen, zeigten seltener mentale Erkrankungen (nur 2,2%). Die Dauer der Berufstätigkeit und eine Gesamtflugstundenzahl von über 10 000 waren starke Risikofaktoren für emotionalen Stress. 16% aller Pilotensuizide wurden unter der Einnahme von verschreibungspflichtigen Medikamenten begangen (vs. 3,9% bei Non-Rx-Präparaten). CB

Quelle:

Pasha T, Stokes PRA: Reflecting on the Germanwings disaster: a systematic review of depression and suicide in commercial airline pilots. Front Psychiatry 2018; 9: 86



Link zur Originalarbeit Originalarbeit bestellen

Das könnte Sie auch interessieren

Jeder 10. Pilot depressiv, jeder 20. suizidal?
GFI Der Medizin-Verlag

Anschrift

GFI. Gesellschaft für medizinische Information mbH
Paul-Wassermann-Straße 15
81829 München

Telefon: +49 89 4366300
Fax: +49 89 436630210
E-Mail: info@gfi-online.de

Copyright © 2018, GFI | AGB | Sicherheit und Datenschutz | Impressum